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Tierschützer kritisieren sich gegenseitig

REGION. Die Tierrechtsorganisation «Tier im Fokus» distanziert sich vom «Verein gegen Tierfabriken» wegen befremdlicher Äusserungen seines Präsidenten und sistiert die Zusammenarbeit bis auf weiteres. Der VgT seinerseits wirft dem TIF Hetzte vor und will klagen.
Hans Suter

Beim Verein Tier im Fokus (TIF) sind zum wiederholten Male Vorbehalte und Verunsicherungen gegenüber dem schweizerischen Verein gegen Tierfabriken (VgT) aufgetaucht. Nach Recherchen und den Aktivmitgliedern offenstehenden Diskussionssitzungen hat TIF den Entschluss gefasst, auf unabsehbare Zeit nicht mehr mit dem VgT zusammenzuarbeiten. Als Grund werden die wiederholten Vorbehalte und Verunsicherungen zahlreicher TIF-Aktivistinnen und -Aktivisten bezüglich Äusserungen des VgT und/oder dessen Präsidenten genannt.

Befremden ausgelöst

Diese Vorbehalte und Verunsicherungen ergäben sich aus diversen öffentlichen Aussagen des VgT beziehungsweise dessen Präsidenten, wie der TIF auf seiner Website in einer Stellungnahme mitteilte. So werde etwa der frühere Tierschutzanwalt Antoine Goetschel im VgT-Vereinsblatt als «verdeckter Jude» bezeichnet, der «jüdische Schächtpropaganda» verbreite. Auch fühle sich der VgT-Präsident scheinbar von «linksjüdischen Journalisten» verfolgt, die sich an ihm «rächen «wollten. Bei TIF hätten solche und weitere Äusserungen Befremden ausgelöst. So auch die immer wieder öffentlich deklarierte Freude des VgT beispielsweise über den Tod von Fischern, die verunglückt oder ertrunken sind. Oder die Aussage über eine Frau, die Fleisch konsumiert habe und deren Gesicht von ihrem Mann durch Gewehrschüsse verunstaltet worden sei.

Vorbehalte ignoriert

Aussagen dieser Art seien nicht nachvollziehbar und in den Augen von TIF auch nicht angebracht, um für Tierrechte einzustehen. Zwar könnte man sagen, hier werde bloss provoziert. Aber das wäre für TIF angesichts der Tatsache, dass der Präsident des VgT unter anderem wegen mehrfacher Rassendiskriminierung verurteilt worden sei, nicht angemessen. Überdies würden so die Vorbehalte, die aufgrund solcher Äusserungen bei vielen Aktivistinnen und Aktivisten offenbar entstünden, einfach ignoriert. Aussagen wie die aufgeführten und weitere seien dem VgT-Vorstand in einem eigens dafür einberufenen Runden Tisch, an dem weitere vier Schweizer Tierrechtsorganisationen teilnahmen, detailliert dargelegt worden.

Mit Klage gedroht

«Wir hätten uns gewünscht, dass der VgT darauf eingeht und so signalisiert, dass er die Verunsicherung ernst nimmt», schreibt TIF. «Stattdessen droht er uns mit einer Klage. Darüber sind wir sehr enttäuscht. Denn wir haben dem VgT gegenüber unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass wir unsere jetzige Haltung zur Zusammenarbeit mit dem VgT neu zu überprüfen bereit sind, falls er die Vorbehalte ernst nimmt, seine Position zu überdenken bereit ist und sich von entsprechenden Äusserungen distanziert.»

«Es gehört mehr dazu»

TIF gehört nach eigenen Angaben zu den wenigen Organisationen der Schweiz, die sich ganz ausdrücklich auch für die Grundrechte der sogenannten Nutztiere einsetzen. «Wir wissen genau, wie hart dieser Kampf ist und wie stark der Widerstand jener sein kann, die mit den Tieren ihr Geld machen», schreibt der TIF. Schon deshalb respektiere der TIF das Engagement von anderen zum «Wohle der Tiere». «Aber in unseren Augen gehört mehr dazu. Wir betrachten uns als Teil einer emanzipatorischen Bewegung. Als solche kämpfen wir nicht bloss gegen den Speziesismus.» Auch jede andere Form der Diskriminierung sei aus Sicht von TIF mit einer modernen Tierrechtsbewegung nicht zu vereinbaren. «Deshalb bildet der Respekt vor allen Lebewesen auch weiterhin den Grundstein unserer Tierrechtsarbeit. Daran halten wir fest. Dafür kämpfen wir.»

«Hetzte gegen den VgT»

Der Verein gegen Tierfabriken seinerseits wirft TIF vor, an der «Demo zur Schliessung aller Schlachthäuser» der Organisation «Tier im Fokus» von heute Samstag in Bern nicht erwünscht zu sein. Die Begründung laute auf antisemitische, rassistische und menschenfeindliche Äusserungen des VgT, schreibt der VgT auf seiner Website. «TIF gibt für diese Verleumdungen keine klare Begründung an. Wir müssen annehmen, dass sie sich mit ihrer Meinung auf die seit längerem von den linksextremen Tierrechtsgruppen Zürich und Basel verbreitete Hetze gegen den VgT stützen.» Die Tierrechtsgruppe Zürich verlange gemäss ihren eigenen Angaben seit Januar von TIF eine Distanzierung vom VgT.

Kessler reicht Klage ein

VgT-Präsident Erwin Kessler will sich nun juristisch zur Wehr setzen. Viele seiner Äusserungen stammten aus den 1990er-Jahren und würden sinnwidrig eingesetzt. «Zu meinen damals gemachten Äusserungen stehe ich nach wie vor», sagt Erwin Kessler. «Sie mögen zwar provokativ sein, sind aber richtig, man muss sie nur richtig lesen.» Wie Erwin Kessler auf Anfrage weiter sagte, habe er einen Anwalt damit beauftragt, Klage gegen Exponenten aus dem Umfeld von TIF einzureichen. TIF-Präsident Tobias Sennhauser will dazu erst Stellung nehmen, wenn eine allfällige Klage vorliegt.

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