Stress ist kein Grund für einen Herzinfarkt

Die Thurgauer Gemeindeammänner müssen in ihrem Amt hohen Ansprüchen gerecht werden. Gemeindeammann Guido Grütter aus Münchwilen erklärt, wie er mit Stress umgeht und auf seine Gesundheit achtet.

Johanna Schick
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MÜNCHWILEN. Gemeindeammann Matthias Gehring aus Hauptwil-Gottshaus hat einen Herzinfarkt erlitten. Dabei ist er erst 34 Jahre alt, er raucht nicht, treibt viel Sport und ernährt sich gesund. Ein Herzinfarkt bei einem Patienten unter 40 Jahren ist eine Seltenheit, bestätigen Fachleute. Die Vermutung liegt nahe, dass dann wohl Stress der Auslöser gewesen sei. Gehrings Ärzte hingegen erklären, Stress sei kein Grund für einen Herzinfarkt.

Der Verantwortung bewusst sein

Gesundheitsfördernd ist Stress aber auch nicht. Und Tatsache ist, Gehring ist nicht der erste Thurgauer Gemeindeammann, der mit Gesundheitsproblemen zu kämpfen hat. Der Salmsacher Gemeindeammann Kurt Helg erlitt ein Burn-out, von dem er sich wieder erholt hat. «Als Gemeindeammann ist man 24 Stunden erreichbar», sagte Helg. Auch wenn das offizielle Arbeitspensum bei den meisten Gemeindeammännern keine 100 Prozent betrage. Ganz abschalten könne man nie. «Man muss sich der Verantwortung des Amtes bewusst sein», sagt der Münchwiler Gemeindeammann Guido Grütter. Er fände seinen Job nicht stressig, aber anspruchsvoll. «Ich glaube, Stress ist eine Art Managementfehler.» Ein Gemeindeammann habe sehr viele Aufgaben, hier noch ein Ämtli und dort noch eine Pflicht zu erfüllen. Aber gerade deswegen sei es wichtig, Prioritäten zu setzen, Arbeit zu delegieren und auch mal etwas an einen externen Experten weiterzugeben. «Mit dieser Strategie versuche ich, Stress so gut es geht zu vermeiden», sagt Grütter.

Den Stress abbauen

Wenn der Arbeitsdruck trotzdem mal überhand nimmt, soll der Stress abgebaut werden. «Ich trinke dann abends ein Glas Wein mit meiner Frau.» Oder er stemme im Fitnesscenter ein paar Kilo mehr. «Man lernt mit der Zeit, dass man nicht überall dabei sein kann», erklärt er. «Ich möchte das auch gar nicht.» Trotzdem geben ihm Fälle wie der des jungen Matthias Gehring zu denken. «Man überlegt sich dann schon, tue ich genug für die Gesundheit.»