«Sweet home» wird zum «smart home»

WIL. Der Hauseigentümerverband Wil führte eine Informationsveranstaltung zum «intelligenten Wohnen» der Zukunft durch. Bequemlichkeit und bewusster Umgang mit Energie müssen keine Widersprüche sein, so die Hauptthese.

Peter Küpfer
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Guido Kohler mit dem Prototyp des Schweizer Natels. (Bild: Peter Küpfer)

Guido Kohler mit dem Prototyp des Schweizer Natels. (Bild: Peter Küpfer)

Die Nachbarn hören nicht, dass Max Zukunft eben nach Hause gekommen ist. Sein Hybridauto rollt geräuschlos in die Garage. Aber im Innern seines Hauses sind diverse smarte Geräte schon lange auf Trab. Die mit neuesten elektronischen Thermostaten ausgerüsteten Heizkörper haben die Abwesenheitstemperatur rechtzeitig auf «anwesend» umgeschaltet. Der Backofen hat noch beim Aufräumen des Pultes am Arbeitsort das Signal bekommen, die Pizza jetzt zu backen. Beim Betreten des Hauses empfängt ihn die vorprogrammierte Hausmusik.

Als er aus dem Kühlschrank sein verdientes Feierabendbierchen greift, wird er auf dem Display diskret darauf hingewiesen, dass nur noch drei Reserveflaschen kühlgestellt sind. Während er sich bequeme Hauskleidung anzieht, meldet sich auf seinem Handy sein smartes Unterleibchen. Dieses schlägt ihm aufgrund seiner aktuellen Transpiration und dem Tagespuls vor, er solle in den nächsten Tagen Brot und Kartoffeln durch vermehrten Verzehr von Hülsenfrüchten ersetzen.

Eine Ära hat begonnen

Solche Möglichkeiten, aber auch weitergehende Zukunftsvisionen wurden am Informationsabend des Hauseigentümerverbandes (HEV) Wil und Umgebung dem Publikum vorgestellt. Es strömte in Scharen ins Auditorium auf dem Gelände der Larag. Der Abend war in Zusammenarbeit mit den Technischen Betrieben Wil und der Firma Kohler & Partner Elektro AG (Wil) organisiert worden. HEV-Wil-Präsident Marcel Mosimann wies darauf hin, dass sich das «sweet home» langsam aber sicher in ein «smart home» wandle.

Man spürte, dass Publikum und Referenten sich im Grundsatz einig waren: Energie ist wertvoll, erneuerbare Energien ein Gebot der Zeit und sparsamer Umgang mit ihr ein Gebot der Vernunft. Stadtrat Marcus Zunzer gab denn auch einen Überblick, was die Stadt in den letzten Jahren im Energiebereich bewirkt hat und welche Zielvorgaben sie an ihr Energiekonzept bindet. Dabei konzentriert sie sich seit Jahren auf die Hauptbereich Wärme und Strom, Mobilität und die Zusammenarbeit mit den Technischen Betrieben Wil. Diese sind seit Jahren dicht am Puls der neuen Technologien und bieten neben dem Ausbau des Glasfasernetzes auch viele Produkte an, welche das Wohnen energiepolitisch vernünftig machen. Dabei wird weiter das ehrgeizige Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft verfolgt. Zunzer liess keine Zweifel darüber aufkommen, dass die Zukunft im Heizbereich weiter der Gasheizung und der Erd- bzw. Fernwärme gehört. Eine besondere Lanze legte er für die Photovoltaik ein, die auch in der Region Wil weiter boome.

Auf Kabel setzen

In seinem Referat gab Guido Kohler (Kohler & Partner) einen Überblick über das, was heute technisch nicht nur möglich, sondern bei vielen Bauherren, Haus- und Wohnungsbesitzern bereits Alltag ist. Er zeigte dabei auf, dass daraus nicht nur mehr Bequemlichkeit und Behaglichkeit resultieren, sondern diese auch einhergehen können mit einem sparsamen und vernünftigen Umgang mit Energie. Einleuchtendes Beispiel dafür waren die neuen Heizsteuerungsanlagen, welche Anwesenheits- und Abwesenheitswärme quasi auf Knopfdruck zu steuern vermögen. Er warnte aber auch davor, alles via WLAN-Signale steuern zu wollen. Was den Bereich der Privatsphäre betreffe, so müsse sich jeder User bewusst sein: Bei den kabellosen Kommunikationsvorgängen ist nie auszuschliessen, dass auch ein Ungebetener «mit dabei» ist und die Vorgänge mitverfolgt. Für Privates empfiehlt er: «Verkabeln Sie soviel, wie Sie nur können.»

Was die Zukunft einem noch alles bringt, erschloss das Referat von Joël Luc Cachelin (Wissensfabrik). Mit einem Bild mit einem Wohnwagen vor palmenbewachsenem Meeresstrand zeigte er auf, dass in Zukunft Arbeit nicht mehr nur im Büro, sondern auch an viel attraktiveren Orten geleistet werden kann. Aber es gab auch bedenklich Anmutendes, wie zum Beispiel sprechende Roboter, welche alten Menschen ihre Isolation lindern sollen. «Technisch machbar ist vieles», sagte Cachelin, auch Roboterhaustiere, die keine Haare lassen. Ob wir das alle wollen, sei eine andere Frage.