STIMMUNGSVOLL: Kaffee zu Kaffeehausliteratur

Eine zum Schmunzeln, Lachen und Reflektieren verleitende Lesung bot Gerhard Kasper am Mittwoch im «Hof zu Wil» unter dem Titel «Kaffeehausliteratur und andere Kurzprosa».

Joel Räbsamen
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Der östliche Dorfeingang von Gähwil wird sich stark verändern. (Bild: Joel Räbsamen)

Der östliche Dorfeingang von Gähwil wird sich stark verändern. (Bild: Joel Räbsamen)

Joel Räbsamen

joel.raebsamen@wilerzeitung.ch

Eine stimmige Szene bietet sich beim Betreten des durch die hohen Fenster mit Licht durchfluteten Raumes im zweiten Stock des «Hofs zu Wil». Ein knappes Duzend Literaturinteressierte sitzen in einem Semizirkel. Alle Stühle sind auf einen Punkt ausgerichtet: einen weiteren Stuhl in einer Ecke. Selber Stuhl steht vor einem Fenster, welches über dem Wiler Weiher thront, Gebrauch von beschriebener Sitzmöglichkeit macht Gerhard Kasper.

Humorvolle Sozialstudien und Gelegenheitsliteratur

In einer weiteren Auflage der Lesung aus der Wiener Kaffeehausliteratur der Volkshochschule Wil liest Gerhard Kasper Texte aus der Kaffeehausliteratur-Zeit und andere, teils skurrile Kurzprosa. Es handelt sich um Extrakte, welche mit viel Humor oft auf altbekannten, ja alltäglichen Grundthemen aufbauen, diese ausschmücken und so dem Leser, oder in diesem Fall dem Zuhörer, die Möglichkeit bieten, mit etwas Distanz über Besagtes zu reflektieren.

Nach einer guten halben Stunde ist eine fünfminütige Pause mit Kaffee und Gipfeli eingeschoben. Die Hörerschaft ist auch sogleich in Gespräche untereinander vertieft, sei es zu einem der Themen in den soeben vernommenen Texten oder zur Expertise des Vorlesenden. Fest steht, dass, wie es bei den Literaten in den Wiener Kaffeehäusern der Fall war, auch hier ein soziales Umfeld von Gleichgesinnten zu interessanten und fülligen Dialogen anregt. Nach der kurzweiligen Unterbrechung fährt Gerhard Kasper mit selbem Modus operandi fort. Die Texte sind zusehends mehr von Humor geprägt und verleiten zum häufigen Schmunzeln und zum gelegentlichen Ensemble von Lachern.

Den Abschluss macht mit «Der Floh» ein Text von Kurt Tucholsky. Ein kurzer, aber äusserst lesenswerter Auszug aus der deutschen Wochenzeitschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft «Die Weltbühne» aus dem Jahr 1932.