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Tage wie diese

Seitenblick
Gianni Amstutz

Fast alles hat heutzutage seinen eigenen Feier- beziehungsweise Gedenktag. Vom Jogginghosentag über den Fischbrötchentag bis hin zum Systemadministrator-Tag. Gestern war nun Weltfrauentag. Viele Medien – auch die «Wiler Zeitung» – nahmen das zum Anlass, Frauen für einen Tag in den Mittelpunkt zu stellen. An sich eine löbliche Absicht. Denn Gleichberechtigung bleibt auch hierzulande in manchen Bereichen noch Wunschdenken. Die Schweiz hat im internationalen Vergleich, zumindest was das Wahlrecht angeht, ja nicht gerade eine Vorreiterrolle übernommen. Und noch immer tut man sich schwer, beispielsweise in Sachen Lohngleichheit. Ob in der Privatwirtschaft oder im öffentlichen Sektor: Die eigentlich in der Verfassung verankerte Lohngleichheit wird nicht erreicht. Unlängst hat der Ständerat eine Vorlage zu diesem Thema zurückgewiesen.

Die Stadt Wil ist hierbei fortschrittlicher. Sie gehört sogar zu den Erstunterzeichnern der Charta von Bundesrat Alain Berset «Lohngleichheit im öffentlichen Sektor». Doch gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist längst nicht das einzige Thema, das die Gleichstellung der Geschlechter betrifft. Das hat die Debatte um #MeToo bewiesen. Erst schlug diese hohe Wellen, inzwischen spricht kaum mehr jemand darüber.

Gut gibt es den Weltfrauentag, um auf solche Thematiken aufmerksam zu machen –könnte man meinen. Doch der Tag gehört bereits wieder der Vergangenheit an. Medien widmen sich wieder ihrem Alltagsgeschäft, bis sie in einem Jahr erneut Themenseiten und Porträts der Gleichstellung widmen. Abgesehen von der eintägigen Berichterstattung, scheinen solche Feier- und Aktionstage wenig nachhaltig zu sein. Es gibt schlicht zu viele, als dass sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. So erstaunt es nicht, dass solche Tage nichts bewirken.

Hätten sie tatsächlich Einfluss, so müsste man sich nicht wundern, wenn am 16. März Mitarbeiter zu spät ins Büro kämen (Weltschlaftag), nach dem 3. April viele verkatert wären (Welt-Party-Tag), man am 19. September mit «Arrrrrh» begrüsst würde (Sprich-Wie-Ein-Pirat-Tag) und am 24. November die Geschäfte leer blieben (Kauf-Nix-Tag).

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

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