Technische Betriebe Wil verschreiben sich der Nachhaltigkeit: «Ist nicht erst seit dem Klimanotstand ein Thema»

Das Ergebnis der TBW liegt zwar unter Budget, der Wert des Unternehmens stieg trotzdem weiter an.

Gianni Amstutz
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Die drei Köpfe an der Spitze der Technischen Betriebe Wil, von links: Geschäftsleiter Marco Huwiler, Departementsvorsteher Daniel Meili und Finanzchef Goar Schweizer.

Die drei Köpfe an der Spitze der Technischen Betriebe Wil, von links: Geschäftsleiter Marco Huwiler, Departementsvorsteher Daniel Meili und Finanzchef Goar Schweizer.

Bild: Gianni Amstutz

«Nachhaltigkeit ist für die Technischen Betriebe Wil nicht erst seit dem Klimanotstand ein Thema», sagt Stadtrat Daniel Meili, Vorsteher des Departements Versorgung und Sicherheit. Es sei eine Verantwortung, derer man sich bei den Technischen Betrieben gerne annimmt.

Am Dienstag luden die Verantwortlichen der TBW zu einer Medienkonferenz auf dem Dach ihres Standorts an der Speerstrasse, wo vor kurzem eine neue Fotovoltaikanlage installiert wurde. Anlass war die Präsentation des Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichts. Dieser erscheint zum ersten Mal und soll einen Überblick darüber geben, was die TBW im Bereich Nachhaltigkeit alles machen.

Daniel Meili verhehlt nicht, dass dies auch als Reaktion auf die Debatten im Stadtparlament zu sehen ist. Dort ist die Frage, was die Stadt Wil und die TBW im Bereich Nachhaltigkeit machen und planen, ein Dauerbrenner. «Mit dem Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht wollen wir dies aktiv kommunizieren.» Gleichzeitig sollen auch die umliegenden Gemeindebehörden im Einzugsgebiet der TBW so einen Überblick über die Aktivitäten der TBW erhalten.

Fotovoltaikanlagen in Wil verdreifachen

Der Bericht zeigt sowohl den Ist-Zustand als auch, wohin die Reise gehen soll. Fotovoltaikanlagen spielen beim Ziel, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, eine entscheidende Rolle. Bereits heute stammt der Strom in Wil zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien.

Als weiterer Schritt sollen bis 2050 15 Prozent des Strombedarfs durch Fotovoltaikanlagen auf dem Stadtgebiet abgedeckt werden. Ende 2019 betrug der Wert 4,7 Prozent, was bereits eine merkliche Steigerung gegenüber den Vorjahren bedeutet.

Möglich wurde dies einerseits dank Fördermassnahmen, die aus dem städtischen Energiefonds gespeist werden, anderseits durch das Bürgermodell, das es Wilerinnen und Wilern ermöglicht, Fotovoltaikanlagen auf der Eishalle Bergholz zu erwerben.

Das Projekt sei ein Erfolg, sagt Marco Huwiler, Geschäftsleiter der TBW. «Die zweite Anlage wird voraussichtlich wieder komplett verkauft werden können, und demnächst werden wir die dritte ausschreiben.»

Einen ähnlichen Ansatz verfolgen die TBW auch mit der Förderung von E-Cargobikes, mit denen die Bevölkerung etwas zum Klimaschutz beitragen kann. Gerade deshalb seien solche Projekte, die vielleicht nicht auf den ersten Blick mit den TBW in Verbindung gebracht würden, wichtig, sagt Meili.

Nachhaltigkeit auch ökologisch

Im Bereich Wärme ist der Weg zu klimafreundlicheren Lösungen noch etwas länger, obwohl die TBW schweizweit als viertbestes mittelgrosses Energieversorgungsunternehmen rangiert. Die CO2-Emissionen durch Heizöl sind zwar rückläufig, sollen aber noch stärker reduziert werden.

Um Heizöl, aber auch Graugras zu ersetzen, ist der Bezug von Fernwärme vom Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid vorgesehen. Das wird für erste Wiler Kunden aber frühestens 2024 möglich sein. Aktuell erzielen die TBW im Bereich Wärme Erfolge durch den Biogasanteil von 20 Prozent im Standardprodukt.

Die TBW wollen Nachhaltigkeit aber nicht nur ökologisch verstanden haben. Anders gesagt: Nur wenn die Kasse stimmt, können die nötigen Investitionen in die Zukunft getätigt werden. Und finanziell sieht es gewohnt gut aus, wie Finanzchef Goar Schweizer aufzeigte. Das bietet die Grundlage, damit die TBW im Hinblick auf die absehbare Strom- und Gasmarktöffnung ihrer Rolle als Energieversorger weiterhin gerecht werden können.