Themen-Teich nicht leergefischt

Das Cover ziert ein bunter Schmetterling, die Buchseiten füllen recherchierte Geschichten von damals und heute: Das Toggenburger Jahrbuch 2016 liegt vor. Ein Sammelsurium von Zeitdokumenten, die das regionale Leben spiegeln.

Andrea Häusler
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Präsentiert das druckfrische Toggenburger Jahrbuch 2016: Der Flawiler Elektroingenieur, IT-Sicherheitsbeauftragte, Historiker und Autor Anton Heer. (Bild: Andrea Häusler)

Präsentiert das druckfrische Toggenburger Jahrbuch 2016: Der Flawiler Elektroingenieur, IT-Sicherheitsbeauftragte, Historiker und Autor Anton Heer. (Bild: Andrea Häusler)

FLAWIL. Braucht es im Zeitalter des Internets noch Annalen, Chroniken oder eben Jahrbücher? Die Frage ist provokativ, irritiert Anton Heer, langjähriges Mitglied des Autorenteams des Toggenburger Jahrbuchs jedoch nicht. Im Gegenteil. Er hat sie sich schon selbst gestellt, über die Berechtigung des Druckwerks in der Gesellschaft 2.0 in einem «Jahrbuch»-Editorial sinniert. Das Internet, sagt der Flawiler Chronist, «vergisst nie oder vergisst genau das, was ich suche – es ist und bleibt kurzfristig und unberechenbar». Als verbindliche Quelle sei es somit zumindest fraglich: «Denn, Verbindlichkeit ist teuer.»

Fehlender Kontext

Das Jahrbuch, sagt Heer, vermittle auf langfristige, verlässliche Quellen abgestütztes regionales Hintergrundwissen; in einen verständnisbildenden Kontext gestellt zu nachvollziehbaren Zeitabschnitten. Es beleuchte Themen aus verschiedensten Bereichen und Epochen der regionalen Zeitgeschichte in aufwendig recherchierten und redaktionell aufbereiteten Geschichten, die unterhalten, zu Entdeckungsreisen einladen und nicht zuletzt Fundgruben für die Nachfahren bilden. «Dank leistungsfähigen Suchmaschinen lassen sich im Internet zu gewissen Themen möglicherweise einige Fragmente finden», sagt Anton Heer. Der klärende Kontext jedoch, der werde zweifellos fehlen. Nichtsdestotrotz ist er sich bewusst, dass die klassische Jahrbuch-Leserschaft bei der Generation 40plus liegt. Die Auflage von 700 Stück ist zwar erfreulich, jedoch tiefer als noch vor 15 Jahren, als das «Jahrbuch» die «Annalen» abgelöst hatte. «Wenn aber die Neugier und das Bedürfnis für Entdeckungsreisen vor der eigenen Türe vorhanden sind, dann lassen sich auch junge Menschen ansprechen», ist Heer überzeugt. Aktuell griffen Junge vor allem im Rahmen von Projektarbeiten auf solche Publikationen zurück.

Natur, Musik, Industrie

Auch die jüngste Ausgabe des Toggenburger Jahrbuchs präsentiert sich farbig, thematisch Rückschau haltend, in die Zukunft blickend und der Gegenwart verpflichtet. Künstlerische, gesellschaftliche Inhalte – spektakulär oder scheinbar nebensächlich – machen das 250 Seiten starke Werk neuerlich zu einer lohnenden Lektüre. Schwerpunkte bilden dieses Jahr Tier- und Pflanzenarten im Ijental, einem Seitental des Thurtals, die Heilige Idda von Toggenburg, die Postkartenausstellung von 1899, das Schmiedemuseum in Bazenheid und die Truppenschau der 6. Division von 1936 in Henau, aber auch aktuelle Themen wie die Lehrlingsausbildung bei der Bühler AG in Uzwil. Ein Themenblock ist den Kunstmäzenen Rolf Habisreutinger (Habis) sowie Philipp und Eduard Herberlein gewidmet. Im Anhang sind wiederum die Gemeindechroniken zu finden. Das Jahrbuch kann über den Toggenburger Verlag oder im Buchhandel bezogen werden.

Viel Herzblut – kaum Geld

Der Thementopf bleibt, auch nach dem Erscheinen der Ausgabe 2016, gut bestückt. «Die Ideen gehen uns so rasch nicht aus», sagt Anton Heer mit Blick auf das Jahrbuch 2017. Noch lägen aufgeschobene Beiträge vor, dazu Themen, die unter Berücksichtigung des angestrebten Themenmixes und des Budgets noch aufgearbeitet werden müssten. Wiederum von einem Team, das sich mit viel Herzblut und für wenige Franken an die Recherchen macht, hinter Bücher sitzt, Archive durchforstet und Gespräche führt.

Ein Publikumsanlass: Die Truppenschau der 6. Division in Henau. (Bild: Sammlung Anton Heer)

Ein Publikumsanlass: Die Truppenschau der 6. Division in Henau. (Bild: Sammlung Anton Heer)

Blick in die einstige Ausbildungshalle der Bühler AG in Uzwil. (Bild: Archiv Bühler AG)

Blick in die einstige Ausbildungshalle der Bühler AG in Uzwil. (Bild: Archiv Bühler AG)