«Tiger Happy» will Comic-Held werden

Satte 3,2 Millionen Dollar hat ein Erstauflage-Exemplar von «Spiderman» vergangenes Jahr auf einer Ebay-Auktion gebracht: ein Rekord. Comics aus der Vergangenheit sind Sammelstücke, jene aus der Gegenwart heiss begehrt. Nach wie vor.

Andrea Häusler
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Anna Luchs steht den jungen Comiczeichnerinnen und -zeichnern mit Rat und Tat zur Seite. (Bild: Andrea Häusler)

Anna Luchs steht den jungen Comiczeichnerinnen und -zeichnern mit Rat und Tat zur Seite. (Bild: Andrea Häusler)

Satte 3,2 Millionen Dollar hat ein Erstauflage-Exemplar von «Spiderman» vergangenes Jahr auf einer Ebay-Auktion gebracht: ein Rekord. Comics aus der Vergangenheit sind Sammelstücke, jene aus der Gegenwart heiss begehrt. Nach wie vor. Obwohl sie über Jahrzehnte verpönt, als Schundliteratur verschrien und tausendfach totgesagt worden sind. Superman ist allen ein Begriff – jedem einzelnen Kind, das am Mittwochnachmittag in der Uzwiler Gemeindebibliothek sitzt und seine Lieblingsfigur skizziert oder es wenigstens versucht. Angeleitet von Anna Luchs, der Illustratorin aus Zürich, die den Comic-Workshop leitet.

So viele Knaben wie Mädchen

Spongebob, ist ein begehrtes Model. Ein gelber Würfel mit Armen und Beinen: einfach zu zeichnen, auch für weniger Talentierte. Minnie Mouse und Garfield sind ebenso oft anzutreffen. Ausschliesslich auf dem Zeichenpapier der Mädchen, die rund die Hälfte der 25 Teilnehmenden ausmachen. «Erstaunlich», findet Bibliotheksleiterin Jolanda Erismann. Mit so vielen Knaben habe sie nicht gerechnet. Generell hat sie das überwältigende Interesse überrascht, dessen Folge jedoch betrübt: «Wir mussten leider mehreren Kindern absagen.» Diese Gefahr bestand nicht bei Niels. Der Viertklässler aus Uzwil hat sich als erster angemeldet. Denn Zeichnen gehört zu seinen Hobbies. Tatsächlich besitzt Niels nicht nur Talent, sondern gleichermassen Kreativität und Phantasie. Im Handumdrehen hat er sein Blatt gefüllt: Nicht mit einer existierenden Comic-Figur, sondern einer eigenen Gestalt: mit «Tiger Happy», einem Science-Fiction-Raubtier. Rebecca zaudert. Ratlos schielt die Fünftklässlerin aus Oberuzwil auf das Skizzenblatt ihrer Kollegin, setzt mutig den Stift an, um sogleich wieder zum Radiergummi zu greifen. Snuupi wäre einfach zu zeichnen, oder Tweety, der Kanarienvogel. Schliesslich entsteht ein kreativer Mix.

Böser und liebevoller Blick

Markantes, Überzeichnetes macht den Wiedererkennungswert einer Figur aus: ein Kugelbauch, ein kantiger Körper oder eben der Ausdruck der Augen, sagt Anna Luchs und verteilt blaue Blätter. Augen werden ausgeschnitten und auf skizzierte Kopfformen geklebt. Hoch, tief, eng beisammen - je nach gewünschtem Ausdruck. «Tiger Happy» guckt «unhappy», böse geradezu. Dazu passt der Inhalt der Sprechblasen und die Szenen der Bilder-Story, die Niels erfindet. Witze, sagt Anna Luchs, sind die kürzesten Geschichten. Mit nur wenigen Bildern lässt sich eine pointierte Geschichte zeichnen. Tja, hätten das die Kinder doch bloss von Anbeginn weg gewusst ...