Strassen sollen stets schwarz sein

FLAWIL. Der Unterhaltsdienst der Gemeinde Flawil befindet sich mitten in der Hochsaison. Das Team um Ernst Anderegg hat den Schnee zwar im Griff – aber was zuweilen anstrengend sein kann, ist die immer höhere Erwartungshaltung der Einwohner.

Mario Fuchs
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Dieser Tage fast ununterbrochen unterwegs: Die Pfadschlitten des Unterhaltsdienstes auf den Flawiler Strassen, wie hier am Botsberg. (Bild: mf.)

Dieser Tage fast ununterbrochen unterwegs: Die Pfadschlitten des Unterhaltsdienstes auf den Flawiler Strassen, wie hier am Botsberg. (Bild: mf.)

166 Zentimeter: So viel Schnee fiel im Mittelland in diesem Winter, wie MeteoSchweiz am Dienstag berichtete. Mehr Schnee fiel – das zeigen die Messwerte aus St. Gallen – hierzulande zuletzt im Winter 1970. Seit Beginn der Klimaerwärmung hat Frau Holle demnach auch über Flawil ihre Kissen nicht mehr besser ausgeschüttelt. Und: Die 166 Zentimeter sind umso beeindruckender, weil der Winter 2012/13 noch nicht abgeschlossen ist.

16 gleichzeitig im Einsatz

Die weisse Pracht ist aber nicht für alle eine Pracht. Für Ernst Anderegg, Stellenleiter Strassen beim Unterhaltsdienst der Gemeinde Flawil, bedeutet sie seit zehn Tagen fast ununterbrochene Arbeit. In einer Nacht, in der viel Neuschnee fällt, sind bis zu 16 Personen gleichzeitig im Einsatz, um die Strassen Flawils zu räumen. Die Equipe des Werkhofs reicht dann nicht mehr aus: «Dann können wir auf die Dienste von Externen wie Bauern oder Transportunternehmen zählen», erklärt Ernst Anderegg. Nur: Sogar das ist manchem Einwohner noch zu wenig.

Ungeduldige Anrufer

«Die Ansprüche sind in den vergangenen Jahren gestiegen», stellt Ernst Anderegg fest. Viele Verkehrsteilnehmer erwarteten heute – «egal, wie viel Schnee auf einmal gefallen ist» – zu jeder Stunde schwarze Strassen. Gleichzeitig behinderten sie die Arbeit des Winterdienstes: Sie lassen ihre Autos über Nacht an der Strasse stehen – auch dort, wo keine Parkplätze eingezeichnet sind. Der Pfadschlitten muss ausweichen. «Oder wir erleben, dass jemand seinen Privatplatz räumt, den Schnee in die soeben gepfadete Strasse wirft und erwartet, dass wir nochmals extra durchfahren», erzählt Anderegg. Andere Dorfbewohner rufen im Werkhof an und verlangen sofortiges Ausrücken, weil sie «ihre» Strasse nicht hinaufkommen. Das zerrt an den Nerven des Unterhaltsdiensts, für den der viele Schnee alleine schon genug wäre.

Pfadschlitten den Vortritt lassen

Ist Ernst Anderegg im Pfadschlitten unterwegs, muss er sich so einiges anhören. «Ich kann zum Glück auf erfahrene Leute zählen. Sie wissen, wie man damit umgeht und bleiben selbst immer anständig», sagt Anderegg. Immerhin: Zwischendurch werde dem einen oder anderen Kollegen für den Einsatz gedankt.

Wer den Mitarbeitern des Werkhofs die Arbeit erleichtern will, der parkt sein Auto nicht über Nacht an der Strasse. Was den Winterdienst ebenfalls freut: «Wenn wir mal reingelassen werden.» Damit meint Ernst Anderegg keine Einladung zum Kaffee, sondern etwas guter Wille der Autofahrer, wenn der Pfadschlitten links abbiegen oder von einer Neben- in eine Hauptstrasse einbiegen muss.