Tag und Nacht fürs Dorf da

OBERBÜREN. Nach über 30jähriger Tätigkeit geht der Oberbürer Ratsschreiber Guido Staub in Pension. Kaum einer kennt die Gemeinde so gut wie er. Die Nähe zu den Einwohnern und ihre Anliegen lagen ihm stets am Herzen.

Urs Bänziger
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Guido Staub an seinem Arbeitsplatz in der Gemeindekanzlei. Am Freitag wird er ihn für immer verlassen und den Ruhestand geniessen. (Bild: urb)

Guido Staub an seinem Arbeitsplatz in der Gemeindekanzlei. Am Freitag wird er ihn für immer verlassen und den Ruhestand geniessen. (Bild: urb)

Wie fühlt man sich, wenn man nach über 30jähriger Tätigkeit als Oberbürer Ratsschreiber in Pension geht? «Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge», antwortet Guido Staub. Am Freitag ist sein letzter Arbeitstag. «Sicher werde ich dies und das vermissen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich nach meiner Pensionierung in ein Loch fallen werde», sagt der 63-Jährige. Er freut sich darauf, dass er jetzt mehr Zeit für seine Familie, fürs Lesen und für sein Waldstück hat. Und den Kontakt zur Bevölkerung wird Staub auch im Ruhestand pflegen, denn er bleibt in Oberbüren wohnen. «Meine Frau und ich fühlen uns sehr wohl hier. Das ist mit ein Grund, weshalb ich so lange für die Gemeinde tätig war.»

«Ich bin nicht der Politiker»

Er werde die Geschehnisse in Oberbüren auch im Ruhestand aufmerksam verfolgen, aber «mich sicher nicht mehr einmischen», sagt Guido Staub. Fällt das einem Mann, der sich dermassen für die Gemeinde engagiert hat, nicht schwer? «Ich war nie jemand, der sich in den Vordergrund stellt. Ich bin nicht der Politiker, sondern eher der Mann im Hintergrund.» Darum sei er Ratsschreiber geblieben und nicht Gemeindepräsident geworden. Anfragen von Parteien hat er zwar erhalten, er hat sie jedoch ausgeschlagen. «Nach dem Rücktritt von Ernst Benz wurde ich wild als Kandidat aufgestellt, was dazu geführt hatte, dass es zu einem zweiten Wahlgang kam. Das war mir sehr peinlich», erzählt Staub.

Auch wenn er auf eine politische Karriere verzichtet hatte und in seiner Tätigkeit als Ratsschreiber und Gemeindekassier gelegentlich «einem auf die Füsse treten musste», so hat er doch das Gefühl, dass er in der Bevölkerung akzeptiert war. Service public hatte Staub schon betrieben, als der Begriff noch gar nicht existierte. «Die Nähe zur Bevölkerung war mir wichtig. Mir lag stets am Herzen, für die Einwohner da zu sein, wenn sie ein Anliegen hatten.»

Er kennt die halbe Gemeinde

Guido Staub könnte Bücher füllen, so viel weiss er über Oberbüren zu erzählen. «Die Leute zu kennen und viel zu wissen, hatte in meiner Tätigkeit viele Vorteile, aber manchmal war es auch ein Nachteil.» Als er im Sommer 1980 seine Stelle antrat, zählte die Gemeinde noch 2900 Einwohner; inzwischen sind es über 4000. «Oberbüren hat sich vom Bauern- zu einem Gewerbedorf gewandelt», sagt der scheidende Ratsschreiber. «Trotz der Entwicklung ist die Gemeinde aber überschaubar geblieben. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich die Hälfte der Bevölkerung mit Namen kenne.» Guido Staub kennt die Leute, und die Leute kennen ihn. Was aber viele nicht wissen ist, dass er in Gossau aufgewachsen ist und schon seine Verwaltungslehre in Oberbüren machte.

Anruf mitten in der Nacht

Reminiszenzen? «Hätte ich einige zu erzählen», sagt Staub. Er beschränkt sich auf den Telefonanruf um Mitternacht. «Ich hatte tief geschlafen, als mich ein Mann anrief und sagte, dass er am nächsten Morgen früh nach Jugoslawien reise und dringend den Pass benötige. Also bin ich aufgestanden, in die Kanzlei gegangen und habe ihm seinen damals noch auf der Gemeinde deponierten Pass herausgegeben.» Solche nächtlichen Anrufe bleiben Guido Staub nach der Pensionierung erspart.