Subaru, Sat.1 und Schüblig

Die Angst vor Überfremdung geht um, nicht erst seit der Flüchtlingskatastrophe. Schweizerische Werte bewahren, heisst es dann immer. Umso mehr erstaunt es, dass sich die Eidgenossen in vielen alltäglichen Dingen sehr «weltoffen» zeigen.

Ursula Ammann
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St. Gallen - Ursula Ammann Redaktion Wiler Zeitung (Bild: Ursula Ammann)

St. Gallen - Ursula Ammann Redaktion Wiler Zeitung (Bild: Ursula Ammann)

Die Angst vor Überfremdung geht um, nicht erst seit der Flüchtlingskatastrophe. Schweizerische Werte bewahren, heisst es dann immer. Umso mehr erstaunt es, dass sich die Eidgenossen in vielen alltäglichen Dingen sehr «weltoffen» zeigen.

Wer fährt schon seinem Subaru an den Karren, weil dieser Japaner ist und darüber hinaus noch Most aus Nahost säuft. Wer blickt einem St. Galler Schüblig tief in die Fettaugen und fragt ihn, ob seine Haut brasilianischen oder chinesischen Schweinedärmen entstammt? Wer kehrt zurück zum Zählrahmen, weil ihm das Rechnen mit arabischen Zahlen nicht mehr geheuer ist? Wer zupft seinen Pullover am Ärmel und sagt ihm, er müsse sich als Eingewanderter aus Bangladesh hier warm anziehen? Wer fühlt seiner Zahnprothese auf den Zahn, weil diese aus Ungarn kommt? Wer verbannt Ziersträucher aus seinem Garten, weil sie zu exotisch sind? Wer lebt ohne Handy, weil darin Coltan aus afrikanischen Minen über die Grenze gelangt? Wer verbietet seinen Kindern den Umgang mit dem Samichlaus, der als Nikolaus von Myra (heutige Türkei) ins Abendland immigriert ist? Wer entfernt Pro 7 und Sat.1 aus seiner Senderliste, weil sie aus Deutschland rüberschwappen? Wer verzichtet auf Toilettenpapier, weil es aus dem Holz fremdländischer Wälder hergestellt wird?

Gerade letzteres geht hierzulande wohl allen am Allerwertesten vorbei. Vom Aufgang der Sonne – sogar sie kommt aus dem Osten – bis zu ihrem Niedergang – und wandert täglich über alle Grenzen hinweg in den Westen – sind wir bestimmt von Einflüssen aus der Fremde. Welche gut und welche schlecht sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Idee, es funktioniere alles besser, wenn man sich abschottet, ist aber etwa so löchrig wie ein Schweizer Emmentalerkäse.

ursula.ammann@wilerzeitung.ch