TALENTSCHMIEDE: Die Entwicklungshelfer

Der LC Brühl ist der mit Abstand erfolgreichste Frauen-Handballklub der Schweiz. Die Grundlage dafür wird unter anderem bei der zweiten Auswahl in der NLB gelegt.

Philipp Wolf
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Ideale Ergänzung: Die Trainer Martin Gerstenecker (links) und Gallus Schlachter sind seit zwei Jahren für das Brühler Ausbildungsteam verantwortlich. (Bild: Urs Bucher)

Ideale Ergänzung: Die Trainer Martin Gerstenecker (links) und Gallus Schlachter sind seit zwei Jahren für das Brühler Ausbildungsteam verantwortlich. (Bild: Urs Bucher)

Philipp Wolf

philipp.wolf@tagblatt.ch

Leistungssport vermitteln. Ausbilden. Nicht absteigen. Das gängige Credo von Ausbildungsequipen gilt auch bei der zweiten Handballauswahl des LC Brühl. Vergangene Saison gewann Brühl II die NLB und war somit die neuntbeste Equipe im Schweizer Frauenhandball. Insgesamt verfügt Brühl neben dem zweiten Team über dreizehn Ausbildungsequipen.

Beim Brühler NLB-Team dafür zuständig, dass die drei Ziele erfüllt werden, sind Martin Gerstenecker und Gallus Schlachter. Seit zwei Spielzeiten trainieren sie das Ausbildungsteam Brühls. Dabei übernimmt Gerstenecker, Primarlehrer von Beruf, die Hauptaufgaben. Schlachter, beruflich als Produktionsingenieur tätig, hingegen leitet einige spezifische Übungsblocks und kümmert sich vorwiegend um das Trainieren der Torhüterinnen.

Gerstenecker und Schlachter gefällt an ihrer Arbeit als Ausbildner vor allem eines: «Man muss nicht taktieren.» Der Fokus kann voll und ganz auf das Ausbilden der jungen Handballerinnen gelegt werden. Der Altersdurchschnitt des Teams liegt dabei bei etwa 20 Jahren. Die Zusammensetzung der Auswahl verändert sich von Spielzeit zu Spielzeit. Durchschnittlich schafft eine Spielerin pro Saison den Sprung ins NLA-Team und junge Brühlerinnen rücken nach.

Nachwuchsteam: ein zweischneidiges Schwert

Das Ausbilden von jungen Spielerinnen sei im Vergleich zum Leiten einer gestandenen Equipe oft eine dankbare Arbeit, sagen Gerstenecker und Schlachter. Die jungen Frauen sind hungrig genug und müssen nicht zusätzlich motiviert werden. Manchmal sei es jedoch ein zweischneidiges Schwert, in einer zweiten Auswahl zu spielen, sagt der 40-jährige Gerstenecker. Einerseits haben die Spielerinnen das Ziel, ins erste Team zu kommen, und wollen sich dafür konstant weiterentwickeln. Andererseits sei die Enttäuschung umso grösser, wenn realisiert werden muss, dass es dafür nicht reicht.

Auf die Frage, ob Spielerinnen der zweiten Auswahl zu Individualismus neigen könnten, wiegelt Gerstenecker ab: «Diese Gefahr kann bestehen, wenn eine Spielerin den nächsten Schritt machen will.» Es kann aber auch vorkommen, dass sich die Leistung talentierter Spielerinnen auf NLB-Niveau einpendelt und so der nächste Schritt verpasst wird. Um das eigene Talent zu fördern, sei Wille, Disziplin und viel Training gefragt, sagt der 58-jährige Schlachter. Verpflichtungen neben dem Platz, wie Schule, Studium oder Arbeit, setzen dem Trainingspensum der jungen Brühlerinnen Grenzen. Sie absolvieren zurzeit drei verlängerte Trainingseinheiten pro Woche.

Erwartungen von aussen und von innen

In dieser Spielzeit hat Brühl II schon Aufs und Abs erlebt. Die Auswahl hatte mit Verletzungen zu kämpfen und musste nach einigen Abgängen auf diese Saison hin neu zusammenfinden. Da ist es interessant, wie sich die Erwartungen von Spielerinnen, Trainern und Verein unterscheiden. Für die Ausbildner ist die NLB-Tabelle zweitrangig. «Als Team muss man aber ein ambitioniertes Ziel haben.» Als Trainer könne man andere Ziele definieren und der Verein das Minimalziel des Ligaerhalts ausgeben. Aber als Spielerin müsse man gewinnen wollen. Schliesslich wird eine Nachwuchsauswahl immer mit zweierlei Mass gemessen. Die Trainer und der Verein messen sie an der Entwicklung. Zuschauer hingegen messen das Team vor allem am Tabellenplatz.