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Stiftungsrat und Schulleitung kämpfen mit Modell B+ um Fortbestand des Kathi in Wil

Die Stiftung Schule St. Katharina schlägt vor, dass künftig alle Oberstufenschülerinnen und -schüler frei wählen können, ob sie geschlechtergetrennt oder geschlechtergemischt beschult werden möchten. Gestern stellte die Stiftung ihr Modell B+ vor.
Hans Suter
Schulleiterin Corinne Alder und Stiftungsratspräsident Armin Eugster kämpfen um den Fortbestand des Kathi. (Bild: Hans Suter)

Schulleiterin Corinne Alder und Stiftungsratspräsident Armin Eugster kämpfen um den Fortbestand des Kathi. (Bild: Hans Suter)

In der Stadt Wil gibt es seit mehr als 200 Jahren die Mädchenschule St. Katharina, im Volksmund Kathi genannt. Zu den Glanzzeiten des Dominikanerinnenklosters St. Katharina wurden hier Mädchen von der Primarschule bis zum Ende der obligatorischen Schulzeit unterrichtet. Seit einigen Jahrzehnten konzentriert sich das Kathi auf die Mädchensekundarschule. Die Klosterfrauen haben sich aus Altersgründen aus der Schule zurückgezogen und die strategische Führung an die Stiftung Schule St. Katharina delegiert. Von aussen nicht zu erkennen ist, wie viel politischen und auch juristischen Zündstoff diese Schule birgt.

Stadtrat möchte das Kathi nicht mehr

Denn das Kathi ist im Gegensatz zur geschlechtergemischten (koedukativen) öffentlichen Oberstufe eine geschlechtergetrennte (seedukative) Schule. Und die beschult nur noch Sekundarmädchen. Das ist seit Jahrzehnten ein Politikum in der Stadt Wil. Die einen schwören auf den pädagogischen Mehrwert, die anderen sehen darin eine Benachteiligung der Knaben und einen alten Zopf.

Nun ist das Kathi wieder auf dem politischen Parkett. Im Rahmen des Projekts «Schule 2020» nimmt der Stadtrat die dringliche Schulraumplanung in Angriff, dessen Umsetzung bis 2030 Investitionen von rund 150 Millionen Franken erfordern wird. Dabei hat der Stadtrat mit 4:1 den Grundsatzentscheid gefällt, ab 2024 ohne das Kathi zu planen. Beim Kathi ist man enttäuscht über den Antrag des Stadtrats und lanciert nun einen Gegenvorschlag mit Mädchen- und Bubenschule. Gestern stellten Schulleiterin Corinne Alder und Stiftungsratspräsident Armin Eugster an einer Medienkonferenz das Modell B+ vor.

Kathi will 120 statt nur 60 Knaben beschulen

«Das Kathi will zusammen mit der Stadt ein Modell entwickeln, welches einen entscheidenden Beitrag für einen vielfältigen und zeitgemässen Bildungsplatz Wil leistet», sagte Armin Eugster. Das Kathi bekenne sich zum vollen Bildungsauftrag gemäss Volksschulgesetz und wolle diesen – für sämtliche Schülerinnen und Schüler auf freiwilliger Basis – geschlechterspezifisch verwirklichen. «Wir unterstehen dem St. Galler Lehrplan und halten uns an alle Reglemente», ergänzte Schulleiterin Corinne Alder.

Im Gegensatz zum vom Stadtrat favorisierten Modell D, das künftig die drei Oberstufen Lindenhof, Sonnenhof und Bronschhofen mit je zirka 240 Schülerinnen und Schülern, aber ohne Kathi vorsehe, biete das Kathi mit geschlechtergetrennten Knaben- und Mädchenschulen für Sek und Real eine echte Vielfalt. «Wir sehen uns nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung», betont Armin Eugster. Das vom Stadtrat verworfene Modell B sah genau dies vor, doch sei man sich bei den Schülerzahlen nicht einig geworden. Beim Modell B gäbe es je 270 Schülerinnen und Schüler an den Oberstufen Lindenhof und Bronschhofen (der «Sonnenhof» würde zum Primarschulhaus) sowie 120 Mädchen und 60 Knaben an den geschlechtergetrennten Schulen des Kathi (Sek und Real). Das gestern vorgestellte Modell B+ unterscheidet sich nur in einem Punkt: 120 statt 60 Knaben. Armin Eugster wie Corinne Alder räumten ein, dass man zwar die Nachfrage der Mädchen gut kenne, jene der Knaben hingegen nicht. Es wäre in ihren Augen aber schade, wenn man den Versuch nicht wagen würde. Ein Zwang zum Besuch des Kathi sei indes ausgeschlossen. «An diese Schule kommt nur, wer diese Schule bewusst wählt», betonte Schulleiterin Corinne Alder.

Seedukative Beschulung soll in Wil erhalten werden

Dass Knaben- und Mädchenschulen im Trend lägen, würden umliegende Schulen in St. Gallen und Gossau beweisen. Auch dort werde erfolgreich getrennt unterrichtet, «sehr zum Wohl der Schülerinnen und Schüler und zur Freude der Eltern». Was in St. Gallen und in Gossau Bestand habe, soll nach Überzeugung des Stiftungsrates St. Katharina auch in Wil weiterhin möglich sein. «Wir setzen uns dafür ein, dass das Kathi nach 200-jährigem erfolgreichen Bestehen auch in Zukunft zu einem vielfältigen Bildungsplatz Wil gehört», sagte Armin Eugster. Die Stadt Wil bekäme somit nebst der Mädchen- auch eine Knabenschule. Damit würden Chancengerechtigkeit und Wahlfreiheit für Schülerinnen und Schüler möglich. Das heutige Kathi baut auf den vier Grundprinzipien Werte-, Leistungs-, Musik- und Tagesschule auf.Der Stiftungsrat werde sich im Parlament für das Modell B+ engagieren, sagte Eugster.

Die politische Debatte

Die Botschaft mit dem Antrag des Stadtrats, die Oberstufe ab dem Jahr 2024 ohne das Kathi zu planen, befindet sich in der Vernehmlassung bei den Parteien. Der Stadtrat argumentiert unter anderem, geschlechtergetrennte Schulen hätten keinen pädagogischen Mehrwert und würden die Schulraumplanung komplizieren. Dagegen regt sich Widerstand. 2019 wird sich das Parlament mit der Vorlage befassen. Es ist anzunehmen, dass es zu einer Volksabstimmung kommen wird. (hs)

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