Tagesstrukturen: Parlament sagt Ja zu Etablierung

WIL. Es ist selten, dass die Stadtparlamentarierinnen und Stadtparlamentarier Applaus erhalten. Doch am Donnerstagabend erklang von den Zuschauerrängen in der Tonhalle Beifall, als die Volksvertreter der Etablierung der Tagesstrukturen in der Stadt Wil zustimmten.

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WIL. Es ist selten, dass die Stadtparlamentarierinnen und Stadtparlamentarier Applaus erhalten. Doch am Donnerstagabend erklang von den Zuschauerrängen in der Tonhalle Beifall, als die Volksvertreter der Etablierung der Tagesstrukturen in der Stadt Wil zustimmten. Durch die Genehmigung der Kredite im Umfang von 531 500 Franken setze das Stadtparlament einen Schlusspunkt unter eine wechselvolle Pilotphase. Die Tagesstrukturen waren im Jahr 2007 als Pilotprojekt initiiert worden, befristet auf sechs Jahre. Zwei Mal musste die Versuchsphase verlängert werden, schliesslich bis ins nächste Jahr. Ausserdem hatte sich das Stimmvolk im Jahr 2010 an der Urne gegen einen Ausbau der Tagesstrukturen ausgesprochen.

Keine Luxuslösung

Für Schulratspräsidentin Jutta Röösli sind die Tagesstrukturen «aus Wil nicht mehr wegzudenken». Sie bezeichnete den betreuten Mittagstisch und die familienergänzende Kinderbetreuung am Morgen und am Nachmittag als Standortvorteil. «Bei den Tagesstrukturen handelt es sich um sinnvoll und sorgfältig eingesetzte Mittel.» Ähnlich äusserte sich Luc Kauf, Präsident der vorberatenden Kommission. Das Angebot in Wil sei keine Luxuslösung, sagte er. «Mit den bescheidenen Mitteln wird eine hohe Leistung erzielt.»

Bei den Fraktionen war der Antrag auf Etablierung der Tagesstrukturen und die Ausdehnung auf den neuen Ortsteil Bronschhofen ab Beginn des Schuljahrs 2016/2017 mit jährlich wiederkehrenden Kosten von 476 500 Franken weitestgehend unbestritten. Einzig die SVP sprach sich gegen einen zusätzlichen Standort für die Ferienbetreuung für jährlich 52 000 Franken aus. Ein derartiger Ausbau widerspreche der Willensäusserung des Volkes bei der Abstimmung im Jahr 2010, sagte Mario Schmitt. Es sei nicht Aufgabe des Staates, Kinderbetreuung während der ausserschulischen Zeit anzubieten. Ausserdem würden bestehende Angebote während der Ferienzeit wie Lager konkurrenziert. In den Augen von Susanne Gähwiler (SP) ist eine Betreuung während der Ferien hingegen unabdingbar, «da Eltern nicht wie die Kinder zwölf Wochen Ferien haben». Sie wies ausserdem auf die fördernde Funktion einer Tagesstruktur für sozial benachteiligte Kinder hin. Dass Tagesstrukturen wichtig sind für die Integration von Kindern, besonders fremdsprachigen, betonte auch Michael Sarbach (Grüne Prowil). Christine Hasler betonte, dass die soziale Eingliederung in die Gesellschaft bereits in der Kindheit beginne. Wie für die CVP-Politikerin sind auch für Marcel Malgaroli (FDP) gut ausgebaute Tagesstrukturen eine Chance, gute Steuerzahler nach Wil zu locken.

Neun Gegenstimmen

Das Stadtparlament genehmigte für die Tagesstrukturen auf Wiler Gebiet 323 5000 Franken jährlich und für ein Angebot in Bronschhofen 101 000 Franken pro Jahr ohne Gegenstimme. Ebenfalls 41 Ja gab es für die Beschaffung des Mobiliars in Bronschhofen für 35 000 Franken und für eine räumliche Optimierung der Standorte Obere Mühle und Pestalozzi in Wil für 20 000 Franken. Die jährlich 52 000 Franken für die zusätzliche Ferienbetreuung erhielten bei 31 Ja 9 Gegenstimmen. (ph)