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Steigende Sozialhilfekosten fordern den Wiler Stadtrat: Bericht der Hochschule Luzern zeigt Lösungen auf

Eine Studie der Hochschule Luzern zeigt Verbesserungspotenzial in der Sozialhilfe. Viele Faktoren können aber kaum beeinflusst werden.
Gianni Amstutz
In den vergangenen zehn Jahren haben in Wil viele Personen einen Antrag auf Sozialhilfe gestellt. Bild: Christian Beutler/Keystone

In den vergangenen zehn Jahren haben in Wil viele Personen einen Antrag auf Sozialhilfe gestellt. Bild: Christian Beutler/Keystone

Die Sozialhilfequote ist hoch, die Kosten sind es deshalb ebenfalls. So oder so ähnlich lässt sich die Situation in der Stadt Wil zusammenfassen. Seit Jahren sind die steigenden Sozialhilfekosten ein heiss diskutiertes Thema in der Stadt. Oft geraten dabei das Departement Soziales, Jugend und Alter (SJA) sowie dessen Vorsteher, Stadtrat Dario Sulzer, ins Visier der Kritiker.

Angesprochen auf die hohe Sozialhilfequote Wils – mit 4,5 Prozent liegt die Stadt gemeinsam mit Rorschach auf Platz 2 im Kanton hinter St.Gallen – sagte Sulzer kürzlich gegenüber dieser Zeitung: «Unser Ziel ist nicht in erster Linie eine tiefe Quote, sondern die Betroffenen wirkungsvoll zu unterstützen, damit sie wieder von der Sozialhilfe abgelöst werden können.»

Klienten können nicht eng genug begleitet werden

Als Ursache dafür, dass die Reintegration in den Arbeitsmarkt zu selten gelingt, sehen die Verantwortlichen des SJA den Umstand, dass Klienten zu wenig eng begleitet werden können. Die Falllast sei in den vergangenen Jahren schlicht zu stark angestiegen. So kamen in der Sozialhilfe laut den Zahlen aus dem Vorjahr 499 Fälle auf 490 Stellenprozente. Einem Sozialarbeiter stehen damit pro Fall durchschnittlich nur rund eineinhalb Stunden Arbeitszeit pro Monat zur Verfügung.

Das Ergebnis: Die Personen können nur unzureichend unterstützt werden und bleiben so eher auf Sozialhilfe angewiesen. Für eine angemessene Betreuung strebt der Stadtrat an, die Fallzahl pro Mitarbeiter auf unter 80 zu senken.

Um zu prüfen, ob diese Annahme stimmt und welche weiteren Massnahmen zur Stabilisierung der Sozialhilfe in Wil beitragen können, hat die Stadt der Hochschule Luzern eine Studie in Auftrag gegeben. Nun liegen die Ergebnisse vor.

Diese zeigen auf, was bereits eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) für die Stadt Winterthur herausgefunden hat. Eine geringere Falllast wirkte sich dort positiv auf die Anzahl Personen aus, die den Sprung aus der Sozialhilfe zurück in den Arbeitsmarkt schafften. «Der Bericht der Hochschule Luzern stützt eine Falllast in der angestrebten Grössenordnung», bestätigt Marc Bilger, Departementsleiter des SJA.

Eine Erkenntnis aus dem Bericht lässt besonders aufhorchen. So liegt die Sozialhilfequote in Wil leicht unter dem Schweizer Durchschnitt nach Gemeindegrösse. Die Stadt Wil liegt also zwar im kantonalen Vergleich unter den Top 2, unter vergleichbar grossen Städten im Land rangiert sie nur im unteren Mittelfeld.

Drei Handlungsfelder zur Optimierung

Sind die Debatten über die Sozialhilfequote also masslos übertrieben und entbehren einer statistischen Grundlage? Mitnichten. Denn der Bericht der Hochschule Luzern zeigt auch auf, «dass der Anstieg in den vergangenen zehn Jahren markant ist», sagt Marc Bilger. Hauptverantwortlich für diese Zunahme an Sozialhilfebezügern seien sogenannte exogene Faktoren.

Dazu zählten unter anderem wirtschaftliche, bzw. arbeitsmarktliche Faktoren sowie Entwicklungen im Wohnungsmarkt, sagt Bilger. Umstände, welche die Stadt Wil nicht beeinflussen könne. Muss die Stadt Wil also damit rechnen, dass die Sozialhilfequote ungebremst weiter steigt und sie bald auch national eine unerwünschte Spitzenposition einnimmt? Nicht ganz. Denn das SJA kann bestimmte Massnahmen treffen, um der Herausforderung Herr zu werden. Der Bericht der Hochschule Luzern führt drei Handlungsfelder auf: Innerorganisatorische Kernthemen der Sozialen Dienste, Rollen intermediärer Gremien sowie klientinnenorientierte Kernthemen.

Diese drei sozialwissenschaftlichen Begriffe bedeuten in der Praxis vor allem eines: Abläufe sollen verbessert und die Zusammenarbeit verschiedener Stellen verfeinert werden. Ein Beispiel dafür ist das Intake-Modell. Konkret wird dabei eine Trennung der Fallaufnahme – bei der in erster Linie die Personendaten aufgenommen, die Zuständigkeit der Fachstelle sowie mögliche Leistungen Dritter (z.B. Sozialversicherungen) geklärt werden – von der Fallführung vorgenommen. Damit steht beratend tätigen Sozialarbeitern mehr Zeit für die Betreuung der Sozialhilfebezüger zur Verfügung, was sich wiederum positiv auf deren Chancen zur Reintegration in den Arbeitsmarkt auswirken soll.

Vorhandene Ressourcen optimal nutzen

Ein weiterer Schritt, der sich positiv auf die Reintegration von Sozialhilfeempfängern in den Arbeitsmarkt auswirken soll, ist eine intensivere Zusammenarbeit zwischen der Sozialhilfe und der Arbeitsintegration. Die Arbeit zwischen den Bereichen funktioniere bereits heute gut, sagt Bilger. In einer klareren Definition der Schnittstellen sehe das SJA jedoch noch Optimierungspotenzial.

Jüngst sagte Stadtrat Dario Sulzer gegenüber dieser Zeitung bezüglich der Arbeitsintegration: «Mit einem Ausbau wäre noch viel mehr möglich.» Wiederholt kritisierten Bürgerliche dieses Begehren nach zusätzlichen Stellen. Departementsleiter Marc Bilger sagt dazu: «In einem ersten Schritt geht es darum, vorhandene Ressourcen optimal zu nutzen.» Ob und in welchem Ausmass zu einem späteren Zeitpunkt zusätzliche personelle Ressourcen notwendig sind, könne heute noch nicht gesagt werden.

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