Niederwils Zentrum soll aufgewertet werden - Tempo 30 ist jedoch kein Thema

Der Strassenraum in Niederwils Zentrum soll für rund 4 Mio. Franken neu gestaltet werden. Die Bevölkerung hat derzeit die Möglichkeit, sich zur Planung vernehmen zu lassen. Die Kosten für die Neugestaltung belaufen sich auf rund vier Millionen Franken.

Andrea Häusler
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Die Baumgruppe vor der Kirche sorgt für eine optische Trennung zwischen Strasse und Kirchenvorplatz. Das soll nun ändern.

Die Baumgruppe vor der Kirche sorgt für eine optische Trennung zwischen Strasse und Kirchenvorplatz. Das soll nun ändern.

Bilder: Andrea Häusler

Der Ausbaustandard der Ortsdurchfahrt von Niederwil ist ein Relikt aus der Vergangenheit. Ursprünglich als Teil des Kantonsstrassennetzes erstellt, erscheint die Oberbürer-Niederwilerstrasse heute überdimensioniert und widerspricht den modernen Ansprüchen an einen «siedlungsgerecht gestalteten Strassenraum».

Der Wille zur Veränderung ist nicht neu. Bereits vor sieben Jahren wurde für die Dorfstrasse ein Gestaltungskonzept entwickelt. In den vergangenen zwei Jahren wurde dieses nun unter Einbezug einer breit abgestützten Projektgruppe überarbeitet. Das Plangebiet umfasst den Abschnitt zwischen den Einlenkern Agetenacker und Harschwilerstrasse, wobei ein spezieller Fokus auf der Aufwertung der Plätze im Zentrum, sprich im Bereich des Kirchplatzes sowie des Schulhauses lag.

Die Ergebnisse sind in die Planung des nun vorliegenden «Betriebs- und Gestaltungskonzepts Dorfzentrum Niederwil» der Strittmatter Partner AG eingeflossen, welches vor kurzem zur öffentlichen Mitwirkung freigegeben wurde. Stellungnahmen können bis zum 30. November eingereicht werden. Vorgängig, am 12. November, wird das Projekt an einer Informationsveranstaltung im Schulhaussaal vorgestellt.

Einzelbäume statt trennende Baumgruppe

Die Oberbürer-Niederwilerstrasse soll wieder zur «Dorfstrasse» im Wortsinn werden. Dies kann mit blossen Effekten, aber auch einem tatsächlichen Zusammenrücken der gegenüberliegenden Strassenseiten erreicht werden; andererseits aber auch mit Gestaltungselementen wie Einzelbäumen oder farblichen Markierungen. Als weitere Massnahme sollen den Vorgärten die einstige Ausstrahlung zurückgegeben werden.

Der Vorschlag des Büros Strittmatter Partner AG zur Gestaltung des Strassenraums im Bereich der Katholischen Kirche.

Der Vorschlag des Büros Strittmatter Partner AG zur Gestaltung des Strassenraums im Bereich der Katholischen Kirche.

Vorgesehen ist, den Platz vor der Kirche, der heute durch eine Baumreihe von der Strasse abgesetzt ist, als Begegnungsraum aufzuwerten. Die Baumgruppen sollen einer grossen, das Trottoir einbeziehenden Platzfläche und Einzelbäumen weichen. Der Schulvorplatz wird, gemäss vorliegender Planung, als erweiterter Trottoirbereich gestaltet.

Keine Tempo- 30-Zone

In Niederwil soll weiterhin Tempo 50 gelten. Einerseits deshalb, weil Verkehrsmessungen ein generell zu schnelles Fahren widerlegen, und andererseits, weil die Einführung von Tempo 30 bauliche Eingriffe in den Strassenraum bedingte, die mit der Identität der Ortsdurchfahrt nicht vereinbar wären.

Stattdessen soll mit einer tatsächlichen Reduktion der Fahrbahnbreite von heute sieben auf sechs Meter sowie Massnahmen, welche die Strassendimension optisch geringer erscheinen lassen, Einfluss auf die Geschwindigkeit genommen werden. Der damit gewonnene Meter wird für die Gestaltung der Strassenränder genutzt.

«Füsschen» statt Fussgängerstreifen

Markierte Parkplätze im Strassenraum sind auch künftig nicht vorgesehen. Nicht etwa deshalb, weil der Platz für die Radfahrer benötigt würde. Denn diese werden im eigentlichen Zentrum im Mischverkehr mit dem motorisierten Verkehr geführt. Einseitige Radstreifen von unterschiedlicher Breite sind lediglich ausserhalb des eigentlichen Dorfkerns geplant.

Fussgängern steht überwiegend beidseits der Strasse ein unterschiedlich dimensioniertes, aber mindestens zwei Meter breites Trottoir zur Verfügung. Da der durchschnittliche tägliche Verkehr (DTV) mit 2300 Fahrzeugen unter dem Schwellenwert von 3000 liegt, ist eine Markierung von Fussgängerstreifen nicht erlaubt. Allerdings soll an den «Füsschen» als Querungshilfe am Fahrbahnrand festgehalten werden.

Witterungsschutz an Bushaltestellen

Die Funktionalität und Gestaltung der Wartebereiche der Bushaltestellen «Dorf» und «Harschwilerstrasse» sollen verbessert werden. Insbesondere sind Sitzmöglichkeiten, Veloabstellplätze, aber auch bauliche Massnahmen zum Schutz vor Witterungseinflüssen vorgesehen. Weiter sieht die Planung vor, die Haltekanten nach dem Behindertengleichstellung auszubauen. Auch weiterhin hält der Bus überwiegend auf der Strasse. Die Bucht bei der Post soll aufgehoben werden.

Verkehrsnetz erfährt kaum Änderungen

Mit Ausnahme der langfristigen Option für eine veränderte Führung des Einlenkers Ergeten in die Flawilerstrasse erfährt das Verkehrsnetz im Prinzip keine Veränderung. Die in die Dorfstrasse einmündenden Strassen werden mit Trottoirüberfahrten ausgestattet, die Kurvenradien teilweise vergrössert.

Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich, inklusive der gestalterischen Ausstattung, auf rund 3,9 bis 4,2 Franken.