Dank starker zweiter Halbzeit: Der FC St.Gallen gewinnt das Testspiel gegen Wil mit 4:1

Der FC Wil verkauft sich im Heimspiel gegen St.Gallen in der ersten Halbzeit sehr teuer. Eine Führung nach 45 Minuten wäre nicht unverdient gewesen. Die Gäste entscheiden die Partie zu Beginn der zweiten Halbzeit, weil sie schneller und mit Kreativität im letzten Drittel agieren und sich auch nach dem 0:1-Rückstand nicht beirren lassen.

Tim Frei
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Wil-Verteidiger Serkan Izmirlioglu (in Weiss) klärt gegen St.Gallens Stürmer Kwadwo Duah in extremis und mit vollem Einsatz.

Wil-Verteidiger Serkan Izmirlioglu (in Weiss) klärt gegen St.Gallens Stürmer Kwadwo Duah in extremis und mit vollem Einsatz.

Bild: Ralph Ribi

Wieder ein Spektakel wie im November, als sich der FC St.Gallen und der FC Wil 4:4 trennten? Das war die grosse Frage vor dem Testspiel zwischen den beiden Teams im Sportpark Bergholz in Wil. So ereignisreich wie damals war die Partie zwar nicht, für ein erstes Testspiel der nur zweiwöchigen Winterpause war das Niveau jedoch überraschend hoch. Und so sagte St.Gallens Trainer Peter Zeidler nach der Partie: «Das war ein guter Test für uns, weil der Gegner uns viel abverlangt hat - vor allem in den ersten 45 Minuten.» Sein Gegenüber, Alex Frei, sah dies ähnlich:

«In der ersten Halbzeit hat man gesehen, zu was wir fähig sind, und dies gegen ein Spitzenteam aus der Super League.»

Wils Auftritt im ersten Durchgang war in der Tat bemerkenswert. Mit einer besonders aufsässigen und kämpferischen Spielweise hielt das Heimteam problemlos dagegen, so dass St.Gallen Mühe hatte, sein gewohntes Pressing und Offensivspiel aufzuziehen. Wil war mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar leicht besser in der ersten Halbzeit.

St.Gallen kommt mit Glück um einen Strafstoss

Seine beste Phase hatte das Heimteam nach etwas mehr als 15 Minuten. Eingeläutet wurde sie ausgerechnet durch einen nicht gegebenen Elfmeter - Betim Fazliji hatte Wil-Captain Philipp Muntwiler im Sechzehner gefoult, doch die Pfeife des Schiedsrichters blieb stumm. St.Gallen hätte sich nicht beklagen müssen, hätte der Offizielle auf den Punkt gezeigt. Die zweite Elfmeterszene kurz vor der Pause war dagegen unstrittig: Zwischen Wils Bledian Krasniqi und St.Gallen-Verteidiger Fazliji gab es zwar einen Kontakt, doch weil der Linienrichter die Fahne wegen Offsides hob, musste der Schiedsrichter den angezeigten Strafstoss wieder zurücknehmen.

Zurück zum Foulspiel an Muntwiler: Anschliessend standen die Wiler der Führung mehrmals nahe. Im Mittelpunkt stand dabei jeweils Stürmer Silvio, der bei seinem ersten Spiel nach seiner Rückkehr viel Verantwortung übernahm, die Bälle gut verteilte und auch sein Glück im Abschluss versuchte. Keine Frage: Der Brasilianer wird dem Wiler Spiel sehr gut tun und wohl ein wichtiger Puzzlestein sein, um im Abstiegskampf der Challenge League zu bestehen.

Silvio übernimmt bereits Verantwortung, St.Gallen bekundet Mühe im letzten Drittel

Einmal leitete Silvio den Ball schnell und steil Richtung Sechzehner auf Robin Kamber, der mit einem Heber beinahe Lukas Watkowiak überrascht hätte. Das andere Mal hätte er nach einer Flanke von Verteidiger Jan Kronig eigentlich nur noch zur verdienten Führung einköpfen können, doch Valon Fazliu stieg eben auch hoch, reüssierte aber nicht. Silvio wäre aber wohl noch besser postiert gewesen. Und so riefen die Wiler Spieler auch: «Redet miteinander». Genau für das sind natürlich Testspiele da: dass Abstimmungsprobleme erkannt werden und bis zur Fortsetzung der Meisterschaft behoben werden.

Es war nicht so, dass sich St.Gallen keine Chancen erspielte. Richtig zwingend waren die Gäste aber selten. Einzig Kwadwo Duah, der einen Freistoss knapp neben das Tor setzte, und Lukas Görtler, der von einer unglücklichen Abwehr von Wil-Goalie Nils de Mol profitieren konnte, standen einem Tor nahe. In der ersten Halbzeit zeigte sich, wo St.Gallens Probleme in dieser Saison bisher liegen: in der Offensive. Sobald sie einmal in der Nähe des Sechzehners waren, fehlte es einerseits an den Ideen, andererseits verteidigte Wil diszipliniert und engagiert.

