Reaktionen
Enttäuschter Toggenburger Gastro-Präsident: «Der Bundesrat hat den falschen Weg eingeschlagen»

Die Reaktionen auf den Bundesrats-Entscheid zur zaghaften Lockerung der Coronamassnahmen fallen unterschiedlich aus. Während die Beizer wütend sind, überlegt man sich beim Wiler Sportpark Bergholz, die Badi schon vor Ostern zu öffnen. Die Reaktionen.

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Im Skigebiet der Bergbahnen Wildhaus müssen die Restaurantterrassen geschlossen bleiben.

Im Skigebiet der Bergbahnen Wildhaus müssen die Restaurantterrassen geschlossen bleiben.

Bild: Ralph Ribi (22. Februar 2021)

(eka/bl/lsf/sdu) Dicke Luft in den leeren Restaurants. Der Bundesrat hat am Mittwochnachmittag mitgeteilt, dass die Gaststätten weiterhin geschlossen bleiben müssen. Magnus Thalmann, Präsident Gastro Toggenburg und Besitzer «Rössli» Tufertschwil, findet deutliche Worte: «Ich bin sehr niedergeschlagen über den Entscheid. Der Bundesrat hat aus meiner Sicht den falschen Weg eingeschlagen.» Denn die Gastrobranche sei nicht diejenige, welche für die meisten Ansteckungen verantwortlich gemacht werden könne.

Magnus Thalmann, Gastro Toggenburg.

Magnus Thalmann, Gastro Toggenburg.

Bild: Beat Lanzendorfer

«Wir sehen keine Perspektiven, weil weiterhin nicht bekannt ist, wann die Gastrobetriebe wieder öffnen dürfen», sagt Thalmann. Er mache sich ernsthafte Sorgen um viele Betriebe. Er kenne zwar die detaillierten Zahlen der einzelnen nicht, aber es sehe nicht gut aus.

«Wir hoffen jetzt für alle, die Härtefallgelder beantragt haben, dass der Kanton die Gesuche kulant und möglichst schnell behandelt.»

Auch der Präsident von Gastro Wil, Walter Meier, hält nicht viel von den neuen Entscheiden des Bundes. «Es ist sehr schwierig für uns Gastronomen, da wir immer noch nicht aufmachen dürfen», sagt er. Zudem sei die Lösung, die in einem Monat Realität werden könnte, heikel. Dann sollen einzig Restaurantterrassen öffnen. «Viele Stadtrestaurants haben keine Terrasse und vielleicht nicht einmal die Möglichkeit, Stühle auf die Strasse zu stellen.» Meier fragt sich: «Werden diesen Betrieben weiterhin Hilfsgelder zugesprochen?»

Dennoch ist Meier der Meinung, dass es besser ist, die Restaurants jetzt ganz geschlossen zu lassen, anstatt wieder unter starken Einschränkungen öffnen zu dürfen, wie es vor dem Lockdown der Fall war. Er sagt:

«Lieber bleiben wir einen Monat länger zu, aber dürfen dann wieder bis mindestens um 21 Uhr offen haben. Sonst bringt es nichts.»

Das Skigebiet als eine Insel

Auch die Terrassen in den Skigebieten müssen geschlossen bleiben. Urs Gantenbein, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bergbahnen Wildhaus, ist wenig überrascht. «Es ist, wie es ist.» Ob die Terrassen beim nächsten Lockerungsschritt Ende März öffnen dürfen, spiele für das Toggenburger Skigebiet keine grosse Rolle mehr. «Für uns ist es dann fast zu spät. Unser Betrieb läuft dann noch zwei Wochen», sagt Gantenbein.

Immerhin ein bisschen aufatmen kann er, weil der Februar erfreulich verlaufe. Das Wetter, der Schnee; bis auf die Coronamassnahmen stimme alles.

«Innerhalb der schwierigen Rahmenbedingungen können wir zufrieden sein.»

Für Gantenbein ist es wichtig, dass der Skibetrieb überhaupt möglich ist. Man sehe auf der Piste viele glückliche Menschen. «Für viele ist das Skigebiet wie eine Insel.»

So reagiert der Sport

Im Wiler Sportpark Bergholz dürfte es künftig vermehrt Teenager haben. Ist das Hallenbad aktuell nur für unter 16-Jährige geöffnet, so dürfen ab März auch die bis 20-Jährigen baden. Die Altersobergrenze wird angehoben. Die Verantwortlichen hoffen, beim nächsten Öffnungsschritt am 22. März stärker profitieren zu können. Es wird derzeit geprüft, ob das Freibad Bergholz schon dann öffnet, falls auch zu jenem Zeitpunkt lediglich Sport im Freien möglich sein sollte. Das wäre vor Ostern.

