Tabu am Filmfestival

Die ägyptische Filmindustrie ist die grösste in der arabischen Welt. Ägyptische Filme und Schauspieler sind im gesamten arabischen Raum bekannt, und der ägyptische Dialekt wird deshalb von den meisten Arabern verstanden.

Lucienne Suter
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Die 37. Kairoer Filmfestspiele sind eröffnet. (Bild: Islam Sherbini)

Die 37. Kairoer Filmfestspiele sind eröffnet. (Bild: Islam Sherbini)

Die ägyptische Filmindustrie ist die grösste in der arabischen Welt. Ägyptische Filme und Schauspieler sind im gesamten arabischen Raum bekannt, und der ägyptische Dialekt wird deshalb von den meisten Arabern verstanden. Im Jahre 1976 ist mit dem Cairo International Film Festival das erste Filmfestival im Nahen Osten gegründet worden. Es findet jedes Jahr im November statt, musste jedoch 2011 und 2014 aufgrund politischer Instabilität und Budgetkürzungen abgesagt werden.

An den Cairo International Film Festivals werden jeweils über einen Zeitraum von zehn Tagen eine Vielzahl an Filmen aus aller Welt gezeigt und ausgezeichnet. Der Fokus liegt aber auch bei den ägyptischen Filmen und deren internationaler Wahrnehmung. Oft drehen sich die Filme um schwierige gesellschaftliche oder politische Themen. Ebenfalls werden Szenen gezeigt, welche im ägyptischen Fernsehen aufgrund der starken Zensur nicht zu sehen sind. Dies führt immer wieder dazu, dass einige Besucher des Filmfestivals bei der Premiere eines Films den Saal verlassen. Alles, was mit Sexualität zu tun hat, ist in Ägypten ein grosses Tabu.

Unterhaltsame Premiere

Vergangene Woche hat das Kairoer Filmfestival zum 37. Mal stattgefunden. Ich hatte das Glück, eine Eintrittskarte zu einer Filmpremiere zu bekommen. Im grossen Saal des Kairoer Opernhauses wurden zuerst die Schauspieler und der Regisseur mit grossem Applaus auf die Bühne gebeten. Danach fand die Premiere des ägyptischen Films «Born to a man» statt. Auch wenn ich die vielen Gewaltszenen nicht mag, hat mir der Film gut gefallen. Die Geschichte handelte von einem jungen Mann, dessen Mutter bei seiner Geburt verstorben ist. Er lebt bei seinem Vater und versucht, durch das Turnierboxen der Armut zu entfliehen. Als ans Licht kommt, dass sein Vater eine kriminelle Vergangenheit hat, wird er von den lokalen Behörden erpresst. Aufgrund der Liebe zu einer Frau in der Nachbarschaft und der Eifersucht seines Jugendfreundes rutscht er immer mehr in die Kriminalität ab. Für das internationale Publikum wurde dieser unterhaltsame Streifen mit englischen Untertiteln gezeigt.

Grosse Namen in Kairo

Das Kairoer Filmfestival ist das einzige in Afrika und dem Nahen Osten, welches von der Fiapf (Fédération Internationale des Associations de Producteurs de Films) anerkannt ist. In den letzten Jahrzehnten waren diverse grossen Schauspieler wie etwa Sophia Loren, Morgan Freeman, Salma Hayek und Samuel L. Jackson in Kairo.

Lucienne Suter aus Wil lebt in Kairo. Für die Wiler Zeitung berich- tet sie über Erlebnisse in der ägyp- tischen Hauptstadt.