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Standaktion vor kleinem Publikum

Tierschützer Erwin Kessler machte mit einer Standaktion auf eine von ihm als tierquälerisch bezeichnete Kaninchenhaltung aufmerksam. Damit verbunden ist eine Abwahlkampagne gegen Stadtrat Marcus Zunzer, der laut Kessler diese Käfighaltung unterstützt. Das Interesse war gering.
Ramona Cavelti/Stefan Etter
Tierschützer Erwin Kessler (Bild rechts) versuchte mittels einer Standaktion auf seine Anliegen aufmerksam zu machen. Nur wenige Leute liessen sich aber auf Diskussionen ein. (Bilder: Ramona Cavelti)

Tierschützer Erwin Kessler (Bild rechts) versuchte mittels einer Standaktion auf seine Anliegen aufmerksam zu machen. Nur wenige Leute liessen sich aber auf Diskussionen ein. (Bilder: Ramona Cavelti)

WIL. «Ist es am Samstag hier immer so leer», fragt Erwin Kessler in die Runde. Die Frage war berechtigt, da nur wenige Personen an diesem herbstlichen Nachmittag durch die Obere Bahnhofstrasse schlenderten. Trotz den Bedingungen liessen sich die vier anwesenden Mitglieder des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) nicht davon abhalten, eine Standaktion durchzuführen und ihr Magazin inklusive Flugblatt zu verteilen. Das Ziel: «Aufklärung der Bevölkerung», sagt Erwin Kessler, Tierschützer und Präsident des VgT. Zudem sei die Aktion bereits ein Teil der Kampagne für die Wahlen im Jahr 2016.

Kampf gegen Käfighaltung

Die Wahl- beziehungsweise Abwahlkampagne zielt auf Stadtrat Marcus Zunzer: Der VgT wirft ihm vor, nichts gegen die vom Verein beanstandete Kaninchenhaltung von Josef Eicher auf Boden der Stadt Wil zu unternehmen. «Die Stadt Wil stellt eine städtische Liegenschaft einem solchen Kaninchenquäler zur Verfügung, der diese sozialen Rudeltiere sogar einzeln in Isolationshaft hält in diesen Käfigen», ist in der Zeitschrift des Vereins zu lesen. Der VgT hat deshalb eine Kampagne gestartet, um die Wiederwahl von Stadtrat Zunzer im Jahr 2016 zu verhindern.

Doch worum geht es dem VgT, um die Kaninchen oder um den Stadtrat? «Unser Ziel ist in erster Linie die Käfighaltung aufzuheben, denn die Tiere stehen im Vordergrund», sagt Kessler. «Wenn dazu die Abwahl von Marcus Zunzer nötig ist, sind wir bereit, dafür zu kämpfen.» Und er ist zuversichtlich: «Ich bin überzeugt, dass wir den Fall lösen können.»

Der kritisierte Stadtrat Marcus Zunzer hatte bereits im Vorfeld zu Protokoll gegeben, dass er für ein solches Vorgehen keinerlei Verständnis habe, aber vorerst nicht darauf reagieren werde.

Viele winken ab

«Mit unserer Standaktion appellieren wir an die Ethik und Eigenverantwortung», sagte Kessler und sprach sogleich einen Passanten an. Dabei benutzte er nur wenige Worte, thematisierte den Fall der Kaninchen gar nicht erst, sondern versuchte nur, die Zeitschrift unter die Leute zu bringen. Doch der Passant winkte ab, schüttelte den Kopf und ging weiter. Viele taten es ihm gleich. «Es ist keine einfache Arbeit, doch wir machen, was wir können. Etwas bleibt immer hängen», sagte Kessler. Für das Verhalten vieler Personen hat er eine Erklärung: «Die einen kennen unsere Organisation, sind bereits Mitglied oder haben das Flugblatt bereits zu Hause, das wir in gewissen Teilen von Wil vor dieser Aktion gestreut hatten. Andere haben keine Zeit, wollen kein Flugblatt und wieder andere möchten nichts von Tierschutz hören.»

Kaninchenzucht kontrolliert

Wie sieht der kritisierte Züchter die gegen ihn erhobenen Vorwürfe? «Die Aussagen von Erwin Kessler sind nicht gerechtfertigt», sagt Josef Eicher, der zugleich Präsident des Russenkaninchen-Klubs Schweiz ist. Kessler wirft dem Züchter vor, dessen Kasten-Kaninchenhaltung sei «nicht artgerecht und deshalb grobe Tierquälerei» und gleiche einer «Isolationshaft». Eicher widerspricht vehement. «Erst vor kurzem hat ein offizieller Tierschutzbeauftragter des Kantons meine Kaninchenzucht kontrolliert.» Der Tierarzt habe untersucht, ob die Grösse der Ställe und der Tablare den gesetzlichen Normen entsprechen, ob genug Wasser vorhanden und das Einstreu in Ordnung sei. «Der Tierarzt kam zum Schluss, dass die Tiere sauber und artgerecht gehalten werden», sagt Eicher. Dies gelte auch für seine Hühner und Schafe.

Nichts beanstandet

Laut Eicher war die tierärztliche Kontrolle seiner Kaninchenzucht bereits die dritte innerhalb der vergangenen eineinhalb Jahre. «Vorher waren bereits ein Tierschutzbeauftragter der Stadt Wil und der Fachverband <Rassekaninchen Schweiz> bei mir vorstellig geworden.» Bei den Kontrollen sei nie etwas beanstandet worden. «Dass mich Erwin Kessler als Lügner und Tierquäler darstellt, ist nicht in Ordnung», sagt Eicher.

Demonstration in Rickenbach

Eicher fragt sich, wieso es Kessler gerade auf ihn abgesehen habe. «Wahrscheinlich ist sein Beweggrund, dass die Gemeinde hinter mir steht und mir das Land zur Verfügung stellt.» Schliesslich gebe es Tausende private Kaninchenzüchter. Gegen diese Züchter werde Kessler aber wohl nichts unternehmen. «Ich bin zutiefst verärgert. Wenn diese Vorwürfe nicht aufhören, werde ich weitere Schritte in Betracht ziehen», sagt Eicher.

Erwin Kessler indes ruft am nächsten Samstag in Rickenbach, am Wohnort Josef Eichers, zu einer Demonstration auf.

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