Stadtparlament
Stadtrat lenkt in der Mittagstischfrage ein: Bei Ausschreibung sollen soziale und ökologische Kriterien grössere Rolle spielen

Die Grünen Prowil sind nach jahrelangem Kampf am Ziel. Der Stadtrat will die Kriterien für die Vergabe des Mittagstischcaterings an den Wiler Schulen anpassen.

Gianni Amstutz
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Aktuell liefert die SV Schweiz AG das Essen für die Wiler Mittagstische. Noch in diesem Jahr wird der Auftrag neu ausgeschrieben.

Aktuell liefert die SV Schweiz AG das Essen für die Wiler Mittagstische. Noch in diesem Jahr wird der Auftrag neu ausgeschrieben.

Bild: Andrea Stalder

Die Vergabe des Caterings für die Wiler Mittagstische ist ein heisses Eisen. Zweimal ging der Auftrag an die SV Schweiz AG in Dübendorf. Das stiess wiederholt auf Kritik aus den Reihen des Stadtparlaments.

An vorderster Front kämpften die Grünen Prowil gegen die Anlieferung des Essens aus Basel. Mit mehreren Vorstössen übten sie scharfe Kritik und wollten eine Änderung des Vergabeprozederes erreichen. Sie blieben jedoch erfolglos. Bis jetzt.

«Preis darf nicht das Hauptargument sein»

Der jüngste Vorstoss von Luc Kauf scheint von Erfolg gekrönt. Wiederum bemängelten die Grünen Prowil die Kriterien, die zur Vergabe des Cateringauftrags an die SV Schweiz AG geführt haben. Konkret geht es ihnen darum, dass der Preis nicht das Hauptargument für eine Auftragsvergabe sein darf.

Stattdessen sollen Regionalität und vor allem Nachhaltigkeit höher gewichtet werden. Dass das Essen täglich von Basel-Land nach Wil gefahren wird und in Plastikverpackungen geliefert wird, hinterliess bei der Ökopartei ein flaues Gefühl im Magen.

Mit dem Vorstoss sollen auch regionale Anbieter oder soziale Institutionen die Chance haben, den Zuschlag zu erhalten. Kauf darauf aufmerksam, dass alle Stadtratskandidierenden im Wahlkampf vergangenen Herbst mit Ökologie und Regionalität für sich geworben haben. «Die Stärkung der Region durch nachhaltige Beschaffung darf aus unserer Sicht keine leere Worthülse bleiben.»

Nein zum Vorstoss, Ja zum Anliegen

Die Forderung der Grünen Prowil scheint beim neuen Stadtrat tatsächlich angekommen zu sein. Zwar beantragt er dem Parlament, den Vorstoss der Grünen Prowil abzulehnen, auf deren Forderungen will er gleichwohl eingehen.

Wie die Stadtregierung in ihrer Antwort festhält, soll es Änderungen geben:

«Der Stadtrat beabsichtigt, die im laufenden Jahr zu erfolgende Ausschreibung anzupassen.»

So sollen Kriterien in Bezug auf die Umweltverträglichkeit und die Sicherung des Ausbildungsstandes einer Berufsgattung (Lehrlingsausbildung) gegenüber den bisherigen Kriterien Preis, Qualität und Erfahrung mehr gewichtet werden.

Der Preis wird bei der Vergabe nur noch 30 Prozent anstatt wie bisher mit 50 Prozent ausmachen. Der Stadtrat sei sich bewusst, dass dies Auswirkungen auf die Gesamtkosten der Tagesstrukturen haben könnte. Trotzdem erachtet er es als zielführend. Damit könne «dem Anliegen des Motionärs schnell und unkompliziert Rechnung getragen werden».

Kein spezielles Reglement

Ein spezielles Reglement für die Vergabe des Mittagstischcaterings zu erstellen – wie das von den Grünen Prowil in ihrem Vorstoss gefordert wird – geht dem Stadtrat aber zu weit. Der Stadtrat erachte es als zielführender, das Departement Bildung und Sport zu beauftragen, die Ausschreibung 2021 zur Vergabe des Caterings für den Mittagstisch an den Schulen entsprechend anzupassen.

Stadtparlamentarier Luc Kauf, Grüne Prowil.

Stadtparlamentarier Luc Kauf, Grüne Prowil.

Bild: PD

Damit ist Luc Kauf zufrieden.

«Das Ziel ist für mich erreicht.»

Durch die Anpassung der Kriterien hätten auch kleinere und regionale Unternehmen die Möglichkeit, den Zuschlag zu erhalten und würden so vielleicht auch eher an der Ausschreibung teilnehmen.

Dass letztlich doch ein Anbieter von ausserhalb der Region den Zuschlag erhalten könnte, dessen ist sich Luc Kauf bewusst. Das müsse man akzeptieren, wenn es denn so sei. Doch mit der Anpassung der Kriterien herrsche zum ersten Mal so etwas wie Chancengleichheit.