Tiefste Religiosität statt Oper

Am Samstag führten Chor und Orchester Cantores Corde die «Messa da Requiem» von Giuseppe Verdi in der vollbesetzten Kreuzkirche auf. Das anspruchsvolle Werk schenkten sich die Mitglieder auch zum 25-Jahr-Jubiläum.

Carola Nadler
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Chor und Orchester Cantores Corde begeisterten in der vollbesetzten Kreuzkirche mit der «Messa da Requiem» von Giuseppe Verdi. (Bild: Carola Nadler)

Chor und Orchester Cantores Corde begeisterten in der vollbesetzten Kreuzkirche mit der «Messa da Requiem» von Giuseppe Verdi. (Bild: Carola Nadler)

WIL. Verdi ist in Wil mit dem Classic Open Air und der «Traviata»-Produktion des Musiktheaters Wil gut verwurzelt. Wer jedoch am Samstag in der Kreuzkirche ein weiteres Highlight der Opernwelt erwartet hatte, der verkannte die tiefgründige Religiosität des Komponisten.

Emotionale Aspekte

Natürlich griff Verdi dabei auch in die Gänsehaut-Trickkiste: Trompeten auf der Empore, grosse Trommel und scharfe Akzente der Blechbläser verkündeten die Schrecken des jüngsten Gerichtes, emotionale Momente von Chor und Solistenquartett erzählten von der Demut vor der Majestät des Todes und dem Bewusstsein der eigenen Sündhaftigkeit. Verdi hatte es allerdings vermieden, ins Monströse abzugleiten, was durch die überaus sensible Erarbeitung durch Karl Paller Ausdruck fand: Das Introitus des «Requiem aeternam» beispielsweise war von einer Homogenität und Sanftheit, die in ihrer Unmittelbarkeit nach dem Gewühle im Publikum vor der Aufführung zu atemlosen Staunen führten.

Vom Herz geleitet

Mit ihrer höchsten Präsenz und hervorragender Stimm- und Artikulationskultur brachten Cantores Corde ein Requiem nach Wil, das so selten gehört wird: Menschlich mit all den emotionalen Aspekten von Verzweiflung bis Hoffnung.

«Es war ein Herzensentscheid für diese Musik», erklärte Präsident Silvan Isenring in seiner Begrüssung die Werkwahl zum 25-Jahr-Jubiläum. Isenring betonte auch die Kostspieligkeit dieses Requiems: «Sie könnten sagen, wir seien naiv, blauäugig und unvernünftig, dieses Wagnis einzugehen: Sie hätten recht!» Doch würde man im Leben nicht etwas verpassen, wenn man sich immer vom Verstand leiten liesse? Wil hätte ohne diese Aufführung ganz sicher etwas verpasst.