Thurvita sieht sich in ihrer Strategie bestätigt und baut das Angebot in Wil aus

Im siebten Jahr ihres Bestehens erzielte die Thurvita einen Gewinn von 134’000 Franken. Mit der Inbetriebnahme der neuen Küche kocht die Spezialistin für Alter und Pflege nun für alle ihre Kunden selbst.

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Die Auslastung der Alters- und Pflegeheime der Thurvita lag im Jahr 2019 bei 93 Prozent.

Die Auslastung der Alters- und Pflegeheime der Thurvita lag im Jahr 2019 bei 93 Prozent.

Bild: Urs Bucher

Wie die Thurvita mitteilt, erreichte sie 2019 einen Umsatz von rund 30,23 Millionen Franken. Die Personalkosten beliefen sich auf 22,56 Millionen Franken oder fast 75 Prozent des Betriebsertrages. «Dank einer rechtzeitigen Anpassung der Aufwendungen an die sich verändernde Nachfrage verzeichnet Thurvita für 2019 einen Gewinn von 134’000 Franken», heisst es in der Medienmitteilung. Zum guten Jahresergebnis habe auch bei,getragen, dass der Kanton St. Gallen nach fünf Jahren erstmals die Höchstansätze der Pflegefinanzierung in Alters- und Pflegeheimen anhob.

Auslastung bei 93 Prozent

In den sechs Thurvita Alters- und Pflegeheimen lag die Auslastung 2019 bei 93,24 Prozent. Im Durchschnitt waren somit 225 der verfügbaren 242 Betten belegt. Angesichts der tiefen Nachfrage im stationären Bereich habe die Geschäftsleitung die Stellenausstattung unter dem budgetierten Niveau gehalten. «Die Massnahme habe steigende Pflegekosten pro einzelnen Bewohner verhindert. Im Gegenteil: Gegenüber dem Vorjahr sanken die sogenannten normierten Pflegekosten sogar um zirka 3 Prozent und betrugen 7834 Franken», schreibt die Thurvita. Bei den Dienstleistungen der Spitex verzeichnete die Institution eine weiterhin konstante Nachfrage. Nach dem rekordhohen Vorjahr hätten sich die Pflegestunden im Jahr 2019 wieder auf einen Mittelwert eingependelt.

Bild: Hans Suter

«Grosse Küche, grosse Klasse»

Nach zehnmonatiger Bauzeit und unter Einhaltung des Budgets nahm die neue Thurvita-Küche Ende 2019 ihren Betrieb auf. Die Küche bedient die grossen Thurvita-Häuser Sonnenhof und Fürstenau in Wil sowie die Restaurants «Chez Grand Maman». Aus der Küche gelangen zudem jährlich rund 17‘800 Menüs zu den Kunden des Spitex-Mahlzeitendienstes und dreier Mittagstische. Die Anzahl ausgelieferter Menüs hat aufgrund der Corona-Massnahmen in den ersten Monaten im 2020 nochmals deutlich zugenommen. Die Küche wird in Zukunft auch die strategischen Projekte «Rosengarten» in Rossrüti und das «Quartierzentrum mit Spitex Stützpunkt in Bronschhofen» beliefern. Die neuen Situationen und Möglichkeiten in den geplanten Strategieprojekten probt Thurvita bereits in Pilotprojekten. Eines setzt die «Fachübergreifende Betreuung» um, die dereinst im geplanten Alterszentrum Rosengarten in Rossrüti Alltag sein wird. Ein anderes Pilotprojekt liefert Erkenntnisse zum Einsatz einer digitalen Assistenzlösung für die medizinische Sicherheit – ganz ohne Videokameras und Roboter.

Alard du Bois-Reymond, CEO der Thurvita AG, hat klare Vorstellungen von einem schönen Wohnen im Alter.

Alard du Bois-Reymond, CEO der Thurvita AG, hat klare Vorstellungen von einem schönen Wohnen im Alter.

Bild: Urs Bucher

Der Trend bestätigt die Strategie

«Weit über Wil hinaus zeigt sich bei der Nachfrage nach Betten in Heimen ein klarer Trend», heisst es weiter in der Medienmitteilung. Seit mehreren Jahren sinke die Nachfrage nach klassischen Altersheim-Plätzen. Demgegenüber seien ambulante Leistungen immer gefragter.

«Die Thurvita-Strategie ist somit bestätigt: Die Angebote eher vom herkömmlichen Altersheim-Konzept wegführen, dafür die Alterswohnungen und Spitex-Leistungen aufbauen.»

Um das Angebot an Pflegebetten der tatsächlichen Nachfrage anzunähern, hat der Verwaltungsrat beschlossen, im «Flurhof» in Wil keine Pflegewohnung mehr zu führen. Seit der Schliessung am 21. Januar 2020 zählt Thurvita 229 statt 242 klassische Heimplätze.

«Älter werden im Quartier»

Dank dem Konzept «Älter werden im Quartier» sollen ältere Menschen selbst bei hohem Pflegebedarf bis an ihr Lebensende zu Hause wohnen bleiben können, zum Beispiel im künftigen «Quartierzentrum mit Spitex-Stützpunkt» in Bronschhofen. 2019 einigten sich die Stadt Wil und die Thurvita auf einen Baurechtsvertrag. Das Wiler Stadtparlament stimmte dem Vertrag mit grosser Mehrheit zu. Die öffentliche Auflage des Sondernutzungsplans erfolgte im Herbst 2019. Die Korrekturauflage wurde anfangs April 2020 abgeschlossen.

«Älter werden im Quartier» soll künftig auch im Zentrum von Wil möglich sein. Eine Machbarkeitsstudie hat laut Thurvita bestätigt: Die gemischte Nutzung auf dem Areal «Sonnenhof» sei möglich – einerseits klassische Altersheimzimmer, anderseits Alterswohnungen mit flexiblem Service-Angebot. Auf dieser Grundlage bewilligte der Verwaltungsrat 2019 die nötigen Mittel, damit die Planung für die Sanierung und Erweiterung des Alterszentrums Sonnenhof starten kann. Die geplanten Alterswohnungen sollen an der Haldenstrasse zusätzlichen attraktiven Wohnraum für alte Menschen bieten.

Neubau Alterszentrum Rosengarten

Zwei sehr unterschiedliche Unternehmen planen in Rossrüti auf demselben Grundstück völlig unterschiedliche Nutzungen. Die Firma Gebrüder Egli AG ist auf die Veredlung von Baumaschinen spezialisiert. Die Thurvita plant in Rossrüti ein neues Alterszentrum mit Schwerpunkt Betreuung Demenzbetroffener. Eine Machbarkeitsstudie bestätigt laut Thurvita, dass die beiden Nutzungen nebeneinander möglich sind. In intensiven Beratungen hätten die Unternehmen einen gemeinsamen Sondernutzungsplan für beide Bauvorhaben ausgearbeitet. Der Sondernutzungsplan wurde im Februar 2020 an die Stadt Wil und den Kanton zur Vorprüfung eingereicht.

Austritt Rickenbach

Der Gemeinderat Rickenbach hat beschlossen, die Vereinbarung mit Thurvita für ambulante und stationäre Leistungen per Ende 2020 zu kündigen. Der Austritt Rickenbachs aus der Aktiengesellschaft wird 2021 abgewickelt. Wie geplant, startet 2020 die gesamthafte Überarbeitung der Leistungsvereinbarungen zusammen mit den verbleibenden Vertragsgemeinden Wil, Wilen und Niederhelfenschwil. (pd/red)