Strassenlaterne als Stein des Anstosses

«Energielabel – eine Option?», Wiler Zeitung vom 21. August

Merken
Drucken
Teilen

«Energielabel – eine Option?», Wiler Zeitung vom 21. August

Für die Energiepolitik der Gemeinde Zuzwil scheint mir vor allem das Fragezeichen angemessen. Der Gemeinderat hat sich trotz seiner vielen anderen Prioritäten doch mehrfach mit einer Energiefrage auseinandergesetzt: nämlich auf der Ebene der Strassenbeleuchtung. Ich hatte für das Lentergebiet in Zuzwil ein «Begehren zur Reduktion der Lichtemissionen und des Stromverbrauchs» eingereicht. Im ersten Anlauf und auch bei der Wiedererwägung wurde es abgewiesen. Für ein solches Begehren sei ein Quorum von 5% aller Stimmberechtigten notwendig. Unterschrieben hatten nur etwa 5% der Anwohner des Lentergebiets. Ich frage mich: Müssen oder können oder dürfen alle Stimmberechtigten der Gemeinde über ein solch ein sensibles, lokales Anliegen entscheiden? Es handelt sich um kurze Sackgassen ohne Durchgangsverkehr. Die EW-Kommission beantragte dem Gemeinderat, das Begehren abzulehnen. Fraglich ist, wie unabhängig diese Kommission ist. Hat vielleicht der Vertreter eines Unternehmens darin Einsitz, das an den Lampen verdient? Als Grund für die Ablehnung wird im weiteren angegeben, dass die Strassenbeleuchtung Teil eines öffentlich aufgelegten, rechtskräftigen Projekts sei, das nicht einfach abgeändert werden könne. In dieser Beziehung hatte der Bauverwalter allerdings von Anfang an keine Bedenken und änderte das Projekt immer wieder mal, allerdings nach seinen Vorstellungen und zum Nachteil der Anwohner. In der üppig bestückten Reihe von Strassenlaternen in der Lenterstrasse möchten er und der Gemeinderat nicht eine missen. Dafür wird in Kauf genommen, dass die Anwohner teure Verlegungsgräben zahlen müssen, weil die Laterne in ihrer Garagenausfahrt steht, oder dass sie in ihrer nächtlichen Wohnqualität beeinträchtigt werden aufgrund völlig ungeeigneter Leuchten, die ihr Licht rundum streuen. Der Stromverbrauch war bis jetzt kein Thema für den Gemeinderat. Die Kosten werden ja auf alle Einwohner verteilt. Allerdings würde dies dafür sprechen, der «Energiestadt Zuzwil» höhere Priorität einzuräumen. Energielabel für Zuzwil – eine Option? Vielleicht wagt es der Gemeinderat doch bald, aus eigenen Überlegungen den Stromverbrauch «step by step» zu reduzieren und z. B. jede zweite Strassenlampe in der Lenterstrasse versuchsweise abzuschalten, um von den Anwohnern selber entscheiden zu lassen, ob sie mit weniger Strassenbeleuchtung auskommen.

Urte Furrer

Leubergstrasse 13, 9524 Zuzwil