Titelverteidigung mit Ansage

Fussballfans haben oft einen zweifelhaften Ruf. An diversen Fanclub-Turnieren des Landes zeigen sie sich aber von der guten und sportlichen Seite. Die Fans des FC Wil sorgten zuletzt für Furore und gewannen ein internationales Turnier.

Simon Dudle
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Die Fans des FC Wil freuen sich über den zweiten Erfolg am Fanclubturnier in Zürich. (Bild: zVg.)

Die Fans des FC Wil freuen sich über den zweiten Erfolg am Fanclubturnier in Zürich. (Bild: zVg.)

Wil/Zürich. Wenn zwei Fanclubs unterschiedlicher Fussballclubs aufeinandertreffen, heisst das oft nichts Gutes, da der sportliche Aspekt dann meist nicht im Vordergrund steht. Dass es aber auch ganz anders geht, beweisen diverse Fangruppierungen an Fanclub-Turnieren, die an verschiedenen Orten Jahr für Jahr stattfinden.

Extra Aus Hamburg angereist

Eines der traditionellsten ist jenes im Westen der Stadt Zürich, wo der FC-Zürich-Fanclub-Letzi schon seit mehreren Jahrzehnten jeweils im Hochsommer ein solches Turnier organisiert. Eines der Hauptziele ist der sportliche Vergleich der verschiedenen Fanclubs, die aus der gesamten Schweiz und dem Ausland anreisen. Dieses Jahr erstmals dabei waren Fans der AC Bellinzona, seit geraumer Zeit ist ein Fanclub des Hamburgers SV in Zürich dabei. Die Deutschen fahren jeweils extra wegen des Turniers in die Schweiz.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kontaktpflege. So bleibt abseits des Spielfeldes Zeit für Gespräche rund um den Fussball, und natürlich darf auch das eine oder andere Bier nicht fehlen. Die Turnierleitung versucht mit einem Fairplay-Preis dafür zu sorgen, dass es trotz Ehrgeiz zu keinen unschönen Szenen kommt.

Seit Jahren mischt sich jeweils auch eine Fanvereinigung aus der Äbtestadt unter die kickenden Teams, um den FC Wil zu vertreten. Die Fanclique Black Bears ist ein loser Zusammenschluss an Fussballfans, die sich mehr oder weniger stark mit den Wiler Fussballern identifizieren. Darum machen sie an Fanclub-Turnieren mit, und schon seit bald zehn Jahren auch am «Letzicup» in Zürich. Waren die Leistungen zuerst meist durchzogen, so hat sich dies in den vergangenen beiden Austragungen schlagartig geändert, was auch an der Zusammenstellung der Mannschaft liegt.

Zeit gewonnen

War in den ersten Jahren jeweils schon nach der Vorrunde Endstation oder dann spätestens in den Achtelfinals, so resultierte im vergangenen Jahr bei einem Teilnehmerfeld von 20 Teams erstmals der Turniersieg, was damals einer Überraschung gleichkam. Heuer waren die Ansprüche höher, was auch einen administrativen Grund hatte. Als Titelverteidiger war es der Auftrag der Wiler Fans, den Namen der Fangruppierung auf die Plakette des Wanderpokals einzugravieren. Da dies jedoch vergessen ging, lautete das Motto: Turnier gewinnen, um noch ein Jahr mehr Zeit zu haben für die Gravierung.

Dementsprechend konzentriert gingen die Gelegenheits-Fussballer ans Werk. Im ersten Spiel des Tages stand der Vergleich mit dem organisierenden Fanclub Letzi auf dem Programm, und es resultierte ein 1:0-Sieg. Die Enttäuschung folgte auf dem Fuss, als gegen den Fanclub Mondgucker des VfB Stuttgart eine 0:1-Niederlage hingenommen werden musste. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Wiler noch nicht, dass es an diesem Tag die letzte Niederlage und das letzte Gegentor gewesen waren.

Keine Eishockey-Fans

Die Siegesserie hatte ihren Anfang mit dem 1:0-Sieg gegen die Eastboys, einen Fanclub der Grasshoppers. Der nächste Erfolg wurde den Wilern geschenkt, da der Gegner nicht angetreten war. Es hätte sich um Anhänger des Eishockey-Clubs Fribourg Gottéron gehandelt. So stiegen die Black Bears als Tabellenzweite in die Achtelfinalpartie gegen den Fanclub des FC Aarau, der mit Kindern im Team antrat. Der 7:0-Erfolg war verbunden mit der Viertelfinalqualifikation, wo Schweizer Fans von Borussia Dortmund Widersacher waren. Mit dem Lieblingsresultat von 1:0 wurde der Halbfinal erreicht, wo die fussballerisch starken Fans aus Bellinzona warteten. Nach einem 0:0 in der regulären Spielzeit musste das Penaltyschiessen entscheiden. Dort wurde der Wiler Torhüter zur entscheidenden Figur, als er zuerst einen Penalty hielt und danach einen verwertete.

In Nottwil noch ohne Erfolg

Im Final ging es gegen den Fanclub Hollerbach des Hamburger SV. Auch in dieser Partie fielen vorerst keine Tore, so dass die Entscheidung in der Verlängerung fallen musste, wo Marc Näf den entscheidenden Treffer erzielte und den Wilern die Titelverteidigung sicherte.

«Das Niveau wird Jahr für Jahr höher», fasste Jan Schwendener, einer der Spieler der Black Bears, zusammen, um dann zu ergänzen: «Es war genau wie im Vorjahr, als wir in der Vorrunde das zweite Spiel verloren und im Halbfinal ins Penaltyschiessen mussten.»

Der nächste fussballerische Termin steht für die «Black Bears» im Winter auf dem Programm, wenn sie nach Nottwil reisen, um dort an einem Turnier der FC-Luzern-Fans teilzunehmen. Dort warten sie noch auf einen Erfolg.