TBW machen einen ökologischen Schritt

Die Technischen Betriebe Wil bieten ab April ein Standardprodukt mit zehn Prozent Biogas an. Die ökologische Gasreform ist im Wiler Stadtparlament unbestritten. Umstritten ist aber die Forderung, Biogas bei der Bima Energie AG in Münchwilen einzukaufen.

Philipp Haag
Drucken

WIL. Mit dem Vorschlag hatten wohl die wenigsten Volksvertreterinnen und Volksvertreter gerechnet: Der parteilose Stadtparlamentarier Norbert Hodel forderte am Donnerstagabend während der Parlamentssitzung Stadtrat Daniel Meili auf, im Rahmen der ökologischen Gasreform mit der Bima Energie AG, ehemals Biorender AG, in Münchwilen Kontakt aufzunehmen, um Verhandlungen über den Bezug von Biogas zu führen. Hodels Argument: Lieber Biogas aus der Region einsetzen als importiertes aus dem Nachbarland Deutschland. Viele Mitglieder des Parlaments waren perplex ob Hodels Forderung, liegt doch die Affäre um die Biorender AG, an der die Stadt Wil beteiligt und unter einem Millionen-Verlust ausgestiegen war, doch noch nicht lange zurück.

«Brandschwarz angelogen»

Für Christoph Hürsch (CVP) ist der Vorschlag ein Affront, da der damals zuständige Stadtrat Andreas Widmer, der heute im Verwaltungsrat der Bima Energie AG sitzt, «das Parlament brandschwarz angelogen hatte». Auch für Guido Wick (Grüne Prowil), der das Biorender-Debakel aufdeckte, ist angesichts «eines Acht-Millionen-Franken-Schadens» eine Geschäftsbeziehung mit der Biorender-Nachfolgerin undenkbar. Der Widerwille anzumerken war ebenfalls Stadtrat Meili. Er zeigte sich zwar offen – «die Geschäftsleitung hat meine Telefonnummer» –, deklarierte den Preis der Bima Energie AG aber als zu hoch. Würde Biogas aus Münchwilen bezogen, müsste der beantragte Kredit ungefähr verdoppelt werden, sagte er. Der Stadtrat hatte ein Kreditbegehren von 450 000 Franken gestellt. Mit dem Geld, das die Parlamentarierinnen und Parlamentarier mit 40 Stimmen genehmigten, wird eine ökologische Gasreform der Technischen Betriebe Wil (TBW) für die Kundinnen und Kunden kostenneutral umgesetzt. Die TBW bieten ab April ein Standardprodukt mit zehn Prozent Biogas an, wobei die Preisdifferenz beim Umstieg vom Erdgas auf das Biogas-Standardprodukt über die mit acht Millionen Franken geäufnete Arbeitspreisreserve (APR) ausgeglichen wird.

Schritt in ökologische Richtung

Meili bezeichnete das Biogas-Standard-Produkt als grossen Schritt in die ökologische Richtung. Die TBW streben mit der ökologischen Gasreform einen Anstieg des seit Jahren auf einem Prozent stagnierenden Absatzes beim Biogas auf 5,5 Prozent per Ende Jahr an. Auf einen Antrag von Erika Häusermann (GLP) versicherte Meili, dass ausschliesslich Biogas aus nicht nachwachsenden Rohstoffen, also Speiseabfälle oder Grüngut, bezogen werde, und auf Biogas speziell dafür angebauten Produkten wie Mais und Weizen, das auch als Futtermittel genutzt werden kann, verzichtet wird.

Die Fraktionen der SVP, CVP, FDP, SP und Grüne Prowil stellten sich hinter die ökologische Gasreform. Sie zeige den guten Willen der TBW. Trotzdem forderte Dora Luginbühl (SP) die TBW auf, beim Energiesparen «noch etwas mehr Gas zu geben». Auch Guido Wick (Grüne Prowil) verlangte zusätzliche Massnahmen zur Reduktion des Gas- und Stromverbrauchs. Patrick Lerch (SVP) legt Wert darauf, dass das Biogas aus Abfallprodukten hergestellt wird. Für Marc Flückiger (FDP) kommt es hingegen auf das gleich raus, «ob der Mais in eine Sau oder ein Auto gelassen wird.»

Aktuelle Nachrichten