Streit
Die SVP und die Bundesfeiern der Stadt Wil – eine schwierige Beziehung

Obwohl die Coronamassnahmen gelockert wurden, hat die Stadt Wil die 1.-August-Feier abgesagt. Die SVP kritisiert diesen Entscheid. Es ist nicht das erste Mal, dass es zwischen SVP und Stadt bezüglich Durchführung der Bundesfeier zu Differenzen kommt.

Gianni Amstutz
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Eine Bundesfeier auf der Reitwiese wird es in Wil heuer wohl nicht geben.

Eine Bundesfeier auf der Reitwiese wird es in Wil heuer wohl nicht geben.

Bild: Salvatore Di Nolfi / Keystone

Gemeinhin schreibt sich die SVP Patriotismus und Nationalstolz auf die Fahne. Doch die Wiler Bundesfeier und die SVP, das wird wohl nie eine innige Liebesbeziehung werden. 2018 machte die damalige Stadtparlamentarierin und heutige Stadträtin Ursula Egli ihren Unmut kund, dass in der offiziellen Einladung zur Bundesfeier der Text der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) aufgedruckt war. Dieser bildet die Alternative zum von manchen als zu religiös empfundenen Schweizerpsalm.

Der Stadtrat beschwichtigte: Man wolle den SGG-Text nicht dem Schweizerpsalm vorziehen. Vielmehr sollten den Besucherinnen und Besuchern der Wiler Bundesfeier beide Texte zum Mitsingen vorgelegt werden. Damit war das Thema abgehakt.

Absage löst Unverständnis aus

SVP-Stadtparlamentarier Erwin Böhi.

SVP-Stadtparlamentarier Erwin Böhi.

Bild: PD

Doch nun stört sich die SVP wieder an der Durchführung – oder vielmehr an der Nicht-Durchführung – der städtischen Bundesfeier. Die Stadt hat diese nämlich abgesagt. Aufgrund der noch immer anhaltenden Pandemielage könne in diesem Sommer nicht wie üblich gefeiert werden. Die Stadt habe deshalb entschieden, dass die Bundesfeier am 1. August 2021 nicht stattfindet, hiess es in einer Mitteilung.

Das war am 15. Juni. Rund eine Woche später gab der Bundesrat die fast vollständige Lockerung der Coronamassnahmen bekannt. SVP-Stadtparlamentarier Erwin Böhi findet es deshalb «völlig unverständlich, dass der Stadtrat 2021 wiederum auf eine offizielle 1.-August-Feier verzichten will». Böhi schreibt: «Aufgrund der fortschreitenden Normalisierung der Lage wäre dies durchaus möglich.»

Mit Zertifikat problemlos durchführbar

Tatsächlich würden die derzeitigen Massnahmen die Durchführung einer 1.-August-Feier auf der Reitwiese erlauben. Wie Böhi schreibt, sind seit dem 23. Juni im Aussenbereich allgemeine Veranstaltungen von bis zu 1000 Personen erlaubt. Das gilt allerdings nur für Veranstaltungen mit Sitzplatzpflicht. Sonst ist die Zahl auf 500 Personen begrenzt.

Mit Covid-Zertifikat und einer Bewilligung des Kantons wären sogar Veranstaltungen ohne Beschränkungen möglich. Es ist allerdings mehr als fraglich, ob die Stadt als öffentliches Organ einen Anlass organisiert, der Geimpften, Genesen und Getesteten vorbehalten bleibt. Die Kritik – wohl nicht zuletzt vonseiten der SVP – wäre dem Stadtrat sicher.

Kommt die Stadt auf ihren Entscheid zurück?

Böhi hofft, dass die Stadt Wil auf ihren Entscheid zurückkommt und doch noch eine Bundesfeier durchführt. Wie die Bundesfeiern vor 2020 jeweils gezeigt hätten, bestehe bei der Bevölkerung ein grosses Interesse an einem zeitgemässen und vielfältigen Bundesfeierprogramm. Doch Böhi geht es auch um ein Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, das die Stadt mit der Durchführung setzen könnte.

«Der 1. August wäre eine ausgezeichnete Möglichkeit, um das Gemeinschaftsgefühl zu pflegen.»

Gut möglich, dass Böhis Wunsch in Erfüllung geht und in irgendeiner Form doch noch eine öffentliche Bundesfeier in Wil stattfindet. Bereits bei der Ankündigung der Absage machte der Stadtrat nämlich deutlich, dass –sofern realisierbar – eine andere Aktion stattfinden soll. Mit den Lockerungen wäre diese Möglichkeit auf jeden Fall gegeben. Die Abklärungen dazu liefen allerdings noch, sagt Philipp Gemperle, Kommunikationsverantwortlicher der Stadt.

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