STREIT: Auch noch vor Gericht

Was für eine Woche beim FC Wil: Zum einen sind die Januarlöhne nicht pünktlich bezahlt worden. Zum anderen wurde der Verein von einem eigenen Spieler vor Gericht gezerrt. Nun wird ein Vergleich angestrebt.

Simon Dudle
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Etienne Scholz liegt mit seinem Arbeitgeber im Clinch. (Bild: PD)

Etienne Scholz liegt mit seinem Arbeitgeber im Clinch. (Bild: PD)

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Als wäre es nicht schon genug, dass die Januarlöhne beim FC Wil nicht pünktlich eingetroffen sind (siehe Artikel auf Seite 17), droht dem Äbtestädter Fussballclub nun auch auf juristischem Weg Ungemach. Ein eigener Spieler zerrte seinen Arbeitgeber vor Gericht.

Es geht um den 23-jährigen Etienne Scholz, der eine Vergangenheit in der Juniorenabteilung des FC Bayern München hat. Im März 2015 wechselte er noch vor den türkischen Investoren zum FC Wil. Dort gehörte er zuerst der ersten Mannschaft an. Vergangene Saison kam Scholz aber nur noch zu drei Teileinsätzen in der Challenge League und wurde später in die zweite Mannschaft zurückgestuft.

Der defensive Mittelfeldspieler muss sich seither in der 2. Liga inter fit halten. Das ist auch heute wieder so, nachdem er sich zwischenzeitlich bei der zweiten Mannschaft des FC St. Gallen in der Promotion League versuchte.

Urteil ist noch nicht gesprochen

Doch an den unterklassigen Ligen scheint Scholz keinen Gefallen zu finden und setzt sich zur Wehr. Wie der «Blick» im Dezember vermeldete, macht der Spieler einen speziellen Passus im Schweizer Arbeitsrecht geltend: «Eine Beschäftigungspflicht besteht einzig bei besonderen Berufsgruppen, bei welchen die Beschäftigung auch dem Erhalt der Berufsfähigkeit dient (z. B. Künstler, Berufssportler, Chirurgen, Piloten), weil hier eine Nichtbeschäftigung zur Beeinträchtigung des wirtschaftlichen Fortkommens führen kann.» Das heisst konkret: Scholz möchte im Fanionteam des FC Wil trainieren, um auf seine sportliche Leistung aufmerksam machen zu können. Die fünfthöchste Liga des Landes sei dafür nicht gut genug.

Am Montag fand nun am Bezirksgericht Wil in Flawil die Verhandlung statt, welche laut Angaben des Gerichts rund vier Stunden dauerte. Noch ist kein Urteil gesprochen. Gerichtsschreiber Stefan Schärli bestätigt aber, dass Vergleichsverhandlungen laufen. Weitere Informationen, auch zum Verlauf der Gerichtsverhandlung, machte Schärli nicht.

Auch seitens des FC Wil sind keine weiteren Infos in Erfahrung zu bringen. Mediensprecher Patrick Bitzer verweist darauf, dass sich der Verein zu diesem laufenden Verfahren nicht äussere.

Erinnerungen an den «Fall Salatic»

Der Fall erinnert an einen ähnlichen aus dem Jahr 2014. Der damalige Captain der Zürcher Grasshoppers, Veroljub Salatic, wollte sich ebenfalls vor Bezirksgericht erstreiten, wieder in der ersten Mannschaft der Zürcher trainieren zu können. Von Trainer Michael Skibbe war er nach einem Zerwürfnis in die zweite Equipe degradiert worden. Und siehe da: Der Spieler bekam vor Gericht recht und er durfte wieder mit dem Fanionteam trainieren. Die Grasshoppers erhoben zwar Einspruch gegen das Gerichtsurteil, um diese superprovisorische Lösung anzufechten, blitzten aber ab. Einige Monate später wechselte der Mittelfeldspieler ins Wallis zum FC Sion, wo er noch heute aktiv ist.

Im Gegensatz zum Fall Salatic ist bei Etienne Scholz das letzte Wort aber noch nicht gesprochen. Fortsetzung folgt.