Marcel Wenger, Inhaber vom Wenger Fitness Center in Wil, ist enttäuscht, dass er seine Tore noch mindestens bis zum 22. März geschlossen halten muss. Doch nach den Aussagen des Bundesrates vergangene Woche hatte er nichts anderes erwartet. Die Situation sei schwierig, aber noch tragbar, sagt Wenger. Er sei auch auf die Kulanz seines Vermieters angewiesen – und auf treue Mitglieder. Die durch die Schliessung verlorene Zeit werde auf die Abos gutgeschrieben. «Der Lockdown wird sich verzögert auswirken, wenn die neuen Abobeiträge fällig sind», sagt Wenger. «Und es wird sich zeigen, ob die Leute sich überhaupt trauen, wieder ins Fitnessstudio zu kommen.»

Dieter Gähwiler, Präsiden des FC Kirchberg, begrüsst den Entscheid des Bundesrates: Jugendliche bis und mit Jahrgang 2001 dürfen wieder in der Gruppe trainieren.

«Der Drang nach Bewegung ist sowohl bei den Jugendlichen als auch bei den Trainern zu spüren.»
Dieter Gähwiler, Präsident FC Kirchberg.

Dieter Gähwiler, Präsident FC Kirchberg.

Bild: Beat Lanzendorfer

Für die Aktiven tue es ihm hingegen leid. «Statt in der Gruppe müssen sie sich weiterhin individuell auf die Saison vorbereiten, wobei auch hier unsicher ist, wann und in welcher Form es überhaupt weitergeht.»

Kulturveranstalter wollen Planungssicherheit

Und wie reagiert man in der Kulturszene auf den Bundesratsentscheid? Michael Sarbach, Ressortleiter Programm beim Wiler Kulturbahnhof Gare de Lion, ist enttäuscht, wenig Neues erfahren zu haben. Er sagt: «Wir würden gerne Planungssicherheit haben. Und wenn es auch nur die Information ist, dass wir bis Ende Juni geschlossen haben müssen.» So bleibt es vorderhand bei der «laufenden Planung», wie Sarbach sagt. Es steht zwar ein Programm, das jedoch immer wieder angepasst werden muss. Just diese Woche wurde der Auftritt von «Stiller Haas» in den Dezember verschoben.

«Solange wir nicht Partys für 100 oder 200 Leute machen können, rechnet es sich für uns nicht.»
Michael Sarbach, Gare de Lion.

Michael Sarbach, Gare de Lion.

Bild: Benjamin Manser

Als Chance sieht Sarbach die Terrassen-Gastronomie, da man im vergangenen Jahr mit der «Bar de Lion» gute Erfahrungen gemacht habe.

Auch die Tonhalle Wil ist im Stand-by-Modus. Leiterin Florence Leonetti sagt: «Mindestens 50 Leute müssen schon zugelassen sein, damit Vorstellungen Sinn machen. Wir werden weiterhin mit der angezogenen Handbremse unterwegs sein.» Frühestens Ende April dürfte – mal abgesehen des Stadtparlaments – wieder Leben in die Tonhalle kommen.

Kreative Kinos

Für Kinos ändert sich ebenfalls noch nichts. Pascal Nussbaum von Kino City Uzwil sagt: «Jeden Tag, den wir früher öffnen können, ist ein guter.» Nussbaum gibt zu bedenken, dass Kinos vor der Öffnung ein paar Wochen Vorlaufzeit brauchen, um aktuelle Filme zu besorgen und die Rechte einzuholen. Für ihn ist es bezüglich Planbarkeit ein positives Zeichen, dass der Bundesrat am Mittwoch von den Massnahmen, die er in die Vernehmlassung geschickt hatte, nicht gross abgewichen ist.

Für das Arthouse-Kino Passerelle in Wattwil ist die Vorlaufzeit weniger wichtig. «Wir haben Filme, die wir bisher nicht zeigen konnten», sagt Geschäftsführer Peter Bötschi. Die Schweiz sei aber kulturell keine Insel. Internationale Produzenten würden keine neuen Filme anlaufen lassen, nur weil hierzulande ein paar Kinos aufmachten. Trotzdem ist das Kino Passerelle bereit, wenn der Betrieb wieder erlaubt wird. Bötschi sagt: «Wir müssen daran glauben, dass das Bedürfnis nach dem gemeinsamen Kinoerlebnis auch nach der Pandemie noch da ist.» Zumindest die Reaktionen seiner Stammbesucher seien da positiv.

Beim Cinewil, das auch ein Café und eine Bar ist, stand am Mittwoch die mögliche Öffnung der Aussenterrasse im Fokus. «Das hätte mich gefreut, auch für die Psyche der Menschen», sagt Geschäftsführerin Felicitas Zehnder. Das Kino komme in einem zweiten Schritt. Mit der Planung beginnen Zehnder und ihr Team erst, wenn sie wissen, wann das Kino wieder aufmachen kann und welche Filme gezeigt werden können. «Wir sind dann relativ schnell und kreativ.»

Das Cinewil würde draussen gerne wieder Gäste bewirten.

Das Cinewil würde draussen gerne wieder Gäste bewirten.

Bild: Simon Bernhartsgrütter