Stau beim Freiraumkonzept

Die Interessengemeinschaft Weierwisen will die Planung für das Freiraumkonzept Weierwisen möglichst rasch in Fluss bringen. Der Stadtrat aber möchte zuerst das weitere Vorgehen beim Hochwasserschutz in diesem Gebiet abwarten.

Ursula Ammann
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Sebastian Koller, Präsident IG Weierwisen (Bild: zVg)

Sebastian Koller, Präsident IG Weierwisen (Bild: zVg)

WIL. «Wir sehen viel Potenzial im Gebiet Weierwisen», sagt Sebastian Koller, Präsident der IG Weierwisen. Einerseits sei dieses Feuchtgebiet ökologisch sehr wertvoll, andererseits biete sich die Fläche geradezu als Naherholungsraum an.

Teiche, Hecken, Trockenmauern

Das Bedürfnis nach öffentlicher Nutzung sei im Fall der Weierwise offensichtlich, sagt er: Kinder planschen am Krebsbach, Spaziergänger drehen ihre Runden auf der Wiese und der westliche Teil dient als Reitgelände. Diesem Bedürfnis widerspreche jedoch die heutige Nutzung, ergänzt der IG-Präsident. Obwohl das Gebiet Weierwise als Grünzone eingestuft ist, wird es derzeit intensivlandwirtschaftlich genutzt. Dies bedeutet, dass grosszügig Gülle ausgetragen wird. Er verstehe, dass der Landwirt diese abbringen müsse, sagt Sebastian Koller, die intensive Landwirtschaft eigne sich aber für ein Feuchtgebiet wie die Weierwise nicht. Um das Gebiet ökologisch aufzuwerten, könnten gemäss Sebastian Koller Kleinstrukturen wie Teiche, Hecken, Trockenmauern, Magerwiesen oder Schilfgebiete geschaffen werden. Als mögliche Elemente eines Naherholungsgebietes schlägt die IG Weierwisen eine Veloverbindung vom Stadtweier nach Rossrüti, Naturwege, Spielbereiche, ein Café beim Schwimmbad Weierwise sowie einen Naturlehrpfad vor.

Die IG hat bereits Vorarbeiten für das Freiraumkonzept geleistet. So hat sie einen Gestaltungsvorschlag für einen «Familien- und Naturpark Weierwisen» in Auftrag gegeben. Dieser entspreche auch den Bemühungen der Stadt um das Unicef-Label «Kinderfreundliche Stadt», sagt Sebastian Koller. Zudem sei es wichtig, insbesondere bei Kindern die Sensibilität für die Natur zu wecken.

Den Richtplan einhalten

In ihrem Schreiben von Ende Januar stellte die IG Weierwise folgende Forderungen an den Stadtrat: So soll etwa die Erstellung des Freiraumkonzepts Weierwisen und dessen Umsetzung (mindestens einer ersten Etappe) in die Legislaturziele 2013–2016 aufgenommen werden. Das Freiraumkonzept Weierwisen soll dabei im Jahr 2014 erstellt werden, in die Investitionsplanung sei ein entsprechender Planungskredit aufzunehmen. Bei der Erarbeitung des Freiraumkonzepts solle die IG Weierwisen einbezogen werden. Die Realisierung des Konzeptes habe bis spätestens 2020 vollständig zu erfolgen und diese Frist sei auch bei der Investitionsplanung zu berücksichtigen. «Die IG fordert von der Stadt nichts anderes, als dass sie den eigenen Richtplan einhält», betont Sebastian Koller. Dort ist sowohl die kurz- bis mittelfristige Umsetzung eines Freiraumkonzepts festgehalten als auch der Einbezug von Interessengruppen bei dessen Umsetzung. «Schön wäre es, wenn es eine Planungsgruppe gäbe, in der Betroffene mit Planern im direkten Ideenaustausch stehen», erklärt Koller. «Das Konzept soll nicht einfach auf dem Reissbrett entstehen, sondern den Bedürfnissen der künftigen Nutzerinnen und Nutzer entsprechen».

«Zu ungewiss»

Der Stadtrat weist in seiner Antwort auf die Sicherstellung des Hochwasserschutzes für Rossrüti und das Stadtzentrum hin. Eine Rahmenbedingung, die für das weitere Vorgehen in Sachen Freiraumkonzept zu beachten sei. Seit Sommer 2012 liegt eine provisorische Naturgefahrenerhebung des Kantons vor. Bis Mitte dieses Jahres dürften die Ergebnisse definitiv sein. In Kenntnis der provisorischen Ergebnisse beabsichtige die Stadt, dieses Jahr ein spezialisiertes Büro mit der Ausarbeitung einer detaillierten Studie von Hochwasserschutz-Szenarien vom Ortsteil Rossrüti bis zum Stadtweier zu beauftragen, teilt die Stadt mit. Daraus gilt es, eine Bestvariante auszuwählen. «Zurzeit sind indes weder Umfang, finanzieller Aufwand noch zeitlicher Rahmen einer solchen Bestvariante bekannt. Entsprechend erachtet es der Stadtrat zum heutigen Zeitpunkt als zu ungewiss, einen vorzeitigen Planungsstart für ein Freiraumkonzept Obere Weierwise, wie er von der IG gefordert wird, zu beschliessen».

Forderung bleibt

Es mache durchaus Sinn, die Machbarkeitsstudie abzuwarten, sagt Sebastian Koller. Das Detailprojekt dürfe jedoch nicht als Einzelmassnahme ausgearbeitet werden, sondern müsse im Rahmen des Freiraumkonzepts mit den weiteren Vorhaben, insbesondere der Veloverbindung Stadtweier–Rossrüti, koordiniert werden. Die IG Weierwisen bestehe weiterhin auf ihrer Forderung nach einer integrierten Planung.

Das Gebiet der Oberen Weierwise soll für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht werden. So sieht es das Freiraumkonzept Weierwisen vor. Doch die weitere Planung liegt derzeit brach. (Bild: Philipp Haag)

Das Gebiet der Oberen Weierwise soll für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht werden. So sieht es das Freiraumkonzept Weierwisen vor. Doch die weitere Planung liegt derzeit brach. (Bild: Philipp Haag)