Stammtischgespräche gehören dazu

«Ein Lob auf den Stammtisch» (Wiler Zeitung vom 24.9.2010) Es trifft den Nagel auf den Kopf, was Sie zur Stammtischkultur schreiben.

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«Ein Lob auf den Stammtisch» (Wiler Zeitung vom 24.9.2010)

Es trifft den Nagel auf den Kopf, was Sie zur Stammtischkultur schreiben. Es würde uns allen wieder gut tun – auch solchen Menschen, die eine Abneigung gegen derartige Einrichtungen hegen –, sich an einen Tisch zu setzen, zu diskutieren, über alles, was uns bewegt. Vor allem über uns selbst!

Sind wir nicht auf dem besten Weg in die Hölle der Perfektion? Nie zufrieden mit dem, was wir erreichen, anstreben und zunehmend unfähig, unseren Gefühlen Ausdruck zu verleihen? Einfach einmal wieder so zu sein, wie man gern wäre, wenn man könnte! Von Herzen lachen, über etwas aufregen, spontan das sagen, was einen bewegt – ohne vorher zu überlegen, welche Wirkung so ein Verhalten erzielen könnte.

Leider scheinen es immer mehr Menschen aller Lebensstufen zu sein, die sich – die einen, getrieben vom Stress und der Plage des Alltags – zurückziehen in ihre vier Wände. Funktionieren wie Roboter – präzis, zuverlässig, schweizerisch! Erholung suchen in den kurzen Nachtstunden, im unruhigen Schlaf, von dubiosen Träumen geplagt. Wie gerädert aufstehen, bereit für einen neuen Tag am Arbeitsplatz, um die Sorge, alles richtig zu machen.

Die anderen, Älteren, krampfhaft bemüht, den Anschluss an den Zeitgeist der Informationsgesellschaft nicht zu verpassen, ohnmächtig dem Wertabbau ihrer in vielen Jahren erworbenen Erfahrung zusehend, anstatt selbstbewusst darüber zu diskutieren, ob der eingeschlagene Weg tatsächlich zum Ziel führt, zur Perfektion in jeder Beziehung, wie es die Computergesellschaft im 21. Jahrhundert verlangt!

Wie viel menschliche Werte sind schon geopfert worden in der rasend schnell gewachsenen globalen Welt, der nimmersatten Kostenoptimierung, der Hab-und Raffgierkultur, die keine Grenzen kennt und der niemand Einhalt gebietet? Sind wir alle damit zufrieden, so zu funktionieren? Sehnen wir uns nicht im Geheimen nach ein wenig Glück, Zuwendung und Wertschätzung? Den Dienst nach Vorschrift wegen der Angst um den Verlust am Arbeitsplatz könnte man mit Spass und Begeisterung ersetzen, in einem angenehmen

Klima, das zwischenmenschliche Nähe, neue Ideen und ein wenig mehr Zeit für die wichtige, unersetzbare Kommunikation zwischen uns Menschen ermöglicht. Stammtischgespräche gehören dazu!

Schorsch Lutz Eggwilstrasse 4, 9552 Bronschhofen