Stadtrat Daniel Stutz zum Klimanotstand in Wil: «Wir müssen Massnahmen umsetzen, bei denen wir mit geringen Kosten eine grosse Wirkung erzielen» 

Drei Vorstösse wollen die Energiewende in Wil beschleunigen. Stadtrat Daniel Stutz zeigt, welche Ziele dafür bereits jetzt verfolgt werden.

Gianni Amstutz
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Gemäss Stadtrat Daniel Stutz hat die Stadt einen Plan, wie sie den Herausforderungen des Klimawandels begegnen will.

Gemäss Stadtrat Daniel Stutz hat die Stadt einen Plan, wie sie den Herausforderungen des Klimawandels begegnen will.

Bild: PD

Die Klimadebatte hält die Stadt Wil in Atem. Davon zeugen drei eingereichte Vorstösse zum Thema. Nachdem Reto Gehrig (CVP) vergangene Woche eine Anfrage eingereicht hat, lancieren nun die Grünen Prowil zwei Motionen. In diesen fordert die Partei, dass die Stadt bis 2035 energieautark wird und keine fossilen Energieträger mehr fördert.

Stadtrat Daniel Stutz, Vorsteher des Departements Bau, Umwelt und Verkehr, sagt, dass die Zielsetzungen und der Weg, wie die Stadt zu einem massgeschneiderten Klimamassnahmenpaket komme, bekannt seien. Eine geradlinig verlaufende Abfolge von Massnahmen gibt es aber nicht. Diverse Projekte verfolgen nicht in erster Linie Klima- und Energieziele wie Schulbauten oder ÖV.

Zeitgemäss umgesetzt hälfen sie aber Energie und CO2 zu sparen. So spielen gemäss Stutz beispielsweise die Aktivitäten des Labels Energiestadt, das Projekt «Smart City», das kommunale Energiekonzept sowie die Resolution Klimanotstand eine Rolle.

Sie alle enthalten Massnahmen auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt Wil und helfen, die Klimaziele zu erreichen.

Weniger und nur noch erneuerbar Energie

Gemäss den Zielen des Klimanotstands soll die Stadtverwaltung bis 2030 einen ökologischen Fussabdruck von Netto 0 haben, bis 2050 die gesamte Stadt. Der Weg dahin ist klar: Es soll einerseits weniger Energie verbraucht werden, anderseits soll diese Energie erneuerbar sein.

Massnahme 1: Umstellung auf erneuerbare Energieträger wie Solarenergie.

Massnahme 1: Umstellung auf erneuerbare Energieträger wie Solarenergie.

Bild: Fotolia

Letzteres sei zumindest theoretisch relativ schnell umsetzbar, sagt Daniel Stutz. Die Stadtverwaltung könnte dazu überall dort, wo das noch nicht der Fall ist, auf erneuerbare Energieträger wie erneuerbares Gas oder Solarenergie umstellen.

Logistisch wäre dies laut Stutz zu bewerkstelligen, die Stadt müsse das aber auch stemmen können. Er spricht damit sowohl die dafür benötigten Personalressourcen als auch die Bereitschaft an, das Geld für die nötigen Investitionen auszugeben. Denn eines ist klar: Die Klimawende gibt es nicht gratis.

Gebäudesanierungen kommt eine wichtige Rolle zu

Die Umstellung von Öl- auf Biogasheizungen oder besser auf Wärmepumpen und Fernwärme sowie die Produktion bzw. der Einkauf von sauberem Strom wären aber ohnehin nur ein Teil des Massnahmenpakets.

Zwar könnte die Stadt schon damit die Zielsetzungen bis 2030 erreichen, die Nachhaltigkeit sei damit aber nur bedingt gegeben, sagt Stutz. Denn wichtig sei es, künftig auch deutlich weniger Energie zu verbrauchen.

Massnahme 2: Weniger Energie verbrauchen, unter anderem durch Gebäudesanierungen.Bild: PD

Massnahme 2: Weniger Energie verbrauchen, unter anderem durch Gebäudesanierungen.Bild: PD

Bild: PD

Hierbei spielen energetische Gebäudesanierungen – wie sie von Reto Gehrig in seinem Vorstoss angesprochen werden – eine zentrale Rolle. Den grössten Brocken machten dabei die Schulen der Stadt aus, sagt Stutz. Zahlreiche von ihnen wie das Primarschulhaus Lindenhof und das Klosterwegschulhaus harren einer Sanierung.

