Titelgewinn vor dem nächsten grossen Schritt

FECHTEN. Selina Meier hat nicht mehr viel Zeit. Im Sommer wechselt die 18jährige Flawilerin von der Juniorenkategorie zu den Erwachsenen. Dann wird sie bei Turnieren auf deutlich ältere und erfahrenere Degenfechterinnen treffen.

Raya Badraun
Drucken
Die Flawilerin Selina Meier fechtet seit ihrem sechsten Lebensjahr. (Bild: Ralph Ribi)

Die Flawilerin Selina Meier fechtet seit ihrem sechsten Lebensjahr. (Bild: Ralph Ribi)

FECHTEN. Selina Meier hat nicht mehr viel Zeit. Im Sommer wechselt die 18jährige Flawilerin von der Juniorenkategorie zu den Erwachsenen. Dann wird sie bei Turnieren auf deutlich ältere und erfahrenere Degenfechterinnen treffen. «Das ist ein grosser Schritt», sagt Meier und blickt mit gemischten Gefühlen auf die neue Herausforderung. Einerseits freut sie sich. Doch sie weiss auch, dass die stärkere Konkurrenz ihre Chancen schmälern wird, vorne mitkämpfen zu können. Deshalb will sich Meier ihre Träume noch als Juniorin erfüllen – etwa an diesem Wochenende in St. Gallen.

Für den Club und die Mutter

Bei den Schweizer Meisterschaften im Athletik Zentrum, die der Fechtclub St. Gallen organisiert, hofft die junge Athletin auf ihren ersten Meistertitel bei den Juniorinnen. «Ich wäre sehr stolz und glücklich, wenn ich für meinen Club und meine Mutter Gold gewinnen könnte», sagt Meier. «Als Dankeschön für die bisherige grosse Unterstützung.» Denn bereits früh musste die Mutter für ihre Tochter Selina Taxifahrerin spielen.

Mit knapp fünf Jahren entdeckte Meier an der Offa den Fechtsport. Die Eleganz der Bewegungen und die weissen Kleider faszinierten das kleine Mädchen. «Zudem wollte ich einen Sport betreiben, den sonst niemand macht», sagt die Flawilerin. Da sie damals noch zu jung war, machte sie vorerst Ballett – eine Sportart, die Ähnlichkeiten mit dem Fechten hat. Mit sechs Jahren besuchte Meier schliesslich ihre erste Fechtstunde in Zürich. Damit begann nicht nur ihre sportliche Karriere, sondern auch ein Leben als Pendlerin. Mühe damit hatte sie nur dann, wenn sie nicht an einer Geburtstagsparty dabei sein konnte. «Sonst standen für mich das Fechten und die Schule immer im Mittelpunkt.»

Vom Hobby zum Leistungssport

Als Meier ab der Oberstufe die Sportschule in Kreuzlingen besuchte, wurde aus dem Hobby Leistungssport. Von nun an trainierte sie mindestens einmal pro Tag und steckte sich höhere Ziele. Die Nationalkader-Athletin träumte davon, international anzutreten, an einer EM oder WM dabei zu sein. «Ich wollte die Welt sehen und andere Fechtstile kennenlernen», sagt Meier. Seit drei Jahren lebt die Juniorin, die heute unter Trainer Xavier Boulet im Fechtclub St. Gallen trainiert, diesen Traum. Obwohl sie bereits viel Erfahrung hat, ist sie noch immer fasziniert von ihren Gegnerinnen. Etwa den Russinnen, die von ihren Trainern extrem angetrieben werden. Oder von Fechterinnen, die mit nur zwei perfekten Aktionen immer gewinnen. Um gegen solche Konkurrentinnen bestehen zu können, hilft ihr vor allem das Training mit Anfängern. «Da sie den Degen nicht unter Kontrolle haben, sind sie extrem unberechenbar», sagt Meier. «Wie die ausländischen Fechterinnen.»

Ersten Test bestanden

Neben den Juniorenturnieren absolviert Meier als Test auch solche gegen Seniorinnen. Die Resultate sind überraschend. Als sie etwa in Genf antrat, wurde sie bei den Juniorinnen 13. Bei den Frauen belegte sie hingegen den elften Rang. «Bei den Juniorinnen machte ich mir zu viel Druck», erklärt sich Meier den Unterschied. Gegen die Seniorinnen trat sie lockerer an. Die Erfahrungen stimmen sie zuversichtlich: «Es zeigt mir, dass ich bereit bin.» Davor will Meier noch nach den Sternen greifen.