Dorfkorporation Niederwil: Vorstand prüft Übertragung der Aufgaben an die Gemeinde

Die Dorfkorporation Niederwil könnte bald Geschichte sein. Im März entscheidet die Bürgerversammlung.

Andrea Häusler
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Die aufgeklebten Punkte zeigen anschaulich, wie einig sich die Anwesenden im Entscheid über die Strategie waren, welche vom Vorstand weiter verfolgt werden soll. (Bild: Andrea Häusler)

Die aufgeklebten Punkte zeigen anschaulich, wie einig sich die Anwesenden im Entscheid über die Strategie waren, welche vom Vorstand weiter verfolgt werden soll. (Bild: Andrea Häusler)

Kleineren Dorfkorporationen stehen schwierige Zeiten bevor. Als öffentlich-rechtliche Körperschaften gelten auch für sie die Vorschriften des neuen Rechnungslegungsmodells der Gemeinden. Diese verursachen Mehraufwände und Kosten. Geld, das in der Regel knapp ist, zumal Korporationen keine Steuern erheben können.

Wie weiter? Diese Frage war an der Bürgerversammlung der Dorfkorporation Niederwil im Frühjahr gestellt worden. Denn seit der Ausgliederung des Bereichs Wasserversorgung im Januar 2017 beschränkt sich deren Funktion auf die Durchführung dörflicher Anlässe. Der Vorstand hat nach Antworten gesucht und – über den Erhalt des Status quo hinaus – alternative Zukunftsszenarien erarbeitet: Die Überführung in einen neuen Verein mit oder ohne Leistungsauftrag der Gemeinde, die Integration in einen bestehenden Verein oder die Übertragung der Aufgaben an die Kulturkommission der Gemeinde Oberbüren. Die Varianten wurden am Montag vorgestellt mit dem Ziel, die Stimmung in der Bevölkerung abzuholen, wie Präsident Peter Bruhin sagte. Entschieden wird an der Bürgerversammlung vom 17. März.

Ein «überdimensioniertes Gefäss»

«Alle hier im Saal – es waren knapp 30 Personen anwesend – sind mit dem Vorstand verbandelt oder aus Respekt vor dessen Arbeit hier: Das zeigt, wie wichtig dem Dorf die Korporation ist», sprach ein Votant aus, was mutmasslich eine Mehrheit dachte. Denn der Tenor war einheitlich: Eine eigene Organisation für die Durchführung von vereinsunabhängigen Dorfanlässen ist nicht nur schwer zu finanzieren und personell zu besetzen, sondern ein «überdimensioniertes Gefäss», wie es hiess. Um die fünf Anlässe bot die Dorfkorporation in den vergangenen Jahren jeweils an: den Waldanlass, die «Tour de Niederwil» oder das Eiertütschen. Ausserdem trat sie als Organisatorin von Bundesfeiern und Adventskonzerten auf. Veranstaltungen, die sich auch auf die Dörfer Oberbüren und Sonnental ausdehnen liessen, wenn ein übergeordnetes Gremium, wie etwa die Kulturkommission der Gemeinde, die Federführung übernähme.

Zu dieser Lösung tendierten schliesslich alle Redner. Die Zeiten hätten sich geändert, hiess es unter anderem. Das Verhältnis unter den Dörfern sei heute entspannt. Und die «Wahrung der dörflichen Interessen» sei ohnehin abhängig von Personen, die sich engagierten – wo in der Gemeinde auch immer.

Kapazitäten sind vorhanden

Wichtig ist und bleibt den Niederwilern allerdings, dass ihr Dorf weiterhin wahrgenommen wird. In der Kulturkommission der Gemeinde sitzen drei Vertreter aus Niederwil. Weitere drei Personen repräsentieren Oberbüren. Sonnental, dessen Dorfkorporation mit ähnlichen Problemen kämpft, ist mit einer Person vertreten: Gemeinderätin Yvonne Keller. Diese sagte: «Wir bemühen uns, Anlässe turnusgemäss in den drei Dörfern durchzuführen, sind aber auch auf Ideen angewiesen.»

Gemeindepräsident Alexander Bommeli versicherte, dass in der Kulturkommission die Kapazitäten vorhanden seien. Und er machte klar: «Die gemeinsamen Empfänge von Sportlern oder Musikvereinen zeigen, wie erfolgreich dorfübergreifende Anlässe sein können. Wir haben auch Interesse daran, Veranstaltungen, die in Niederwil funktionieren, zu übernehmen.»

Wald und eine Feuerstelle

Die favorisierte Variante, die Übernahme der Korporationsaufgaben durch die Kulturkommission, wird nun weiterverfolgt. Was bei einem Ja am 17. März mit dem Korporationsvermögen passiert, ist abzuklären. Nebst Wald und einer Feuerstelle sind gebundene Rückstellungen von 30000 Franken (Wald) sowie gut 20000 Franken an flüssigen Mitteln vorhanden.