Steinmetzmeister scharriert am schönsten

Das 1. Flawiler Scharrierfest im Grotto Glatto am Donnerstagabend fand am wohl letzten lauen Sommerabend der Saison statt. Den Wettbewerb im Scharrieren gewann ein St. Galler Steinmetzmeister.

Michael Hug
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Am 1. Flawiler Scharrierfest nahmen viele junge Steinmetze teil. (Bild: mhu.)

Am 1. Flawiler Scharrierfest nahmen viele junge Steinmetze teil. (Bild: mhu.)

FLAWIL. Köche kennen ihn, Grilleure ebenso, Zimmerleute auch – einen Berufswettbewerb. Aber bis vor kurzem ist noch niemand auf die Idee gekommen, unter den Steinmetzen einen «Besten» zu erküren. In der Planungsphase für das «Grotto Glatto – zum staubigen Hund» in der Glatthalde hatten Roland Stiefel und ein Steinmetzkollege die Inspiration für einen Wettkampf der «Scharrierer».

Natursteinoberfläche bearbeiten

«Scharrieren ist die Technik zur strukturierten Bearbeitung einer Natursteinoberfläche», erklärte Stiefel. Das Fachlexikon ergänzt: «Das Scharrieren erfordert eine perfekte Werkzeugführung, die eine lange Übung voraussetzt. Die Hiebe werden parallel angesetzt und müssen mit nahezu identischem Kraftaufwand unter Zuhilfenahme eines Knüpfels geschlagen werden.» Wie fast alles bei der Natursteinbearbeitung erfordert auch das Scharrieren Kraft, Präzision und Ausdauer. Von den 19 teilnehmenden Steinmetzen und der einzigen Steinmetzin durfte am 1. Flawiler Scharrierfest eine staub- und splitterstiebende Demonstration ihres Handwerks erwartet werden.

Mehr Fest als Wettbewerb

Für den Wettkampf, der gemäss Stiefel vielmehr ein Fest statt eines Kampfs sein sollte, waren Sandsteinplatten von einem Viertel Quadratmeter Fläche vorbereitet worden. Jeder Teilnehmende hatte 50 Zentimeter Seitenlänge zu scharrieren. Angetreten wurde zu zweit, Kriterien für die bessere Leistung waren Zeit und Qualität, beurteilt wurde beides von einer dreiköpfigen Jury. Es zeigte sich, dass jeder Scharrierer und die Scharriererin ihre eigene Technik ausspielten. Der eine machte es mit viel Energie, der andere mit Präzision. Das Resultat war entsprechend unterschiedlich.

Gelernt ist gelernt

Im Cupsystem reduzierte sich die Zahl der Teilnehmenden schnell, und die Favoriten schälten sich heraus. Den Sieg holte sich schliesslich einer, der seine Arbeitszeit vorwiegend im Büro verbringt. Der St. Galler Steinmetz mit Meisterprüfung Wolfgang Berlinger arbeitet schon seit geraumer Zeit nicht mehr auf seinem erlernten Beruf: «Ich bin recht erstaunt, dass ich das gewonnen habe, aber gelernt ist gelernt!» Er habe früher kilometerweise scharriert, lacht Berlinger, heute sei er als Bauführer tätig und sei von seiner Frau zur Teilnahme überredet worden. Auch der Flawiler Bildhauer Wolfgang Steiger nahm am Wettbewerb teil: «Ein neues Gefühl, auf Zeit zu arbeiten, und dazu noch eine schöne Struktur zu scharrieren.»

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