Streit um die Bäckerei in Tobel

Die Bäckerei Stüssi in Tobel schliesst in zwei Wochen. Stüssis sind ihren Mietverpflichtungen nicht mehr nachgekommen und haben daher die Kündigung erhalten. Wegen der ausstehenden Mieten droht nun auch den Vermietern der Verlust ihrer Liegenschaft und eine Betreibung.

Mario Testa
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TOBEL. Markus und Sandra Fust stehen vor einer ausweglos scheinenden Situation. «Wir konnten der Bank zuletzt die Zinsen für die Hypothek der Bäckerei nicht mehr bezahlen, da uns über 30 000 Franken Miete von unseren Pächtern fehlen. Nun hat uns die Bank die Hypothek gekündigt – und das auf den ungünstigsten Zeitpunkt», sagt Sandra Fust. Bis Ende Monat müssen Fusts ihrer Bank einen neuen Mieter oder einen Käufer für ihre Liegenschaft an der Hauptstrasse 29 präsentieren, ansonsten löst die Bank die Hypothek auf, das Haus wird verpfändet und Fusts werden betrieben.

«Unser Problem ist jetzt, dass wir den jetzigen Pächtern wegen Formfehlern bei der ersten Kündigung im Frühling erst auf Ende September kündigen konnten. Sie verunmöglichen es uns jedoch, Interessenten durch die Liegenschaft zu führen, so dass wir vielleicht noch rechtzeitig einen Nachmieter finden können», sagt Sandra Fust. «Herr Stüssi lässt Besichtigungstermine platzen oder ekelt die Interessenten davon. Mit uns spricht er nicht mehr, und er droht uns sogar. Ich habe Angst.»

Stüssi setzt andere Prioritäten

Mit diesen Vorwürfen konfrontiert, sagt Markus Stüssi. «Es stimmt nicht, dass wir Interessenten abwimmeln. Bei den Terminen muss ich aber Prioritäten setzen – wenn ich einen wichtigen Geschäftstermin habe, dann hat der Vorrang vor einem Besichtigungstermin.» Seit gut eineinhalb Jahren hat er mit seiner Frau Vera die Bäckerei samt Gerätepark sowie die Wohnung im Obergeschoss der Liegenschaft gemietet. Dass er die Miete von rund 6000 Franken im Monat seit Anfang Jahr nicht mehr bezahlt, gibt Markus Stüssi offen zu. «Ein Jahr lang haben wir die Miete bezahlt, aber da das Geschäft einfach noch nicht läuft wie erhofft, musste ich dieses Jahr andere Prioritäten setzen. Ich habe Rechnungen von Lieferanten und Löhne, die ich auch bezahlen muss, das geht nun einfach vor.»

Dass er damit die Familie Fust in eine bedrohliche Finanzlage bringt, beeindruckt Markus Stüssi nicht. «Das haben Fusts verdient, sie waren es doch, die uns mit falschen Zahlen hierhergelockt haben», sagt Stüssi. «Die Umsatzzahlen, die sie uns damals vor dem Unterzeichnen des Pachtvertrags gezeigt haben, können einfach nicht stimmen. Wir machen viel weniger Umsatz, als sie uns damals weismachen wollten. Sie haben uns ein kaputtes Geschäft hinterlassen, und die Probleme müssen wir nun ausbaden. Ob wir die ausstehenden Mieten noch nachzahlen, wird wohl oder übel ein Gericht entscheiden.»

Die Kisten sind gepackt

Im Gang der Bäckerei stapelten sich gestern bereits Kisten. «Ja, wir bereiten uns auf den Auszug vor. Daran führt jetzt kein Weg mehr vorbei», sagt Markus Stüssi. Er will nun in einer kleinen Backstube an einem anderen Standort weiterhin Brote backen, die er mit seiner Frau und einer Lehrtochter im temporären Verkaufswagen beim Gerichtsgebäude in Münchwilen verkauft. «Vorerst ist das die einzige Lösung, die uns bleibt. Wir hoffen aber, dass wir in Münchwilen bald einen richtigen Laden aufmachen können und dann hoffentlich langfristig auch auf einen grünen Zweig kommen.» Der Laden in Eschlikon, den Stüssis erst im Juni eröffnet hatten, ist bereits wieder geschlossen – wegen schlechter Umsätze.

«Wir leben auf dem Minimum»

Für Markus und Sandra Fust kommt der Auszug Stüssis zu spät. «Wir leben seit vielen Monaten auf dem Minimum, sparen, wo wir können, und gönnen uns nichts mehr. Aber trotzdem reichen unsere Löhne nicht, um die hohen Zinsen zu zahlen», sagt Markus Fust. Ihm bleibt einzig die Hoffnung, dass er bis Ende Monat einen Interessenten findet, der die Bäckerei übernimmt und ihnen den Maschinenpark abkauft. «Gelingt uns das, zieht die Bank die Kündigung unserer Hypothek zurück. Wenn nicht, droht uns die Pfändung und eine Betreibung.»

Es gäbe auch Interessenten, aber wegen des Problems mit den vereitelten Besichtigungsterminen schwindet bei Fusts die Hoffnung zusehends. «Wir hätten mehr Kulanz von der Bank erwartet – einen Monat mehr Zeit, und die Chancen stünden gut. Dann wäre die Liegenschaft leer, und wir könnten ungehindert Besichtigungen durchführen.» Fusts Ansprechpartner bei der Bank wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht zum Fall äussern und verwies auf das Bankgeheimnis.