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TOGGENBURG: Ermitteln am Tatort Berg

In den Churfirsten haben sich kürzlich zwei tödliche Unfälle zugetragen. In solchen Fällen rücken die Polizisten des Alpinkaders aus, um den Tatbestand im Gebirge aufzunehmen und zu ermitteln.
Delia Hug
Diese Polizisten arbeiten nebenamtlich im Alpinkader. (Bild: Samuel Schalch)

Diese Polizisten arbeiten nebenamtlich im Alpinkader. (Bild: Samuel Schalch)

Delia Hug

delia.hug@toggenburgmedien.ch

Auch diesen Sommer strömen viele Wanderfreudige in die Höhen des nahe gelegenen Toggenburgs. Als ideales Wandergebiet für Jung und Alt erweisen sich die Churfirsten. Nicht zu hoch, nicht allzu steil und ein atemberaubender Ausblick krönt den Aufstieg. Jeder der insgesamt sieben Gipfel ist mit markierten Wanderwegen zugänglich. Die Churfirsten sind zwar kein hochalpines Gelände. Dennoch zeigt sich die Gefahr auch in diesen eher niedrigen Lagen. Trotz guter Ausrüstung und schnellem Kontakt zu Rettungsstellen per Smartphone, jeder Fehltritt, jeder lose Stein und jede Unaufmerksamkeit kann tödlich enden. Gleich zweimal waren die Churfirsten in den vergangenen Tagen der Tatort, wie diese Zeitung berichtete.

• Am 23. Juli rutschte ein 57-jähriger Mann in einem Couloir auf dem Weg vom Frümsel zum Selun aus und stürzte in die Tiefe. Trotz sofortiger Rettung durch die Rega verstarb der Mann kurze Zeit später.

• Der zweite tödliche Unfall ereignete sich am 1. August, ebenfalls am Frümsel. Beim Abstieg rutschte ein 58-jähriger Mann über einer Grasflanke aus und stürzte danach eine Felswand hinunter.

• Zudem ereignete sich schon am 29. Mai eine Tragödie in Wildhaus. Auf dem Weg nach Wasserauen wurde ein 29-jähriger Mann von einem unerwarteten Steinschlag getroffen und stürzte 300 Meter in die Tiefe.

Damit solche Unfälle im Gebirge ermittelt werden können, wird das Alpinkader der Kantonspolizei St. Gallen aufgeboten. 16 Polizisten sind professionalisiert worden, um im alpinen Gelände zu arbeiten. Zwar haben diese Polizisten keine extra Ausbildung absolviert, müssen aber in allen Geländeformen berggängig sein und sich in diversen Bergsportarten auskennen. Mit regelmässigen Aus- und Weiterbildungen werden sie zur Spezialeinheit in den Bergen ausgebildet. Über ein Alarmsystem werden bei Vorfällen mindestens zwei Alpinkadermitglieder aufgeboten.

Herr Krüsi, wann wird das Team des Alpinkaders aufgeboten?

Hanspeter Krüsi: Das Alpinkader der Kantonspolizei St. Gallen wird aufgeboten, wenn Personen sich in alpinen Regionen verirren oder verunfallen. Die Rettung und Bergung setzt Fachkenntnisse und technische Mittel voraus, über welche das Alpinkader verfügt. Eine Tatbestandsaufnahme erfolgt bei Toten oder Schwerverletzten, mit Leichtverletzten, sofern Strafantrag gestellt wird, oder bei einer Gefährdung des Lebens.

Es gab in den vergangenen Tagen zwei tödliche Unfälle in den Churfirsten. Sind die ein häufiges Einsatzgebiet?

Die Churfirsten sind das grösste Bergmassiv im Kanton St. Gallen. Demzufolge haben wir dort die meisten Einsätze. Der Alpstein beschäftigt uns weniger, da dieser vorwiegend in den beiden Appenzeller Kantonen liegt.

Welche Methoden werden angewandt, um einen Unfallhergang zu klären?

Das Alpinkader rückt wenn möglich und vertretbar immer unmittelbar nach dem Vorfall an den Ort des Ereignisses aus. Für allfällige schwierigere Unfallaufnahmen werden zum Teil Alpine Rettungsspezialisten oder andere Fachpersonen beigezogen. Die Unfallaufnahme im Gelände ist aufgrund der zum Teil sehr schwierigen Verhältnisse äusserst anspruchsvoll. Die polizeiliche Sachbearbeitung setzt aufgrund dessen Spezialkenntnisse voraus. Das «Grundrüstwerkzeug» jedes Alpinpolizisten ist aber dasselbe und es wird im Grundsatz nach dem gleichen System wie im Tal gearbeitet.

Kann ermittelt werden, worum es sich beim Unglück handelt?

Es ist eine der Aufgaben des Alpinkaders den Unfallhergang zu klären und zu dokumentieren. Oftmals ist es am Ort sehr schwierig zu erkennen, ob ein Suizid oder Unfall vorliegt. Ist die angetroffene Situation unklar und kann ein Suizid nicht ausgeschlossen werden, erfolgen Ermittlungen im Umfeld des Opfers. So haben wir beispielsweise auch schon Abschiedsbriefe in den Effekten oder im Auto des Verunfallten gefunden.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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