Stadtrat kontert Kritik an Wiler Buskonzept: «Vorwürfe der Anwohner des Neulandenquartiers entbehren jeder Grundlage»

Im Dezember will die Stadt Wil das Buskonzept 2021 umsetzen. Sowohl Stadtrat als auch der Kanton stehen hinter den geplanten Änderungen des Stadtbussystems. Bis dahin sollen möglichst alle Einsprachen erledigt sein.

Gianni Amstutz
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Die Stadtbusse sollen ab Dezember auf angepassten Linien verkehren.

Die Stadtbusse sollen ab Dezember auf angepassten Linien verkehren.

Bild: Gianni Amstutz

Das neue Buskonzept 2021, das in Wil mit dem Fahrplanwechsel im Dezember umgesetzt werden soll, kommt nicht bei allen Wilern gut an. Obwohl damit eine Verbesserung des Busangebots erreicht werden soll, wird Kritik laut.

Dieter Hepp, Anwohner der Neulandenstrasse, sagte gegenüber dieser Zeitung, das neue Konzept sei eine Verschlechterung eines ohnehin schon ungenügenden Zustands.

Auch mehrere Leserbriefschreiber, ebenfalls Anwohner der Neulandenstrasse, liessen kein gutes Haar an den Plänen der Stadt. Das Buskonzept 2021 wurde als «umweltschädlich und quartierfeindlich» bezeichnet. Nun nimmt Daniel Stutz, Vorsteher des Departements Bau, Umwelt Verkehr, zu den Vorwürfen Stellung.

ÖV-Strategie 2035 mit Kanton erarbeitet

Er kann den vorgebrachten Kritikpunkten wenig abgewinnen, da «viele faktisch falsch sind». Dass etwa das neue Konzept nicht wirtschaftlich sei, wie es Dieter Hepp suggeriert hat, entbehre jeder Grundlage. Die ÖV-Strategie 2030/35 sei vom Kanton St.Gallen und der Stadt Wil gemeinsam erarbeitet worden.

Das Buskonzept Wil 2021 sei nun ein erster Umsetzungsschritt, der aus ebendieser Strategie hervorging. Auch dafür sei der Kanton Auftraggeber gewesen – zur Diskussion der jeweiligen Zwischenergebnisse seien die Anspruchsgruppen aus Region und Stadt Wil begrüsst worden. Der Kanton sei bereit dazu, das ÖV-Angebot des Wiler Stadtbusses so wie im neuen Konzept vorgesehen zu bestellen. Stutz sagt: «Wäre es nicht wirtschaftlich, würde das der Kanton nicht tun.»

Es sei zwar richtig, dass der Kostendeckungsgrad einzelner Linien kurzfristig sinken könne durch die geänderte Linienführung und einem zusätzlichen Bus auf den Linien 701 und 703. Das Gesamtsystem erfülle die Vorgaben aber weiterhin.

15-Minuten-Takt für Wil sinnvoll

Zudem sei es unbestritten, dass ein gutes ÖV-Angebot mit schlanken Umsteigezeiten am Bahnhof Wil einem breiten Bedürfnis entspreche, sagt Stutz. Der 15-Minuten-Takt sei dabei aktuell die sinnvollste Lösung für eine Stadt wie Wil. Dabei könne man nicht einzelne Quartiere, in denen die Nachfrage etwas geringer sei, vom ÖV abschneiden.

«Wir müssen als Stadt alle Einwohner gleich behandeln.»

Zum kurzfristig sinkenden Kostendeckungsgrad fügt Daniel Stutz hinzu: «Der öffentliche Verkehr ist angebotsorientiert. Je besser das Angebot ist, desto besser benutzen die Leute den ÖV.» Mittel- bis langfristig werde der Bedarf zunehmen.

Stutz verhehlt nicht, dass die mit dem Buskonzept Wil 2021 geplanten Verbesserungen noch nicht zu einem perfekten ÖV-Angebot führen. Um den ÖV auf dem Stadtgebiet zu verbessern, gebe es viele Stellschrauben. So seien beispielsweise auch Busbevorzugungen, strassenbauliche Massnahmen sowie die Umstellung auf Elektrobusse vorgesehen.

Es sei jedoch illusorisch, all diese Schritte zeitgleich zu planen und umzusetzen. Es sei zudem zu bedenken, dass die Planung des lokalen ÖV sehr komplex sei, da er dem übergeordneten Gesamtsystem folge. Taktgeber seien Fernverkehr, S-Bahnen, regionale Busse und erst am Schluss kann sich Ortsbus einordnen.

Umsetzung des Konzepts ist ein politischer Auftrag

Stutz erinnert daran, dass das Buskonzept 2021 vom Stadtparlament so genehmigt worden ist. Selbstverständlich seien dabei dem Parlament – insbesondere der Vorberatenden Kommission – alle Unterlagen vorgelegen. «Aus dem Entscheid des Parlaments resultiert für mich als Stadtrat der Auftrag diesen auch so umzusetzen.» Politisch gibt es am Buskonzept also nichts mehr zu rütteln, juristisch sieht es möglicherweise anders aus.

Da bei der Umsetzung manche Haltestellen verschoben werden und andere hinzukommen, laufen aktuell mehrere Einspracheverfahren. Stutz geht davon aus, dass die meisten davon bis zur Umsetzung des neuen Konzepts im Dezember geklärt werden können.

Wenn dies nicht bei allen Einsprachen klappt, gebe es verschiedene Optionen. So wäre es beispielsweise möglich, nur einen Teil des neuen Konzepts umzusetzen oder einzelne Linien in angepasster Form zu bedienen.