TISCHTENNIS: Weltenbummlerin im Tischtennis

Profi-Tischtennisspielerin Rahel Aschwanden wohnt nach dem Abstecher in die schwedische Universitätsstadt Lund nun im französischen Nîmes und spielt weiterhin in drei Ländern.

Urs Huwyler
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Zusammen mit Fabian Kull bestritt Rahel Aschwanden etliche Spiele und noch einen Showkampf. (Bild: Urs Huwyler)

Zusammen mit Fabian Kull bestritt Rahel Aschwanden etliche Spiele und noch einen Showkampf. (Bild: Urs Huwyler)

Urs Huwyler

sport@wilerzeitung.ch

Sie ist nicht leicht einzuordnen, die während ihrer Kantonsschulzeit beim TTC Wil aktiv gewesene Tischtennisspielerin. Sogar Reisende in Sachen Fussball, Tennis oder Eishockey sind oft weniger unterwegs als die 24-jährige Toggenburgerin Rahel Aschwanden. «Es gibt keine Woche, in der ich wegen des Sports siebenmal im gleichen Bett schlafe», erklärt sie mit einem breiten Lachen im Gesicht.

Während der vier Jahre in Wien bestritt sie Meisterschaftsspiele in der Schweiz, Deutschland und Frankreich. Daneben flog (und fliegt) sie mit dem Nationalteam rund um die Welt. Von Österreich zog sie weiter nach Schweden, wollte nahe der dänischen Grenze studieren und individueller gefördert dem Plastik- oder Zelluloidball nachjagen. Sechs Monate später wechselte sie von Lund nach Frankreich, nachdem sich die Erwartungen im hohen Norden nicht erfüllten.

In Nîmes fand die Nummer 239 der Welt Unterschlupf in einer Tischtennis-WG mit Rachel Moret, der bestklassierten Schweizerin (138), sowie einer Chinesin. Insgesamt sind es sechs Frauen, die zusammen trainieren. «So kann ich auch gegen eine Chinesin spielen. Ich sehe dies als grossen Vorteil. Mir gefällt es bestens in Nîmes.»

Spiele in Schweden und der Schweiz

Reisetechnisch hat sich durch den Umzug nach Frankreich wenig verändert. Rahel Aschwanden gehört weiter einem schwedischen und französischen Klub an, spielt zudem bei Zürich-Affoltern mit den Männern in der Nationalliga B. Aber sie jammert nicht über die vielen Stunden im Zug oder Flugzeug, sondern betont, sie brauche diese Zeit. Der Grund: Sie macht in Bern ihren Master in Psychologie, in Malmö jenen in Communication for Development. Beides im Fernstudium. Wenn sie unterwegs sei, habe sie Zeit für das Studium. «Wäre ich nur in Nîmes, würde ich eher trainieren statt studieren. Zwei Master-Studiengänge gleichzeitig wären kaum zu schaffen. Die Reiserei empfinde ich deshalb nicht als Belastung.» Nebenbei: Ihr Freund wohnt im österreichischen Graz. Für den Demo-Tischtennis-Abend mit den Angestellten des Fleischunternehmens Micarna reiste das Mitglied des Micarna-Teams aus Bern an, nachdem am Wochenende Spiele mit Zürich auf dem Programm standen. Unterstützt wurde sie in Bazenheid von Fabian Kull, dem TTC-Wil-Spieler.

Von Bazenheid über Bern ans Spanish Open

Die beiden gaben den Angestellten Tipps, informierten, erklärten und lieferten sich auch einen mit grossem Spass ausgetragenen Showkampf, der mit einem Unentschieden endete. Von Bazenheid ging es abends per Bahn zurück nach Bern zu ihrer Schwester, von dort am nächsten Morgen per Bahn nach Genf und weiter zu den Spanish Open. Aus Kostengründen muss Rahel Aschwanden (wie andere Tischtennisspieler) die günstigsten Tickets (Flug oder Bahn) suchen und flog deshalb von Genf statt Zürich nach Spanien. Im Doppel ist sie mit Rachel Moret die Nummer fünf des Turniers, im Einzel als Nummer 35 gesetzt. Das Ziel ist somit klar: möglichst die Gruppenphase überstehen.

Sportlich bildete 2017 die Team-EM den bisherigen Saisonhöhepunkt. Mit Rang 18 glückte dem Frauen-Nationalmannschaftstrio um die Tischtennis-Weltenbummlerin das beste Resultat (fünf Siege, eine Niederlage) der jüngeren Geschichte. Ein weiteres Ziel wird für die mehrfache Schweizer Meisterin das Vorrücken im Einzel unter die Top 200 sein.