Stricken als Kulturgut

Die Kunst des Strickens ist eine der ältesten stoffbildenden Techniken. Der heutigen Machart ging allerdings wohl eine Flechttechnik voraus, bei der in einen vorgespannten Faden Schlingen eingehängt wurden. Dieser Arbeitsgang konnte hin und her, aber auch in der Runde ausgeführt werden.

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Die Kunst des Strickens ist eine der ältesten stoffbildenden Techniken. Der heutigen Machart ging allerdings wohl eine Flechttechnik voraus, bei der in einen vorgespannten Faden Schlingen eingehängt wurden. Dieser Arbeitsgang konnte hin und her, aber auch in der Runde ausgeführt werden. Dabei war der Arbeitsfaden nicht unendlich lang, er konnte jedoch immer wieder neu angelegt werden. Auf griechischen Vasen tragen Amazonen enganliegende Hosen, die schwerlich aus einem gewobenen Stoff genäht sein können. Daher gehen Wissenschafter davon aus, dass das Stricken bereits im Altertum bekannt war. In Gräbern römischer Legionäre wurden Strümpfe gefunden. Und aus der Zeit um 500 bis 700 nach Christus ist eine Socke erhalten – auch sie ist gestrickt oder in beschriebener Flechttechnik hergestellt. Bis 1390 geriet das Stricken danach vermutlich in Vergessenheit. Zu jenem Zeitpunkt wurde in Italien und Spanien wieder damit begonnen. Nördlich der Alpen war es lange unbekannt. Erst italienische Kunsthandwerker sollen es dort eingeführt haben. Im Mittelalter gehörte es dann zu den wichtigsten Zünften. Gestrickt haben damals nicht die Frauen, sondern die Männer. Im 19. Jahrhundert war Stricken hingegen weitgehend Frauensache. Später hatte es vor allem praktische Gründe: In Not- und Kriegszeiten waren die Frauen gezwungen, selbst Kleidung herzustellen. (cg)

Quelle: Maria Blumrich, Burda-Stricklehrbuch, 1983