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Starke Ausbreitung des Coronavirus im Alterszentrum Sonnenhof in Wil: Auch negativ getestete Bewohner in Quarantäne

Bei 27 von 100 Bewohnenden des Alterszentrums wurde eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt. Auch negativ Getestete müssen deshalb vorsorglich in Quarantäne, um die Infektionskette zu durchbrechen.

Gianni Amstutz
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Alle Bewohnenden des Alterszentrums Sonnenhof sind derzeit in Quarantäne.

Alle Bewohnenden des Alterszentrums Sonnenhof sind derzeit in Quarantäne.

Bild: Dinah Hauser

Eine Ausbreitung des Coronavirus in einem Alters- und Pflegeheim ist ein Worst-Case-Szenario. Verbreitet sich das Virus dort, drohen ungleich grössere Konsequenzen als andernorts. Um jeden Preis sollten solche Einrichtungen und ihre Bewohnenden, die zur Risikogruppe gehören, geschützt werden.

Doch mit den stark steigenden Fallzahlen stieg auch das Risiko, dass es auch in solchen besonders sensiblen Einrichtungen zu Ansteckungen kommt. Denn auch mit Schutzkonzepten lassen sich Infektionen nicht komplett ausschliessen.

Das zeigt der Fall des Alterszentrums Sonnenhof der Thurvita in Wil, wo am Mittwoch bei 27 von 100 Bewohnenden eine Ansteckung mit dem Coronavirus festgestellt worden ist. Nachdem die Zahl der Erkrankten vom Wochenende bis am Dienstag von zwei auf fünf anstieg, wurden am Dienstag alle Bewohner, unabhängig davon, ob sie Symptome hatten, getestet. Das gross angelegte Screening brachte schliesslich zutage, dass sich das Virus bereits stark verbreitet hatte.

Eindämmung ohne Isolation nicht mehr möglich

Bei der Thurvita war man für einen solchen Fall vorbereitet. Umgehend wurden Massnahmen eingeleitet. Das Personal sei entsprechend geschult und Abläufe für verschiedene Szenarien definiert worden, sagt Alard du Bois-Reymond, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Thurvita.

Eine der Massnahmen ist, dass nicht nur die positiv Getesteten, sondern alle Bewohnenden des «Sonnenhof» isoliert wurden. Bei tieferen Fallzahlen im einstelligen Bereich hätte man einfach einzelne Etagen oder Bereiche des Alterszentrums isoliert, sagt du Bois-Reymond. Das würde in der aktuellen Situation jedoch nicht ausreichen.

Alard du Bois-Reymond, CEO der Thurvita Sonnenhof AG in Wil.

Alard du Bois-Reymond, CEO der Thurvita Sonnenhof AG in Wil.

Bild: Urs Bucher

«Es gibt kein klares Bild, dass nur eine Abteilung betroffen ist», erklärt er und ergänzt:

«Deshalb haben wir auch die negativ Getesteten in ihren Zimmern isoliert, um die Übertragungsketten zu durchbrechen.»

Dieser Zustand könne nicht ewig aufrecht erhalten werden, sei jedoch aktuell unumgänglich.

Zusätzlicher Aufwand für das Personal

Durch die Isolation entsteht für das Personal ein grosser Mehraufwand. Besonders die Betreuung der Erkrankten sei eine Herausforderung, da das Personal die Zimmer der Patienten nur noch in Schutzanzügen betrete, so du Bois-Reymond. Um trotzdem für alle Bewohner eine gute Betreuung zu gewährleisten, habe man deshalb das Pflegepersonal um zwölf Personen aufgestockt.

Ein Teil des Personals kümmere sich dabei ausschliesslich um die positiv Getesteten. Dadurch könne verhindert werden, dass die Schutzanzüge ständig an- und ausgezogen werden müssten, so du Bois-Reymond.

Noch keine Hospitalisationen

Glücklicherweise seien bisher schwere Krankheitsverläufe ausgeblieben, die eine Hospitalisation nötig gemacht hätten. Man stehe zurzeit in stetem Austausch mit der Infektiologie des Kantonsspitals, das der Thurvita mit Fachwissen beratend zur Seite steht. «Über diese Unterstützung sind wir sehr froh.»

Die Situation sei für das Personal der Thurvita, die Betroffenen sowie die Angehörigen auch aus psychologischer Sicht schwierig. Alard du Bois-Reymond bezeichnet die Lage in dieser Hinsicht aber aktuell als stabil.

Es sei seitens der Bewohnenden vor allem Anfang Woche, als die Fallzahlen stiegen, Verunsicherung spürbar gewesen. Sie seien aber froh gewesen, dass flächendeckend Test durchgeführt worden seien, welche für Klarheit sorgten.

«Wir werden die psychologischen Auswirkungen aber im Auge behalten müssen.»