Teurer Schmuck, schwere Karren und viel Auto-Tune: Der Uzwiler Gangster-Rapper Frank One will seine Frau gross rausbringen

Rijas Songs klingen nach neonbeleuchteten Nächten in amerikanischen Grossstädten. Aber nicht nach dem beschaulichen Oberbüren.

Tobias Söldi
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Franky und Marija Fuchs im Tonstudio in Oberbüren.

Franky und Marija Fuchs im Tonstudio in Oberbüren.

Bild: Tobias Söldi

Die Statussymbole der Hip-Hop-Welt, sie kommen im Musikvideo zu «Cini Minis» von Rija alle vor: teurer Schmuck, schwere Karren, stapelweise Geldnoten, eine Flasche Jack Daniels. Dazu wummert ein tiefer Bass, der Rhythmus stolpert, die Auto-Tune-Software verfremdet die Stimme. Rija, wie sich die Sängerin nennt, räkelt sich lasziv in einer Badewanne voller Milch, die Arme und Beine mit Tattoos verziert, das Ambiente luxuriös und zwielichtig. «Greife in die Tasche, wenn es glitzert, will ich’s», sprechsingt sie.

«Cini Minis», ganz harmlos benannt nach den gleichnamigen Frühstücksflocken, macht das, was zurzeit in der Musikwelt angesagt ist. Mit Erfolg: Auf Youtube hat das Stück bereits über 50000 Aufrufe, Rijas erstes Lied, «Moschino Drip» sogar über 130000. Die beiden Lieder klingen – vom deutschen Gesang einmal abgesehen – nach neonbeleuchteten Nächten in amerikanischen Grossstädten und üppigen Villen in reichen Vororten. Aber nicht nach dem beschaulichen Oberbüren.

Oberbüren, das Zentrum des Deutschrap

Doch genau dorthin führt das Lied, in ein bürgerliches Quartier mit gepflegten Einfamilienhäusern, akkurat gestutzten Hecken, sauberen Strassen, auf denen im Sommer Kinder spielen, und Containern für die korrekte Entsorgung von Grünabfall . Hier wohnt die 22-jährige Marija Fuchs, wie Rija mit bürgerlichem Namen heisst, hier hat sie ihre beiden ersten Songs geschrieben und auch aufgenommen. Mit tatkräftiger Unterstützung ihres Ehemannes Franky Fuchs, als Musiker bekannt unter dem Pseudonym Frank One und Inhaber des Tattoostudios FJ Ink Designs in Uzwil.

Der 28-jährige Uzwiler ist kein unbeschriebenes Blatt. In seinem Tonstudio, das er seit zwölf Jahren zusammen mit Shosha44, bürgerlich Jonas Obrist, betreibt, geben sich Grössen der Deutschrapszene das Mikrofon in die Hand: Alpa Gun, Samra, Massiv. Manch einer hat hier den Song aufgenommen, der ihm zum Durchbruch verholfen hat. Die Tür zum Aufnahmeraum ist vollgeklebt und vollgekritzelt: Ein «Franky»-Schriftzug, umgeben von Marihuana-Pflanzen, ein «Hure»-Kleber, der Spruch «True Crime was willst du sein» – True Crime, so hiess seine einstige Rapcrew. «Erinnerungen an frühere Zeiten», sagt Fuchs und lacht.

Heute ist er bürgerlicher unterwegs – aber nicht spiessig, wie er betont. Seit 2014 sind er und Marija, Schaffhauserin mit serbischen Wurzeln, ein Paar, 2017 haben sie geheiratet. Stolz zeigt der 28-Jährige einige kurze Videos von den beiden Söhnen, zweieinhalb und ein Jahr alt, in denen sie begeistert zu Hip-Hop-Musik tanzen. Fuchs erzählt:

«Seit wir eine Familie gegründet haben, hat sich unser Denken verändert.»

Ihnen sei bewusst geworden, welchen Einfluss Musik auf junge Leute habe könne, dass sie eine Vorbildfunktion hätten.

Ein Comeback als Produzent

Das ist einer der Gründe, weshalb die beiden sich mit Marijas Musik bewusst vom Gangster-Rap mit seinen oft nicht gerade feinsinnigen Texten über Drogen und Gewalt distanzieren wollen. Marija findet auch, der Gangster-Rap-Stil passe nicht zu ihr. «Ich bin authentisch und will mich selber sein.» Song und Video von «Cini Minis» bilden einfach die Realität ab, finden die beiden, wozu eben auch ein wenig Schickimicki, ein wenig «Barbiestyle» und Schönheitsoperationen gehören. Fuchs fragt:

«Wer hat nicht gerne Markenkleider, ein teures Auto und viel Geld?»

Für ihn stellt die Arbeit an der Musik seiner Frau auch ein Comeback dar. In den vergangenen Jahren ist es stiller geworden um ihn. «Mir hat die Zeit gefehlt und ich war wenig motiviert», sagt Fuchs. Nun will er es noch mal wissen, auch mit dem neuen clubbigen Sound von Rija: Gangster-Rap ziehe heute einfach nicht mehr, der Einsatz von Auto-Tune hingegen sei angesagt. Das Ziel: jeden Monat einen neuen Song mit Video rausbringen. «Wir wollen Rija gross rausbringen.»