Dabei gehe es aber nicht nur um bauliche und energetische Aspekte, sondern auch um funktionale Raumfragen. Wo wird überhaupt wie viel Schulraum benötigt? Wo braucht es dafür Neubauten und wo reichen Sanierungen aus? Diese Fragen hat der Stadtrat im Projekt Schule 2020 beantwortet. Die Umsetzung lässt aber wegen der ungeklärten Frage über die Zukunft der Schule St.Katharina auf sich warten.

Bei anderen Gebäuden stellten sich weitere Herausforderungen, so Stutz. So seien beispielsweise die Gebäude in der Altstadt unter dem Aspekt des Denkmalschutzes zu betrachten. Der finanzielle und personelle Aufwand dürfte also auch beim Bereich «Energiesparen» beträchtlich ausfallen.

Grosse Wirkung bei geringen Kosten

Um die Zielsetzungen des Klimanotstands zu erreichen, wird die Stadt eine Beratungsfirma beiziehen. Diese soll den Stadtrat dabei unterstützen, Massnahmen zu definieren und diese in sinnvolle Umsetzungsetappen zu unterteilen. Angesichts des grossen Aufgabenbergs lassen sich nicht alle Massnahmen sofort umsetzen. Stutz sagt:

«Priorität haben jene Massnahmen, bei denen mit geringen Kosten eine grosse Wirkung erzielt werden kann.»
Massnahme 3: Reduktion des fossil betriebenen Verkehrs, wobei der Einfluss der Stadt beschränkt ist.

Massnahme 3: Reduktion des fossil betriebenen Verkehrs, wobei der Einfluss der Stadt beschränkt ist.

Bild: PD

Der Mobilität wird zwar auch eine entscheidende Rolle zukommen, schliesslich ist sie für 40 Prozent des Energieverbrauchs und rund die Hälfte der Treibhausgas-Emissionen in Wil verantwortlich. Stutz sagt aber: «Hier kann die Stadt mit Massnahmen nur eine kleine Hebelwirkung erzielen.»

Es gelte deshalb, «das zu machen, was wir beeinflussen können». Auch hinsichtlich des längerfristigen Ziels, bis 2050 auf dem gesamten Stadtgebiet klimaneutral zu sein, sei die Stadt auf Unterstützung des Bundes, der Bevölkerung und auf technologischen Fortschritt angewiesen. Der städtische Energiefonds sei als Fördermittel für die Umstellung auf erneuerbare Energie gut, reiche aber nicht aus.

Der Weg zum Ziel eines klimaneutralen Wils ist erkennbar, doch es zeigt sich im Gespräch mit Daniel Stutz auch, dass es eher ein Marathon als ein Sprint wird.

Die zwei Vorstösse der Grünen Prowil zur Klimapolitik

Energieautarkie bis 2035

In einer Motion fordern die Grünen Prowil, dass die Stadt bis 2035 energieautark werden soll. Das würde bedeuten, dass die Stadt die gesamte Energie, die sie verbraucht selber produziert. Für eine Stadt wie Wil böten sich verschiedene Möglichkeiten, sich von Energieimporten zu befreien und die benötigte Energie selber zu produzieren, schreiben die Grünen Prowil. Den Lohn für den Energieumbau erhalte die Wiler Bevölkerung in Form von grösserer Unabhängigkeit, besserer Luft, weniger Umwelt- und Klimabelastung und nicht zuletzt Kosteneinsparung. Die Stadt bis 2035 energieautark zu machen, sei mit den geeigneten Massnahmen möglich, sind die Grünen Prowil überzeugt.

Keine weitere Förderung fossiler Energien

Die Grünen Prowil haben eine zweite Motion eingereicht, mit dem Ziel, dass die Stadt Wil künftig keine fossilen Energieträger mehr fördert. Die Stadt habe verschiedene Massnahmen im Bereich erneuerbarer Energie und der Einsparung des Energieverbrauchs ergriffen, schreibt die Partei. Unter anderem werde auch der Umstieg von Öl- auf Gasheizungen gefördert. In der Fachwelt sei man sich jedoch längst einig, dass fossile Energieträger dringend durch erneuerbare ersetzt werden müssten. Es sei daher nicht mehr angezeigt, dass die Stadt und die Technischen Betriebe Gasheizungen mit fossilem Anteil förderten, begründen die Grünen ihren Vorstoss.