STREITPUNKT: «Das war keine Glanzleistung»

Der Stadtrat rechtfertigt in der Antwort auf eine Interpellation der FDP die Anstellung von Ruedi Schär bei der städtischen Infostelle. Stadtpräsidentin Susanne Hartmann entschuldigt sich für Fehler.

Philipp Haag
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Seit Anfang Jahr führt die Stadt Wil in der Altstadt ein eigenes Infocenter. (Bilder: Philipp Haag)

Seit Anfang Jahr führt die Stadt Wil in der Altstadt ein eigenes Infocenter. (Bilder: Philipp Haag)

Philipp Haag

philipp.haag@wilerzeitung.ch

Die Wellen sind in jüngster Vergangenheit hochgeschlagen bei der Causa «Touristinfo/Infocenter». Auch am Donnerstagabend fielen während der Sitzung des Stadtparlaments deutliche Worte. «Das war keine Glanzleistung von Stadtpräsidentin Susanne Hartmann», sagte Marianne Mettler (SP). Wil Tourismus, welche die Touristinfo betrieben hatte, sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden, beispielsweise bei der Verlegung des Standorts vom Bahnhof in die Altstadt. «Die Stadt wird nicht mehr als verlässlicher Partner betrachtet.» Und im Namen von Mirta Sauer, die nicht mehr in der Legislative sitzt, die Diskussion mit einer Interpellation aber angestossen hatte, doppelte Marianne Mettler nach: Im Prozess hätten sich die Defizite der Stadt im konstruktiven Umgang und das Problemfeld «Kommunikation» einmal mehr offenbart. Sie kritisierte angesichts der 150 Bewerbungen für die Infostelle die Anstellung von Ruedi Schär, den ehemaligen, sich im Pensionsalter befindenden Interimspräsidenten von Wil Tourismus. «Es besteht das mulmige Gefühl, dass es sich dabei um Begünstigung handelt.» Sowohl Schär als auch Stadtpräsidentin Susanne Hartmann gehören der CVP an.

 

Schärs Dossier stach heraus

In der Antwort auf eine Interpellation der FDP rechtfertigt der Stadtrat nun den Zuschlag für Schär. Marc Flückiger wollte als Erstunterzeichner wissen, wie der Stellenbesetzungsprozess abgelaufen ist. Beim Beurteilungskriterium «Kenntnisse der Stadt Wil» und «touristisches Herzblut» habe ein Bewerbungsdossier herausgestochen, dasjenige von Schär, schreibt der Stadtrat. «Es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass Schär die Stadt Wil nicht nur wie seine Westentasche kennt, sondern wie kein Zweiter.» Dies habe den Ausschlag gegeben, ihn mit einem Pensum von 50 Prozent als Sachbearbeiter für das Infocenter anzustellen. Dass Schär während vielen Jahren Vorstandsmitglied bei Wil Tourismus und zwei Jahre Präsident ad interim des Vereins gewesen sei, sei allen Beteiligten bewusst gewesen. «Die sachlichen Argumente und die ausgewiesene Qualifikation von Schär haben letztlich überwogen.» Die Stadt bekennt, beim Teilpensum «Schwerpunkt Kenntnisse der Stadt und touristischen Herzblut» ausschliesslich mit Schär ein Bewerbungsgespräch geführt zu haben, da sein Dossier «klar und eindeutig» herausgestochen hat, und auf «Alibi-Bewerbungsgespräche» verzichtet zu haben. Das Unterlassen von «Alibi-Bewerbungsgesprächen» entspreche der gängigen Praxis der Stadt Wil. Als Ergänzung zu Schär wird für das zweite Teilpensum eine Person gesucht, deren Schwerpunkt im organisatorischen und administrativen Bereich liegt. Vier Personen stünden in der engeren Auswahl.

Entscheid durch Personalausschuss

Den Entscheid, Schär anzustellen, habe nach einer Sichtung der Bewerbungsdossiers durch den Kommunikationschef Stefan Hauser der Personalausschuss gefällt. Diesem gehörten an: Stadtpräsidentin Susanne Hartmann, Stadtschreiber-Stellvertreter Samuel Peter und Patrik Seiler, Leiter Personaldienst. Die Anstellung eines Pensionärs steht gemäss der Interpellationsantwort nicht im Widerspruch zum Personalreglement der Stadt Wil. Die Stellenbesetzung dauert auf Schärs Wunsch ein bis drei Jahre. Dass die GPK sich dem Thema annimmt, begrüsst Mirta Sauer. Auch Susanne Hartmann ist einverstanden. Die Stadtpräsidentin entschuldigte sich am Donnerstagabend für Fehler. «Ich habe die Dynamik unterschätzt, welche das Thema angenommen hatte», sagte sie.

Dass kein Dialog mit Wil Tourismus stattgefunden hat, bestritt Susanne Hartmann. Der Austausch sei über die Arbeitsgruppe erfolgt, in der sowohl Wil Tourismus als auch die Stadt einen Vertreter entsandt hätten. Leider sei zu spät realisiert worden, dass der Vertreter von Wil Tourismus in dessen Vorstand den Rückhalt verloren habe. Gemeint ist Schär. Auch die Anti-Stadt-Haltung im Wil-Tourismus-Vorstand sei lange falsch eingeschätzt worden. Auf eine vertiefte Diskussion verzichteten die Parlamentsmitglieder, wobei SP und Grüne Prowil dafür waren, CVP, FDP und SVP aber dagegen.