Steiniger Weg bis zur Flaniermeile

Wenn heute noch ein Auto durch die Obere Bahnhofstrasse fährt, dann nur mit Sondergenehmigung. Vor 15 Jahren wurde aus der Verkehrsachse zwischen Schwanenkreisel und Altstadt eine Fussgängerzone. Nicht ohne Widerstand.

Ursula Ammann
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Einkaufen und flanieren: Die Fussgängerzone der Oberen Bahnhofstrasse ist aus dem Wiler Stadtzentrum nicht mehr wegzudenken. Bis ins Jahr 2000 fuhren hier noch Autos auf und ab. (Bild: Ursula Ammann)

Einkaufen und flanieren: Die Fussgängerzone der Oberen Bahnhofstrasse ist aus dem Wiler Stadtzentrum nicht mehr wegzudenken. Bis ins Jahr 2000 fuhren hier noch Autos auf und ab. (Bild: Ursula Ammann)

WIL. Pünktlich auf den Weihnachtseinkauf wurde sie fertig: die Fussgängerzone Obere Bahnhofstrasse. Das war vor 15 Jahren, im November 2000. Nach nur acht Monaten Bauzeit fand die Einweihungsfeier statt. Am Sonntag darauf strömte das Volk auf die 338 Meter lange Meile, um einzukaufen. Akrobaten und Musiker belebten den Strassenzug. So berichtete es die Wiler Zeitung.

Lange Diskussionen

«Wenn ich heute durch die Fussgängerzone der Oberen Bahnhofstrasse gehe, empfinde ich diese noch immer als sehr grosse Aufwertung für die Stadt», sagt Werner Oertle. Als ehemaliger Wiler Stadtrat mit Ressort Bau und Verkehr war er an der Realisierung dieses Projekts massgeblich beteiligt. Es sei eine langwierige Geschichte gewesen, erinnert sich Oertle. «Zuerst galt es, die Anstösser davon zu überzeugen, dass die Fussgängerzone kein Verlust ist, sondern eine Bereicherung.» Als dieses Ziel erreicht war, sei der politische Kampf losgegangen. Im Parlament und auch in der Bevölkerung sorgte das Vorhaben für intensive Diskussionen. Die Gegner argumentierten, den Ladenbesitzern würden Umsatzeinbussen drohen, weil Parkplätze verschwinden. Auch der Belag aus Granitplatten – das Siegerprojekt im Gestaltungswettbewerb sah einen solchen vor – gab zu reden. «Vergoldung» sei in diesem Zusammenhang zum Schlagwort der gegnerischen Seite verkommen, so Oertle.

Knappes Abstimmungsresultat

Bei einer Abstimmung im Juni 1998 genehmigten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger schliesslich einen Nettobaukredit von 4,63 Millionen Franken für die Realisierung der Fussgängerzone. Das Resultat war äusserst knapp. Im nachhinein sei er oft angesprochen worden, erzählt Werner Oertle. «Einige Gegner sagten mir, sie hätten ein Ja in die Urne gelegt, wenn sie gewusst hätten, wie schön die Fussgängerzone wird.

Ein Ort für Events

«Heute wäre die Strasse mit Autos nicht mehr vorstellbar», sagt Jürg Wipf von der IG Obere Bahnhofstrasse IGOB, die neu unter dem Namen «Wil-Shopping» auftritt. Die Fussgängerzone sei ein grosser Gewinn für die Stadt und für «Wil-Shopping» enorm wichtig. «Dank der Fussgängerzone kommen attraktive Geschäfte nach Wil», betont Wipf. «Und die Kunden schätzen die grosszügige Gestaltung und die kurzen Wege.» Ein weiterer Vorteil sei, dass man auf der Oberen Bahnhofstrasse nun diverse Events organisieren könne – beispielsweise die Art Garden. Aufgrund der vielen Parkplätze in unmittelbarer Umgebung sei die Erschliessung optimal, ergänzt Jürg Wipf.

Insgesamt stehen verteilt auf die umliegenden Parkeinrichtungen über 1200 Parkplätze zur Verfügung.

Die Obere Bahnhofstrasse diente bis zum Jahr 2000 als Verkehrsverbindung zur Altstadt. (Bild: Stadtarchiv Wil)

Die Obere Bahnhofstrasse diente bis zum Jahr 2000 als Verkehrsverbindung zur Altstadt. (Bild: Stadtarchiv Wil)

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fuhren in der heutigen Fussgängerzone noch Pferdekutschen. (Bild: Stadtarchiv Wil)

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fuhren in der heutigen Fussgängerzone noch Pferdekutschen. (Bild: Stadtarchiv Wil)