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Stylische Fehlkonstruktion: Flawils Bahnhof-Bänkli in der Kritik

Ästhetisch, aber nutzerfeindlich: Das Strassenmobiliar auf dem neugestalteten Flawiler Bahnhofplatz polarisiert. Der Gemeinderat hat die kritischen Stimmen aus der Bevölkerung gehört und will die Sitzbänke nun überprüfen.
Andrea Häusler
Zu hoch und zu tief: Die modern designten Bänke auf dem neugestalteten Bahnhofplatz sind wohl stylisch, als Sitzgelegenheit für jedermann jedoch weitgehend untauglich. (Bild: Andrea Häusler)

Zu hoch und zu tief: Die modern designten Bänke auf dem neugestalteten Bahnhofplatz sind wohl stylisch, als Sitzgelegenheit für jedermann jedoch weitgehend untauglich. (Bild: Andrea Häusler)

Man nehme einen nüchternen Betonquader, schraube hölzerne Latten drauf, füge eine Lehnenkonstruktion hinzu und fertig ist eine Sitzbank von stylisch-reduziertem Design. Dergestalt innovativ gefertigte Sitzgelegenheiten empfangen die Bahn- und Busreisenden rund um den neuen Bushof am Flawiler Bahnhofplatz. Eine repräsentative Visitenkarte – wenn auch nur optisch. Denn kaum der Öffentlichkeit übergeben, wird die Praxistauglichkeit der erlesenen Sitzbankmodelle kritisiert.

Zu hoch und zu tief

Einmal probesitzen und die konstruktionsbedingten Mängel werden augenscheinlich. Wer sich niederlässt, muss sich entscheiden: Entweder stehen die Füsse auf dem Boden oder der Rücken ruht an der Lehne. Denn die Bänke sind über der Schweizer Norm hoch und tief. 35 bis 46 Zentimeter in der Tiefe lautet etwa die in der VSS Norm 640075 «Fussgängerverkehr; Hindernisfreier Verkehrsraum» festgeschriebene Empfehlung für Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum. Zumal ab einer Tiefe von mehr als 46 Zentimetern kein bequemes Anlehnen mehr möglich ist. Die Dimension der Bänkli geht um vier Zentimeter über das Idealmass hinaus: Speziell für ältere Menschen ist Anlehnen und wieder Aufstehen so gut wie unmöglich.

Auch bei der Sitzhöhe schoss die Designerin der Flawiler Ruhebänke – mit dem Segen der Bauherrschaft – über die von Fachleuten und Nutzerverbänden propagierten Idealmasse von 45 cm bis maximal 50 cm hinaus. Allesamt sind zwei bis fast zehn Zentimeter höher. Pech für Wartende, deren Körpergrösse nicht an der Zweimetergrenze kratzt.

Gemeinderat will Bänke überprüfen

Dem Flawiler Gemeinderat sind die Mängel des Sitzmobiliars bekannt. Im jüngsten Mitteilungsblatt spricht er von Rückmeldungen aus der Bevölkerung und der Absicht, die Sitzbänke und deren Qualität nochmals zu überprüfen. Anpassungen hingegen dürften alles andere als einfach sein. Deshalb will sich der Rat auch Zeit nehmen, um alle denkbaren Varianten zu prüfen, wie René Bruderer, Geschäftsleiter Bau- und Infrastruktur sagt. Sprich: Von der Beibehaltung des Ist-Zustands bis zur Kompletterneuerung. Mehr zum Thema lässt sich Bruderer nicht entlocken.

Deckbelag als Ausgleichsmasse

Tatsache ist jedoch, dass auf dem neugestalteten Bahnhofplatz Anfang August der Deckbelag eingebaut wird. Bis dahin muss entschieden sein, ob jene Idee in Frage kommt, welche die Bau- kommission laut Ruedi Steurer, einem Kritiker des neuen Mobiliars, in die engere Wahl gezogen hat. Er sagt:

«Weil sich die Sitzflächen der Betonblöcke nicht tiefer legen lassen, soll die einzubauende Belagsschicht nun – wo möglich – im Bereich der Bänke dicker aufgetragen werden.»

Aus seiner Sicht ist dies keine Lösung, sondern eine «wenig erfolgversprechende Pflästerlipolitik», ein Weiterwursteln.

Nur eine Fliege auf einen Streich

Kommt hinzu, dass sich damit lediglich das Problem der nutzerfeindlichen Höhen lösen liesse, nicht aber jenes der Banktiefen und aller weiterer gestalterisch bedingten Makel. Wie etwa jener der Lattenabstände des Sitzrosts, die zur verstohlenen Abfallentsorgung geradezu ermuntern. Den Mitarbeitenden des Unterhaltsdienstes obliege es dann, die Papiertaschentücher, Zigarettenstummel, Bierdosen und Kaugummis zwischen dem Holz und dem Beton hervorzuklauben, moniert Ruedi Steurer.

Ginge es nach ihm, müssten die Bänke abgebaut und durch erprobte ersetzt werden. «Für nur drei Prozent der Gesamtbaukosten liessen sich neue, stabile und bequeme Sitzbänke installieren», sagt er und nennt als Beispiele die Modelle, die am St. Galler Busbahnhof stehen. Ob sich der Gemeinderat auf die kostspieligste aller Varianten einlässt, wird sich in Bälde zeigen. Denn auf die lange Bank schieben lässt sich die Bänklifrage angesichts der in wenigen Wochen geplanten Deckbelagsarbeiten auf dem Bahnhofplatz nicht.

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