Teig, Rosinen und Bäcker-Nachwuchs

Darf man von denen essen?» Das Mädchen mit dem schüchternen Blick und der weissen Papiermütze auf dem Kopf schaut abwechselnd zu seiner Spielgruppenleiterin, Rita Lichtensteiger, und dem Häufchen Rosinen in der Mitte der grossen Chromstahlablage in der Backstube von Peter Lichtensteiger an der

Andrea Häusler
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Fast fertig sind die teigigen Gesellen, ausgestattet mit Rosinen-Augen, Spitznase und Schal. Wenn es harzt, ist Peter Lichtensteiger zur Stelle. (Bild: Andrea Häusler)

Fast fertig sind die teigigen Gesellen, ausgestattet mit Rosinen-Augen, Spitznase und Schal. Wenn es harzt, ist Peter Lichtensteiger zur Stelle. (Bild: Andrea Häusler)

Darf man von denen essen?» Das Mädchen mit dem schüchternen Blick und der weissen Papiermütze auf dem Kopf schaut abwechselnd zu seiner Spielgruppenleiterin, Rita Lichtensteiger, und dem Häufchen Rosinen in der Mitte der grossen Chromstahlablage in der Backstube von Peter Lichtensteiger an der Flawiler Oberdorfstrasse. Zum Naschen sind sie nicht gedacht, die Weinbeeren, die den fertig gekneteten Grittibänzen den scharfen Blick und den markanten Bauchnabel geben sollen. Den kecken Buben um die Ecke schert das wenig: er stibitzt ganz einfach eine halbe Hand voll; und das Mädchen tut es gleich.

Bande der nicht familiären Art

Grittibänzen backen in der Genussbäckerei Lichtensteiger hat in Flawil Tradition. «Seit rund dreissig Jahren gewährt Peter Lichtensteiger der Spielgruppe Gastrecht in der Backstube», sagt Rita Lichtensteiger und ergänzt lachend: «Obwohl wir nicht mal verwandt sind.» Verwandtschaftliche Bande braucht auch ihr Gatte Guido nicht, um mitzuhelfen, die Drei- bis Vierjährigen während der kreativen Kneterei im Zaum zu halten. Er hat ohnehin ein Herz für Kinder, ein grosses sogar. Sind es doch vor allem die Jüngsten der Gesellschaft, für die sich sein Hilfswerk «together» engagiert. Eben sei er aus Indien zurückgekehrt, sagt er nebenbei, habe dort wieder neue Projekte aufgegleist.

Inzwischen hantieren die Kinder mit Eigelb und Pinsel. «Nicht zu viel, sonst tropft es aufs Blech», mahnt Peter Lichtensteiger. Sogleich werden die Teigmannli blasser. Etwas groben Zucker auf die Bäuche und backfertig sind die Grittibänzen. Oder fast. Noch müssen sie eine Zeitlang ruhen.

Warten ohne Zappeln

Das dürfen die Kinder auch: beim Zvieri. Es wird still in der Backstube. 18 Kinder sitzen im Halbkreis auf Plastikharassen, knabbern an Kräckern oder Fruchtstücken. Die Zeit schleicht plötzlich: Unterhaltung tut not. Rita Lichtensteiger hebt die Hände, fragt, was denn die «Zappelmännchen» (oder Finger) an diesem Montagnachmittag gemacht hätten. Mehl sei in der Teig gegeben worden, Milch, Hefe, Salz und Zucker, wissen die kleinen Zuckerbäcker. Endlich öffnet Peter Lichtensteiger die Klappen des Backofens. «Wow, ist der gross», staunt ein Kind, «riesig», präzisiert ein zweites. Ab jetzt heisst es warten: auf die fertigen Grittibänzen und auf die Mamis.