Stadtrat Wil
15 Millionen Franken für ein Kultur- und Musikschulzentrum: In der Liegenschaft zum Turm soll ein Begegnungsort entstehen

Der Stadtrat präsentiert sein Konzept zur Nutzung des «Turms». Mit einer Zwischennutzung soll dieses weiter geschärft werden. Vorerst muss allerdings das Parlament noch Ja sagen, später dürfte auch die Bevölkerung an der Urne nach ihrer Meinung gefragt werden.

Gianni Amstutz
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Sie wollen den Turm zum Treffpunkt für die Bevölkerung umwandeln (von links): Marko Sauer, Projektleiter Hochbau, Stadträtin Ursula Egli und Stadtpräsident Hans Mäder.

Sie wollen den Turm zum Treffpunkt für die Bevölkerung umwandeln (von links): Marko Sauer, Projektleiter Hochbau, Stadträtin Ursula Egli und Stadtpräsident Hans Mäder.

Bild: Gianni Amstutz

Die Beharrlichkeit des Stadtparlaments hat sich gelohnt. Nach mehrfachem Nachhaken mit Vorstössen ist nun klar, was aus der Liegenschaft «Zum Turm» werden soll. Am Mittwoch stellten Stadtpräsident Hans Mäder, Stadträtin Ursula Egli und Stadtrat Jigme Shitsetsang ihr Konzept vor. Dies als Antwort auf eine Motion einer überparteilich zusammengesetzten Kulturgruppe des Parlaments.

In seinem Grobkonzept zeigt der Stadtrat auf, wie er den Turm zum Kultur- und Musikschulzentrum umwandeln will. Dieses ist das Ergebnis eines partizipativen Verfahrens, an dem neben den Parteien auch Personen aus dem Kulturbereich, aus dem Quartier und aus der Bevölkerung ihre Vorstellungen einbrachten.

Ein öffentliches Wohnzimmer ohne Konsumzwang

So soll im Erdgeschoss ein «öffentliches Wohnzimmer» entstehen und den Zugang zum Grünraum hinter dem Gebäude ermöglichen. Das Erdgeschoss sei zentral für die Wahrnehmung des Turms, sagte Marko Sauer, Projektleiter Hochbau. So sei zwar eine Gastronomie geplant, im «öffentlichen Wohnzimmer» gebe es jedoch keinen Konsumzwang. Hans Mäder sagte dazu:

«Es soll ein Treffpunkt für die Bevölkerung werden.»
Im ehemaligen Feuerwehrdepot sollen eine Musikschule und Wohnungen entstehen.

Im ehemaligen Feuerwehrdepot sollen eine Musikschule und Wohnungen entstehen.

Bild: PD

Auch Konzerte, Ausstellungen und andere Veranstaltungen sollen möglich sein. Wie genau der Raum genutzt wird, soll aber vor allem von den Nutzenden selbst bestimmt werden.

In den oberen Geschossen stehen unter dem Motto «Möglichkeitsräume» Zimmer für gesellschaftlich und künstlerisch tätige Personen bereit. Diese können als Ateliers genutzt werden, als Co-Working-Spaces oder als Versammlungsräume für Vereine.

Stadträtin Ursula Egli sagt: «Der Turm soll viele Möglichkeiten bieten, kreativ zu sein.» Zudem sollen die Räume günstig zu mieten sein, um die Niederschwelligkeit zu gewährleisten. Wie gross das Interesse an der Nutzung dieser Räume sei, könne der Stadtrat noch nicht abschliessend beurteilen, erste Anfragen lägen allerdings schon vor, wie Egli verriet.

Vorerst nur kleine bauliche Anpassungen

Möglichst bald soll aber eine Zwischennutzung initiiert werden. Diese soll – mit Ausnahme des Erdgeschosses – praktisch ohne bauliche Anpassungen möglich sein. Das bedingt, dass die Räume jeweils nur entsprechend ihrer heutigen baupolizeilichen Vorschriften genutzt werden können. Allerdings gebe es bei solchen Vorschriften einen gewissen Ermessensspielraum, was bewilligt werde und was nicht, sagt Hans Mäder.

«Innerhalb des gesetzlichen Rahmens werden wir sehr kulant sein und die Grenzen ausloten.»

Der Stadtrat erhofft sich, durch die Zwischennutzung weitere Erkenntnisse zur zukünftigen Nutzung des Gebäudes zu erhalten. So ist es vorstellbar, dass gewisse Ansätze der Zwischennutzung auch Eingang ins definitive Konzept finden.

Ein Neubau für die Musikschule

Stadtrat Jigme Shitsetsang.

Stadtrat Jigme Shitsetsang.

Bild: PD

Im westlichen Gebäudeteil soll die Musikschule unterkommen. Dazu soll das bestehende Gebäude abgebrochen und ein Neubau realisiert werden. Noch braucht es weitere Abklärungen, ob eine Umquartierung der Musikschule realisiert werden kann und soll, doch der zuständige Stadtrat Jigme Shitsetsang ist zuversichtlich.

Eine erste Prüfung habe gezeigt, dass es möglich sei. Zudem strich er die Vorteile eines zentralen Standorts hervor. Derzeit sei die Musikschule an zwei Standorten im Lindenhof und beim Bleicheplatz untergebracht, was weder für das Lehrerteam noch für die Ensembles sowie Schülerinnen und Schüler ideal sei. «Der Turm bietet mit seiner Lage im Zentrum einen grossen Vorteil.» Zudem könnten spannende Synergien mit den Vereinen im geplanten Kulturzentrum entstehen.

Kosten auf über 15 Millionen Franken geschätzt

Mit geschätzten Kosten von rund 15 Millionen Franken ist das Projekt finanziell eine beachtliche Investition. Um die Rentabilität zu gewährleisten, sollen deshalb in den obersten Geschossen des Kulturzentrums acht Wohnungen entstehen. Der genaue Wohnungsmix ist zwar noch nicht bestimmt, die Rede ist allerdings von mehreren Studios sowie grösseren Maisonette-Wohnungen im mittleren und höheren Preissegment.

Vorerst wird sich jedoch das Stadtparlament zu den Plänen des Stadtrats äussern können. Da das Konzept gemeinsam mit Vertretern der Parteien erarbeitet wurde, stehen die Chancen allerdings gut. Hans Mäder versprach ein zügiges Voranschreiten des Projekts. Das 2013 erworbene Gebäude, das seit 2017 leer steht, dürfte also bald wieder mit Leben gefüllt werden.