Stiftung zahlt zum Geburtstag

Die Stiftung der Ersparnisanstalt Degersheim wird 100 Jahre alt. Deren Ziel ist es, mit den Erträgen aus dem Vermögen von 500 000 Franken gemeinnützige Zwecke zu unterstützen. Das Jubiläumsgeschenk: ein sanierter Grillplatz.

Andrea Häusler
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Legende (Bild:)

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DEGERSHEIM. Grossprojekte lassen sich mit den Erträgen des Stiftungsvermögens von einer halben Million Franken nicht finanzieren. Das gegenwärtige Niederzinsniveau und die Tatsache, dass Stiftungsgelder mündelsicher angelegt werden, lassen die Renditen schrumpfen. Das weiss auch Stiftungsratspräsidentin Monika Scherrer. Bei null stehe man aber nicht, sagt die Gemeindepräsidentin. «Seit letztem Jahr verfügen wir wieder über Erträge, die wir ausschütten dürfen.» Deren Höhe mag sie nicht beziffern, spricht von einigen tausend Franken. Gleichzeitig relativiert sie: «Vielen Vereinen oder Institutionen ist bereits mit wenigen hundert Franken geholfen.» Und vergessen ist die Stiftung keineswegs: «Wir haben jedes Jahr fünf bis sechs Anfragen um Unterstützung.»

102 Jahre SKB Degersheim

Die Stiftung geht auf die Ersparnisanstalt Degersheim zurück, die 1867, in der Blütezeit der Stickereiindustrie, gegründet wurde. 1908 erfolgte der Bau des heutigen Gemeindehauses als Bank- und Postgebäude. Nach 46jährigem Bestand ging die Ersparnisanstalt 1913 an die St. Gallische Kantonalbank über, die sich zur Weiterführung einer Filiale in Degersheim verpflichtete. Die Niederlassung Degersheim der heutigen St. Galler Kantonalbank konnte also 2013 auf ihr 100jähriges Bestehen zurückblicken.

Verkauf des Gemeindehauses

Das Gemeindehaus Degersheim blieb bis Ende 1995 im Eigentum der Stiftung. Bis 1971 war das Postamt Degersheim im Parterre eingemietet. Die Gemeindeverwaltung hatte den ersten Stock, ab 1973 auch die ersten drei Stockwerke zur Verfügung. Ende Dezember 1995 beschloss der Stiftungsrat, das Gemeindehaus der Politischen Gemeinde zu verkaufen.

Die Stiftung, mitten in den Wirren des Ersten Weltkrieges geschaffen, ist ein Beweis des Weitblickes der damaligen Zeit. Obwohl die Stiftung als gemeinnützige Institution Steuerfreiheit genoss, hat sie zur Zeit der Wirtschaftskrise ihr Vermögen freiwillig der Steuerpflicht unterstellt und bis 1962 rund 64 000 Franken an Steuern bezahlt. Während Jahren konnten auch Beiträge an die Sekundar- und Kochschule ausgerichtet und freiwillige Vergabungen an gemeinnützige und caritative Institutionen sowie Vereine geleistet werden. Nicht zu vergessen sind ausserordentliche Beiträge, die an die seinerzeitige Turnhalle Steinegg, an die Beleuchtungsanlage der Turnhalle Steinegg und an die Schwimm- und Sportanlage ausgeschüttet wurden. Und auch die WC-Anlage auf dem Dorfplatz wurde durch die Stiftung finanziert.

«Krone» als starke Belastung

1962 wollte der Eigentümer das Gasthaus Krone verkaufen. Dessen zentrale Lage führte dazu, dass die Stiftung der Ersparnisanstalt die Liegenschaft erwarb, um damit die künftige Überbauung des Dorfkerns zu sichern. Der Kauf war für die Stiftung eine starke Belastung. 1982 konnte die «Krone» für die Überbauung weiterverkauft werden. In der Stiftungsurkunde ist ausdrücklich festgehalten, dass der Ertrag des Stiftungsvermögens nur zu gemeinnützigen Zwecken in der Gemeinde Degersheim verwendet und das Vermögen nicht angegriffen werden darf. Bis 1977 bestand der Stiftungsrat aus 17 Mitgliedern, dann – durch die Zusammenlegung der Schulträger zur Schulgemeinde – aus 15. Seit der Gründung der Einheitsgemeinde haben sieben Personen im Stiftungsrat Einsitz.

Mit Unterstützung der Stiftung in Stand gestellt: Der Grillplatz im Föhrenwäldli, der im August eingeweiht wird. (Bild: Andrea Häusler)

Mit Unterstützung der Stiftung in Stand gestellt: Der Grillplatz im Föhrenwäldli, der im August eingeweiht wird. (Bild: Andrea Häusler)

Bis 1995 war das Gemeindehaus – 1908 als Post- und Bankgebäude erstellt – im Besitz der Stiftung der Ersparnisanstalt Degersheim. (Bild: pd)

Bis 1995 war das Gemeindehaus – 1908 als Post- und Bankgebäude erstellt – im Besitz der Stiftung der Ersparnisanstalt Degersheim. (Bild: pd)