Start in Qatar und im Oman

Über die letzten Jahre gesehen gehört Reto Hollenstein zu jenen Radprofis, die sich gegen alle Widerstände durchgekämpft und nun in einem der 17 World Teams ihren festen Platz haben.

Urs Huwyler
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Reto Hollenstein fehlt in seiner Karriere noch ein sogenannter Prestigesieg. (Bild: Urs Huwyler)

Reto Hollenstein fehlt in seiner Karriere noch ein sogenannter Prestigesieg. (Bild: Urs Huwyler)

RAD. Seit dem 5. Juli 2014 kann Reto Hollenstein (Sirnach) Fragen zu seinem Leistungsvermögen nicht nur wegen der Körpergrösse (1,97 m) von oben herab beantworten. Er stand damals am Start der Tour de France und erfüllte sich einen Traum, den der Grossteil aller Radprofis am Ende der Karriere begraben muss. Auch ehemalige Teamkollegen dürften sich in die «Wädli» gebissen haben, dass sie jedes Jahr auf ein Tour-de-Suisse-Aufgebot hoffen und Hollenstein das berühmteste Radrennen bestreiten darf. «Es war eine gewisse Genugtuung, vor allem aber der Lohn für die Geduld», erinnert sich der Allrounder mit Zeitfahren-Qualitäten.

Nicht an der Tour de Suisse

Für ihn hat sich während der letzten Monate einiges geändert. Obwohl beispielsweise die Tour de Suisse in Schwarzenbach und Wil gastiert, dürfte der Lokalmatador dort aufgrund der individuellen Programmgestaltung fehlen. Captain Mathias Frank möchte als Vorbereitung auf die Frankreich-Rundfahrt am ebenso stark besetzten Criterium du Dauphiné (7. bis 14. Juni) teilnehmen, und Adjutant Hollenstein müsste ebenfalls auf das Heimspiel (13. bis 21. Juni) verzichten. «Was für mich kein Problem wäre. Im Zentrum steht die Tour de France und damit die optimale Vorbereitung. Mit oder ohne Tour de Suisse», betont der IAM-Profi.

Qatar und Oman

Der Aufstieg von IAM unter die 17 World-Tour-Mannschaften hat zur Folge, dass die Schweizer Sportgruppe sämtliche grossen Rundfahrten und Eintagesrennen bestreiten muss (Pflicht). Insgesamt sind dies 31 Wettkämpfe. «Das ergibt eine neue Ausgangslage. Es wird immer auf höchstem Niveau gefahren, wir sind als Team bei allen Klassikern dabei. Die World Serie bestreiten zu dürfen, ist eine besondere Auszeichnung», weiss der teilweise bei der Freundin in Wien lebende Thurgauer.

Was aber auch eine Aufteilung im Kader zur Folge haben wird. Eine Gruppe startete im Januar in Australien, eine bestritt die Rennen auf Mallorca (zwei Sprintsiege durch Matteo Pelucchi), die dritte erholte sich nach dem gemeinsamen Trainingslager, steigt am 8. Februar bei der Tour of Qatar (8. bis 13. Februar) in die Saison ein und wechselt danach in den Oman (17. bis 22. Februar). Der im August 30 Jahre alt werdende Reto Hollenstein gehört wie Frank und Pelucchi zu den «IAM-Emiratern», Vincenzo Nibali, Tejay van Garderen, Peter Sagan, Alejando Valverde, Joaquim Rodriguez, Tom Boonen oder Rui Costa zur Konkurrenz.

Fluchtgruppe

Sollte in den nächsten Tagen nichts passieren, kann Reto Hollenstein das sportliche Abenteuer bestens vorbereitet in Angriff nehmen. «Die an der Tour de France zugezogene Lungenflügel-Verletzung behindert mich nicht mehr, ich konnte das Aufbautraining nach Plan durchziehen, fühle mich gut.» Nachdem sein Förderer Marcello Albasini kaum als Sportlicher Leiter unterwegs sein wird, sondern sich um die Trainingsplanung kümmert, ist Rubens Bertogliati als Sportlicher Leiter für Hollenstein – und auch den Hemberger Patrick Schelling – zuständig.

Es fehlt ein Prestigesieg

Was dem Micarna-Teamkollegen von Michael Albasini fehlt, ist ein internationaler Prestigesieg. «Nachdem ich weder ein klassischer Sprinter, Bergfahrer oder Roller bin, muss ich solo oder in einer kleinen Fluchtgruppe durchkommen. Dies dürfte in der World Serie noch um einiges schwieriger werden. Sollte sich eine Chance ergeben, werde ich sie zu nützen versuchen. Primär wird es meine Aufgabe sein, den jeweiligen Captain zu unterstützen. Wir haben im Team einige Siegfahrer. Wer gewinnt, ist egal.»

Reto Hollenstein hat sich bis in den Rad-Weltcup hochgedient und gekämpft. Einige (auch Insider) trauten ihm dies kaum zu. Ein Sieg müsste demnach die logische Folge sein.

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