Vom 0:1 zum 3:1: St.Gallen dreht Partie innert acht Minuten

Nach Wiederanpfiff wechselten beide Trainer munter durch. Frei brachte bis auf Silvano Schäppi neue Spieler, Zeidler liess bis auf Goalie Lukas Watkowiak und Salifou Diarrassouba neue Akteure auf den Rasen. Diese vielen Auswechslungen standen am Ursprung des Ausgangs der Partie. Das sahen beide Trainer so. Zeidler sagte: «Wir liessen zwei gleich starke Mannschaften pro 45 Minuten spielen und konnten so in der zweiten Halbzeit den Unterschied machen.» Und Frei:

«Weil wir viele unerfahrene Akteure und sehr junge Spieler, darunter auch Testspieler, einwechselten, ist für mich die erste Halbzeit massgebend, was die Leistung unseres Teams betrifft.»

Dennoch: Begonnen hatte der zweite Durchgang aus Wiler Sicht verheissungsvoll. Kurz nach Wiederanpfiff köpfte Stürmer Noah Jones nach einem Eckball zum 1:0 ein. Ein Tor, das für die St.Galler wie ein Weckruf war - brauchten sie doch nur rund acht Minuten, um daraus ein 3:1 zu machen. Zweimal Jérémy Guillemenot und Victor Ruiz erzielten die Tore. Nochmals ein paar Minuten später gelang André Ribeiro gar noch das 4:1.

Die vier Treffer waren alle schön herausgespielt: Mit schnellem und genauem Spiel und den zündenden Ideen, die in der ersten Halbzeit noch gefehlt hatten. Guillemenot reüssierte einmal nach einem Steilpass von Victor Ruiz, das andere Mal nach einer scharfen Hereingabe von Angelo Campos. Sehenswert waren auch die Weitschüsse von Ribeiro und Ruiz.

Doppeltorschütze Jérémy Guillemenot ging nach einem Zweikampf zu Boden und musste schliesslich vom Feld gehen.

Doppeltorschütze Jérémy Guillemenot ging nach einem Zweikampf zu Boden und musste schliesslich vom Feld gehen.

Bild: Ralph Ribi

Entwarnung bei Guillemenot: «Nur» eine leichte Hirnerschütterung

Dass Guillemenot, Riberio und Ruiz getroffen haben, freut Zeidler besonders:

«Das tut schon gut, haben wir vier Tore erzielt, hoffentlich können wir daran anknüpfen. Aber wir haben auch noch viel Luft nach oben.»

Kurz vor Schluss noch eine Schrecksekunde für die St.Galler: Guillemenot ging nach einem Zweikampf zu Boden und musste schliesslich vom Feld gehen. Zeidler konnte aber bereits Entwarnung geben: «Er hat nur eine leichte Gehirnerschütterung und sich auf die Zunge gebissen, alles nicht so dramatisch.»

Wil – St.Gallen 1:4 (0:0)
Sportpark Bergholz - 0 Zuschauer (Coronarichtlinien) - SR. Gianforte.
Tore: 48. Jones 1:0. 52. Guillemenot 1:1. 54. Ruiz 1:2. 56. Guillemenot 1:3. 63. Ribeiro 1:4.
Wil: 1. Halbzeit: De Mol; Izmirlioglu, Muntwiler, Sauter; Schäppi, Kamber, Krasniqi, Kronig; Fazliu, Brahimi; Silvio. 2. Halbzeit: Klein; Sarcevic, Mätzler, Heule; Schäppi (72. Kamber), Krunic, Witzig, Haile-Selassie; Koide, Paunescu; Jones.
St.Gallen: 1. Halbzeit: Watkowiak; Rüfli, Letard, Fazliji, Traorè; Görtler, Stillhart, Staubli, Diarrassouba; Duah, Babic. 2. Halbzeit: Watkowiak; Kräuchi, Nuhu, Ajeti, Muheim; Quintillà, Ruiz, Ribeiro, Diarrassouba (63. Solimando); Guillemenot (87. Stillhart), Campos.
Bemerkungen: 43. Penalty für Wil wegen Offsides nicht gegeben. - Verwarnung: 79. Quintillà. - Wil ohne Köhn, Camara, Talabidi (krank), Blasucci, Ismaili, Abubakar, Zumberi (verletzt), Ndau, Abazi (nicht im Aufgebot). St.Gallen ohne Zigi, Stergiou, Alves, Youan (verletzt/krank), Kamberi, Gonzalez, Lüchinger, Abaz (nicht im Aufgebot).