TAUSCH: Zu heiss für den Kleiderschrank

Zum dritten Mal wurde gestern in der Wiler Lokremise der «Walk-In-Closet» durchgeführt. Wer Kleider mitbrachte, musste auch welche mitnehmen. Wegen des schönen Wetters war der Andrang aber geringer als 2016.

Christof Lampart
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Trotz Sommerwetter liessen es sich einige Frauen nicht nehmen, am «Walk-in-Closet» Kleider zu bringen und mitzunehmen. (Bild: Christof Lampart)

Trotz Sommerwetter liessen es sich einige Frauen nicht nehmen, am «Walk-in-Closet» Kleider zu bringen und mitzunehmen. (Bild: Christof Lampart)

Christof Lampart

redaktion@wilerzeitung.ch

«Walk-In-Closet» – zu deutsch «begehbarer Kleiderschrank» – nennt sich die Aktion. Bereits zum dritten Mal ging sie gestern in der Wiler Lokremise vonstatten. Organisiert wird die in regelmässigen Abständen in der ganzen Deutschschweiz durchgeführte Kleidertauschbörse von Frauen wie Janine Harlander, die auch gestern Nachmittag das Zepter führte.

«Man muss schon ein bisschen der Typ sein, der Brockenstuben und Flohmärkte gerne hat», antwortete Harlander auf die Frage, wer denn der oder vor allem die typische Walk-In-Closet-Benutzerin sei.

Den Rekord deutlich verfehlt

Dass Spezielle an diesem auf gelebter Nachhaltigkeit basierenden Anlass ist, dass man zwar seine sehr gut erhaltenen Kleider, Schuhe und Schmucksachen abgeben kann, man dafür aber auch von der abgebenden Person erwartet, dass sie wieder Sachen mitnimmt. Wer hier also einfach seine alten Klamotten loswerden wollte, war fehl am Platz. Schliesslich sei es kein Bring- und Holtag, sondern eine Tauschbörse. Vor dem Auflegen der «guten, alten Stücke» hatten die Organisatoren nicht nur ein Eintrittsgeld von fünf Franken, sondern auch die Kontrolle der Kleider gesetzt. Bei jenen, die nicht zum ersten Mal dabei waren, klappte das mit der Qualität ganz gut. Wer neu war, musste sich schon einmal anhören, was die eigentlich unausgesprochene Richtschnur fürs Mitbringen ist. «Wer Sachen mitbringt, sollte Sachen abgeben wollen, die man auch bedenkenlos der besten Freundin oder dem besten Freund schenken würde», sagte Harlander.

Apropos Freund: Die Männer waren deutlich in der Minderheit – und wenn, dann nur in passiver Form anwesend. Während Frauen fast jeglichen Alters sich zwischen den Kleiderständern tummelten, hockten die Männer mit Hund und Handy in der improvisierten Cafeteria. Und das, obwohl es eigentlich auch eine kleine Männersektion gab. Sowieso hielt sich der Andrang an diesem sommerlichen Sonntagnachmittag in Grenzen. Es lief zwar schon einiges, aber bei weniger vorteilhaften Witterungsbedingungen hätte es wohl zum gleichen Zeitpunkt anders ausgesehen. «Als wir im Frühling des vergangenen Jahres erstmals hier waren, kamen über 300 Leute», sagte Harlander. Doch sie nahm die Tatsache, dass es wohl am Ende weniger als 100 Frauen und einige Männer gewesen sein dürften, gelassen hin. Denn auch sie wusste: «Kleider kann man sich aussuchen, das Wetter nicht.»

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