Es fehlt an Milchtechnologen - ein neuer Wettbewerb soll die Attraktivität des Berufs aufzeigen

Am Samstag fanden in Flawil die ersten Swiss Skills der Milchtechnologen statt.

Christof Lampart
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Die Milchtechnologinnen und -technologen geben ihr Bestes, während Jurymitglieder deren Tun kritisch begutachten. (Bilder: Christof Lampart)

Die Milchtechnologinnen und -technologen geben ihr Bestes, während Jurymitglieder deren Tun kritisch begutachten. (Bilder: Christof Lampart)

Das Organisationskomitee um Präsident Felix Tschirky hatte sich in und um das Areal der Berufsfachschule Flawil einiges einfallen lassen, um zum einen die Wettkämpferinnen und Wettkämpfer herauszufordern und zum anderen die zahlreichen Besucherinnen und Besucher für die Welt der Milchverarbeitung zu begeistern.

Während sich die 21 besten jungen Milchtechnologinnen und -technologen aus vier Regionen der Schweiz in der Wettkampfarena in der Herstellung diverser Milchprodukte massen– und dabei nicht nur laufend von einer Fachjury, sondern auch stets von einem grossen Publikum begutachtet wurden – konnten es sich die Gäste an diesem Samstag ganz gemütlich einrichten.

Ein «gluschtiger» Sinnesparcours mit zahlreichen Degustationsmöglichkeiten, Infoständen von Sponsoren, eine Festbeiz mit Käsegerichten sowie Fachvorträgen rund um das Thema Milchprodukte sorgten dafür, dass garantiert jede(r) am Ende mehr über den Beruf des Milchtechnologen wusste als zu Beginn seines Besuches. Oder dann zumindest mehr als satt war.

Für einmal die Hersteller im Fokus

Felix Tschirky, OK-Präsident.

Felix Tschirky, OK-Präsident.

Dass diese erstmals durchgeführte Leistungsschau so umfassend war, hatte einen guten Grund. OK-Präsident Felix Tschriky sagt:

«Wir wollen an diesem Tag für einmal nicht die eigentlichen Produkte, die er herstellt, sondern den Milchtechnologen als solchen in den Mittelpunkt stellen.»

Die Swiss Skills packten die günstige Gelegenheit also beim Schopf, um der Bevölkerung aufzuzeigen, wie vielfältig der einst ziemlich einseitige Beruf des Käsers in den vergangenen Jahrzehnten geworden ist. Standen vor wenigen Jahrzehnten nur die bekannten Käsesorten wie Appenzeller, Gruyère, Emmentaler oder Tilsiter im Mittelpunkt der Ausbildung, so muss sich der Milchtechnologe von heute umfassend mit Produkten wie Proteindrinks oder veganem Käse auseinandersetzen – wenn er denn auch zukünftig kunden- und somit auch marktgerecht produzieren möchte.

Probleme bei der Nachwuchsrekrutierung

Des Weiteren seien Wettkämpfe, wie sie die Swiss Skills der Milchtechnologen erstmals böten, «eine hervorragende Plattform, um den Stolz einer ganzen Berufsgruppe nach aussen zu transportieren», betonte Markus Züger von der Züger Frischkäse AG in Oberbüren.

Doch auch wenn die an den Swiss Skills hergestellten Käseplatten wahre Wunderwerke in Sachen Kreativität waren und die jungen Berufsleute mit glühendem Eifer bei der Sache waren, so kann die Branche gewisse Probleme bei der Nachwuchsrekrutierung nicht verhehlen.

«Zeigen, wie attraktiv unser Beruf ist»

Wie der Präsident des Schweizerischen Milchwirtschaftlichen Vereins, Thomas Arnold, betonte, seien, um die Strukturen der heutigen milchverarbeitenden Branche aufrechtzuerhalten, schweizweit 500 Lernende vonnöten, doch befänden sich aktuell nur rund 370 junge Frauen und Männer in einer Ausbildung zum Milchtechnologen. Genau deshalb habe man sich dazu entschieden, die nationale Meisterschaften einzuführen. Denn, so Arnold:

«Nur mit öffentlichen Aktionen wie diesen können wir zeigen, wie attraktiv unser Beruf ist. Alles, was wir herstellen, kann man anfassen, kaufen und essen. Das ist doch einfach super.»

Den Sieg mit nach Hause genommen haben zwei Westschweizerinnen und ein Westschweizer: Charlotte Fringeli ist vor Camille Maimone und Guillaume Barras Schweizer Meisterin geworden. Es war ein knappes Rennen: Die drei Erstplatzierten lagen lediglich 0,7 Punkte auseinander.